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27.09.2015

18:53 Uhr

Flüchtlingskrise

Wo sind in Ungarn die Flüchtlinge geblieben?

Vor kurzem noch campierten tausende Flüchtlinge in Ungarns Bahnhöfen oder an der Grenze. Heute sieht man sie nicht mehr, doch verschwunden sind sie deshalb nicht.

Aus der ungarischen Öffentlichkeit sind die Flüchtlinge fast verschwunden. Die Behörden transportieren sie unauffällig direkt von der kroatischen zur österreichischen Grenze. dpa

Flüchtlinge an der kroatisch-ungarischen Grenze.

Aus der ungarischen Öffentlichkeit sind die Flüchtlinge fast verschwunden. Die Behörden transportieren sie unauffällig direkt von der kroatischen zur österreichischen Grenze.

BudapestNoch vor anderthalb Wochen war der Budapester Ostbahnhof ein Brennpunkt der europäischen Flüchtlingskrise. Tausende gestrandete Menschen schliefen in Mini-Zelten oder auf Pappkartons in den Hallen und Gängen der Unterführung. Die Bilder aus Budapest trugen mit dazu bei, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 31. August ihr inzwischen umstrittenes „Willkommen“ für alle Bürgerkriegsflüchtlinge aussprach.

Jetzt herrscht hier wieder Alltag. Pendler eilen von der U-Bahn in die Bahnhofshalle. Ein paar Rucksack-Touristen suchen den internationalen Fahrkartenschalter. Eine Obdachlose sitzt auf einer Stiege und bettelt um Almosen. Fast nichts deutet auf die Dramen hin, die sich hier noch vor kurzem abgespielt haben. Das grüne Schild der Hilfsorganisation Migration Aid prangt noch in der Unterführung. In den Krisentagen hatten hier Freiwillige Wasser und Lebensmittel, Decken und Kleidung an Flüchtlinge ausgegeben - oft bis zur totalen Erschöpfung. Nun sind die Aktivisten dabei, die Räumlichkeit, die ihnen als Lager diente, zu leeren und aufzuräumen. 

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Die Verteilung der Flüchtlinge ist ungleich – und trifft vor allem Deutschland, so das Ergebnis einer DIW-Studie. Dabei könnten bestimmte Länder durchaus mehr Asylsuchende aufnehmen. Ungarn kommt in der Studie gut weg.

„Der Staat nimmt sich zurück, was ihm gehört“, sagt „Baba“, ein groß gewachsener, fülliger Mittdreißiger mit auffälligen Tätowierungen und vielen Ringen an den Fingern. In der Zeit der Krise war „Baba“, der selbst aus Ägypten stammt, mit seinem schrägen Erscheinungsbild, seiner Gutmütigkeit und seinen Arabisch-Kenntnissen ein Liebling der Flüchtlinge. „Wir machen weiter. Nicht hier, sondern dort, wo es immer noch viel zu tun gibt“, sagt er. 

Doch wo sind die Flüchtlinge geblieben? Am 15. September riegelte die rechtskonservative Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban die Grenze zu Serbien für Migranten ab - mit  einem 175 Kilometer langen Zaun und zwei sogenannten „Durchlasspunkten“ für Asylbewerber, an denen praktisch niemand Asyl bekommen kann. Das Überwinden des Zauns ist eine Straftat, die mit Gefängnis bestraft werden kann und in der Praxis mit Landesverweis geahndet wird.

Seitdem wenden sich die Flüchtlinge auf der sogenannten Balkan-Route von Serbien nach Kroatien. Die Kroaten wollen sie möglichst schnell wieder loswerden und bringen sie mit Bussen zur ungarischen Grenze, zu den Grenzübergängen Beremend, Barcs und Letenye. Die ungarischen Behörden übernehmen die Flüchtlinge und transportieren sie ihrerseits mit Bussen und Zügen zur österreichischen Grenze - mehrere tausend am Tag.

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