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24.10.2016

16:24 Uhr

Flüchtlingslager von Calais

Der „Dschungel“ verschwindet, die Probleme nicht

Der erste Tag der Räumung des „Dschungels von Calais“: In Reih und Glied stellen sich die Bewohner auf, um sich registrieren zu lassen. Zuversichtlich sind aber nur wenige. Die Odyssee der Migranten geht nun weiter.

Flüchtlingslager in Calais

„Das ist die einzige Chance, die Flüchtlinge haben“

Flüchtlingslager in Calais: Französische Behörden: „Das ist die einzige Chance, die Flüchtlinge haben“

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Calais„À gauche, à gauche!“, rufen die Polizisten in die Menge. Doch die Flüchtlinge verstehen kein Französisch und gehen nicht nach links, wie es die Ordnungshüter möchten. Vor dem Tor des notdürftig hergerichteten Transitzentrums am tristen Stadtrand von Calais drängeln sich die Menschen.

Einige von eine schreien, Koffer zerbersten, eine Gitarre geht zu Bruch. Die Beamten stemmen sich mit aller Kraft gegen die Absperrgitter, um ein Chaos zu verhindern.

Aus für den "Dschungel" von Calais

Calais

Ein Flüchtlingslager in Sangatte bei Calais wird auf Beschluss der französischen und britischen Regierung geschlossen und abgerissen. In dem Hangar hatte das Rote Kreuz seit 1999 mehr als 60.000 Flüchtlinge aus Krisenstaaten wie dem Irak, dem Iran oder Afghanistan betreut, die nach Großbritannien gelangen wollten.

Februar 2003

Frankreich und Großbritannien unterzeichnen den Vertrag von Le Touquet in dem gleichnamigen nordfranzösischen Badeort. Der Vertrag und weitere Vereinbarungen führen faktisch dazu, dass die Grenzkontrollen für Großbritannien in Frankreich stattfinden. London finanziert im Gegenzug Kontrolleinrichtungen etwa im Hafen von Calais oder am Zugang zum Eurotunnel.

Ab 2003

Auch nach der Schließung von Sangatte lagern Flüchtlinge in der Umgebung von Calais und versuchen, über den Ärmelkanal zu gelangen. Die Behörden vertreiben die Flüchtlinge regelmäßig.

September 2009

Die französische Polizei löst den ersten "Dschungel" von Calais auf - eine improvisierte Zeltstadt in einem Industriegebiet, in der sich nach Schätzungen rund 2000 Flüchtlinge aufhielten. Wieder entstehen kleinere wilde Camps, manche Flüchtlinge schlagen sich auch im Stadtzentrum durch.

Frühjahr 2015

Östlich von Calais entsteht ein neues Flüchtlingslager, der "Neue Dschungel", der bald nur noch "Dschungel" genannt wird.

Januar 2016

Am Rande des Lagers stellen die französischen Behörden Wohncontainer mit Platz für 1500 Flüchtlinge auf.

März 2016

Begleitet von teils heftigen Ausschreitungen wird der südliche Teil des Flüchtlingslagers aufgelöst. Die meisten Bewohner weichen einfach in den nördlichen Abschnitt aus.

September 2016

Die französische Regierung kündigt die endgültige Schließung des Flüchtlingslagers vor Jahresende an.

24. Oktober 2016

Die Räumung des "Dschungels" beginnt. Zwischen 6000 und 8000 Flüchtlinge sollen in rund 450 Aufnahmezentren im ganzen Land verteilt werden.

Am Tag Eins der Räumung von Frankreichs größter Barackensiedlung, dem „Dschungel von Calais“, ist die Aufregung groß. Seit Wochen wird über die Räumung gesprochen, die Behörden bereiteten sie minutiös vor.

Die Halle, wo die Flüchtlinge aus Äthiopien, Eritrea, Afghanistan oder dem Sudan registriert werden, öffnet pünktlich wie eine Amtsstube um 8.00 Uhr morgens. Die Bewohner des Elendslagers haben die Wahl zwischen Regionen in Frankreich. Dabei sind die Bretagne, die Normandie oder das Burgund. 450 Aufnahmezentren gibt es im ganzen Land.

Dolmetscher helfen bei der notdürftigen Orientierung. Ein Mann aus dem afghanischen Kabul hat den Osten des Landes erwischt. „Sehr viel Auswahl gab es nicht“, berichtet er. Eigentlich wollte er in den Süden, nach Marseille.

In Zelten, die in der kalten Betonhalle aufgeschlagen sind, sammeln sich die Gruppen. Wenn 50 Menschen zusammen sind, werden sie in Busse gebracht, die vor dem Gebäude warten. „Im Fahrzeug ist keine Polizei“, versichert eine Mitarbeiterin der Präfektur Pas-de-Calais. Auch beim Transport läuft alles wie am Schnürchen. Alle 15 Minuten verlässt ein Bus den Parkplatz und fährt durch das unwirtliche Industriegebiet mit Chemiefabriken in Richtung Autobahn.

Kommentare (18)

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Herr Percy Stuart

24.10.2016, 16:46 Uhr

Auf den Fotos sehe ich hauptsächlich junge Männer um die 16 bis 30 Jahre.
Wo sind die schutzsuchenden Familen, deren kleine Kinder, die Alten?

Warum jetzt plötzlich in den Medien keine Fotos mehr von keinen Kindern, wie bisher immer veröffentlicht?
Echt zum Kotzen!


Herr Percy Stuart

24.10.2016, 16:49 Uhr

Ich will das hier ganz klar sagen. Ich bin klar dafür, Familien und Alten aus Syrien zu helfen, ich bin aber dagegen jungen „Schutzsuchenden“ die jederzeit in ihrem eigenen Land etwas gewegen könnten zu helfen. Dort ist meine Toleranz und Aufnahmebereitschaft beendet. Auch in Anbetracht dessen, dass hier im „reichen“ Deustchland Millionen von Menschen ihre Grundnahrungsmittel über Tafelläden beziehen müssen. Mir reicht es jetzt endgültig!

Herr Thomas Behrends

24.10.2016, 16:49 Uhr

 Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette  

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