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19.05.2015

16:08 Uhr

Flüchtlingspolitik

Philippinen wollen Asylsuchende vom Meer retten

Vor den Küsten Thailands, Malaysias und Indonesiens treiben Tausende Flüchtlinge. Die Bedingungen auf den völlig überfüllten Fischerbooten sind elend. Nun bieten die Philippinen Hilfe für die Asylsuchenden an.

Bei der Flucht über das Meer seien in Südostasien seit Anfang 2014 wahrscheinlich bereits fast 1000 Menschen umgekommen. dpa

Tödliche Flucht

Bei der Flucht über das Meer seien in Südostasien seit Anfang 2014 wahrscheinlich bereits fast 1000 Menschen umgekommen.

Manila/GenfDie Philippinen haben Hilfe für die Bootsflüchtlinge auf dem Meer vor Malaysia und Indonesien angeboten. „Wir tun, was nötig ist“, sagte Präsidentensprecher Herminio Columa am Dienstag. „Wir haben Verpflichtungen, Asylsuchenden zu helfen“, sagte ein Sprecher des Außenministeriums.

Vor den Küsten Thailands, Malaysias und Indonesiens treiben nach Angaben von Menschenrechtlern Tausende Flüchtlinge unter elenden Bedingungen auf völlig überfüllten Fischerbooten. Kein angrenzendes Land will sie aufnehmen. Es handelt sich überwiegend um muslimische Rohingya aus Myanmar, die in ihrer Heimat verfolgt werden, sowie einige wenige Menschen aus dem muslimischen Bangladesch.

Mehr als 1500 sind vergangene Woche teils stark geschwächt in Indonesien und Malaysia an Land gekommen. Seitdem halten Küstenwachen die Boote auf Abstand.

In einem dringenden Appel riefen Hilfsorganisationen Indonesien, Malaysia und Thailand zur Rettung der Bootsflüchtlinge auf. Es sei zutiefst beunruhigend, dass diese Notleidenden ohne Nahrung, Wasser und Medikamente auf dem offenen Meer trieben, erklärten die Leiter des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) und der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sowie der UN-Menschenrechtskommissar und der UN-Sonderbeauftragte für Migration.

Was treibt Flüchtlinge nach Europa?

Syrien

Die Syrer stellen die größte Gruppe; 2014 kamen nach Angaben der Grenzschutzagentur Frontex 66 700. Millionen Syrer sind auf der Flucht vor einem extrem brutal ausgetragenen Religions- und Bürgerkrieg; viele sind Flüchtlinge im eigenen Land oder gingen in die Türkei und den Libanon.

Eritrea

Das Land am Horn von Afrika gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Präsident Isaias Afwerki regiert seit 1993 mit eiserner Faust. Oppositionelle werden ermordet oder inhaftiert. Viele junge Menschen fliehen vor dem Militärdienst. Laut Frontex nahmen 2014 rund 34 300 Menschen aus Eritrea das Risiko einer Überfahrt auf sich.

Afghanistan

Nach vielen Jahren Bürgerkriegs liegen Infrastruktur und Wirtschaft des Vielvölkerstaats am Boden. Industrie gibt es kaum. Dafür floriert der Drogenhandel und die Taliban sind unbesiegt. Viele Afghanen sehen daher keine Zukunft in ihrer Heimat.

Mali

Die 16 Millionen Einwohner des armen Wüstenstaates kämpfen um das tägliche Überleben. Nach einem Militärputsch hatten Islamisten 2012 den Norden erobert und waren erst von einer internationalen Truppe zurückgeworfen worden. Die Sicherheitslage bleibt prekär und die Korruption hemmt die Entwicklung.

Nigeria

Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram hat in Teilen des Nordostens einen Gottesstaat ausgerufen. Ihre Angriffe kosteten Tausende das Leben. 1,5 Millionen Menschen flohen vor der Miliz in andere Landesteile oder ins Ausland. Mehr als die Hälfte der Einwohner des potenziell reichen Landes lebt in extremer Armut.

Bei der Flucht über das Meer seien in Südostasien seit Anfang 2014 wahrscheinlich bereits fast 1000 Menschen umgekommen. Mit Hilfe der südostasiatischen Staatengemeinschaft Asean müsse die Lebensrettung auf See Vorrang haben. Die Flüchtlinge seien oft Menschenschmugglern schutzlos ausgeliefert: „Frauen werden vergewaltigt, Kinder werden von ihren Familien getrennt und missbraucht, Männer werden geschlagen und über Bord geworfen.“

Zurzeit hat Kuala Lumpur den Vorsitz der Asean inne. Für Mittwoch berief es ein Treffen der Außenminister von Malaysia, Indonesien und Thailand ein, um über die Rohingya-Flüchtlingskrise zu beraten.

Welche Hilfe die Philippinen für die Flüchtlinge ins Auge fassen, sagten die Sprecher nicht. Das Land hat in den 70er Jahren Tausende Bootsflüchtlinge aufgenommen, die vor den Kommunisten aus Südvietnam geflüchtet waren. Im 2. Weltkrieg nahmen die mehrheitlich katholischen Philippinen 1500 jüdische Flüchtlinge auf.

Von

dpa

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