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05.02.2017

19:35 Uhr

Flüchtlingspolitik

Ugandas Harmonie ist in Gefahr

In Uganda werden Flüchtlinge fair behandelt. Sie bekommen Arbeit und Land von der Regierung. Das führte zu einem harmonischen Zusammenleben. Doch die offene Flüchtlingspolitik gerät nun unter Druck.

Flüchtlinge bekommen eine eigene Parzelle. Das führte schon zu Streitigkeiten zwischen den Flüchtlingen und den Einwohnern. dpa

Wohnung statt Zeltlager

Flüchtlinge bekommen eine eigene Parzelle. Das führte schon zu Streitigkeiten zwischen den Flüchtlingen und den Einwohnern.

NakivaleIm Flüchtlingslager in Nakivale leben Menschen in einfachen, sauberen Lehmhütten, umgeben von grünen Maisfeldern. Kinder spielen in sauberen Höfen, während ein paar Männer Lehmziegel zu einer Mauer für ein neues Haus aufeinanderschichten. Nakivale ist die zweitgrößte von zehn ähnlichen Siedlungen, gelegen im Südwesten Ugandas. Rund 113.000 Flüchtlinge, die vor Gewalt in Nachbarstaaten geflohen sind, leben dort auf rund 183 Quadratkilometern, einer Fläche fast halb so groß wie Köln.

Joseph O. kam während des Bürgerkriegs im Sudan 2003. In Nakivale erhielt er eine Parzelle, wo heute ein Haus und ein Kiosk stehen, mit dem er den Lebensunterhalt für seine Frau und die sechs Kinder verdient. „Uganda gibt Flüchtlingen Sicherheit und Bewegungsfreiheit“, sagt der 45-Jährige. Zudem dürfen sie arbeiten.

Krisenherde in der arabischen Welt

SYRIEN

Seit 2011 wird das Land von einem Bürgerkrieg und dem Terror des Islamischen Staates (IS) erschüttert, mehr als 400.000 Menschen kamen bereits ums Leben. Millionen wurden vertrieben.

IRAK

Der zeitweilige Vormarsch des IS hat viele Menschenleben gekostet. 2015 starben in dem zerrütteten Land mehr als 7.500 Zivilpersonen eines gewaltsamen Todes. Dieses Jahr waren es bis September mehr als 4.000.

GAZA

Seit 2008 gab es drei Gaza-Kriege. Allein während des jüngsten Konflikts im Sommer 2014 wurden mehr als 2.200 Menschen getötet.

TÜRKISCHES KURDISTAN

Im Kurdenkonflikt starben seit 1984 mehr als 40.000 Menschen. Er strahlt in Nachbarländer ab. Seit 2015 eine Waffenruhe endete, herrschen in Teilen der Südosttürkei bürgerkriegsähnliche Zustände.

JEMEN

Im Bürgerkrieg zwischen der von Saudi-Arabien unterstützten sunnitischen Regierung und den schiitischen Huthi-Rebellen sind seit März 2015 mehr als 4.000 Zivilisten getötet worden.

SINAI

Das ägyptische Militär kämpft auf der Halbinsel gegen das Terrornetzwerk Islamischer Staat. Hunderte Menschen starben seit 2011 bei Anschlägen radikaler Islamisten auf der Halbinsel und in Kairo.

LIBYEN

Libyen ist nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi 2011 in Chaos und Bürgerkrieg versunken. Das Land gilt als Sammelbecken für IS-Kader aus dem Kerngebiet in Syrien und dem Irak.

Nur wenige Flüchtlinge auf dem Kontinent leben unter solch guten Bedingungen. In Afrika südlich der Sahara leben nach UN-Angaben rund 26 Prozent der weltweit über 21 Millionen Flüchtlinge. Viele von ihnen leben zusammengepfercht in chronisch unterversorgten, oftmals umzäunten Zeltstädten. Es mangelt an Lebensmitteln und Medikamenten, es gibt Choleraausbrüche oder auch Rebellenangriffe.

Uganda beheimatet mit rund 900.000 Flüchtlingen eine der größten Flüchtlingspopulationen Afrikas – bei einer eigenen Bevölkerungszahl von 39 Millionen. Rund 800.000 von ihnen erhielten Land von der Regierung in nicht eingezäunten Siedlungen. Zehntausende weitere Flüchtlinge leben in den Städten. Sie dürfen dort arbeiten und eigene Unternehmen führen. „Uganda hat ein Regelwerk, das die Würde von Flüchtlingen wiederherstellt“, betont Teresa Ongaro vom Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) in Kenia.

Die größte Gruppe – etwa eine halbe Million Menschen – kommt aus dem Südsudan. Die jüngste Nation der Welt erlangte 2011 ihre Unabhängigkeit vom Sudan, verfiel jedoch zwei Jahre später in einen blutigen Bürgerkrieg. Zehntausende Menschen kamen ums Leben, Millionen flohen vor der Gewalt. Neue Gewaltausbrüche seit dem vergangenen Juli haben die Lage erneut destabilisiert. Auch Bürgerkriege und Krisen in anderen Nachbarländern Ugandas – wie etwa Somalia, Burundi, Kongo oder Ruanda – haben Menschen nach Uganda geführt.

Bei Ankunft werden sie nach Angaben der Behörden medizinisch untersucht, geimpft und erhalten einen Identitätsausweis. Es gebe auch Schulungen in Landwirtschaft und Betriebswirtschaft, erklärt Patrick Rwabwogo von der Hilfsorganisation Finnish Refugee Council, die solche Programme in Nakivale anbietet. „Wenn Flüchtlinge Möglichkeiten geboten werden, werden sie nicht zu solch einer großen Belastung und produktiv“, sagt Apollo Kazungu, Flüchtlingskommissar der ugandischen Regierung.

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