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28.08.2015

13:58 Uhr

Flüchtlingstragödie

Libysche Küstenwache meldet rund 200 Tote

Vor der Küste Libyens sind zwei Schiffe gekentert. Zahlreiche Tote wurden am Morgen an Land gespült und geborgen. Die Küstenwache meldet, dass mindestens 200 Menschen ums Leben kamen.

Der britische Sender BBC berichtete, auf dem einen Boot seien 50 Menschen gewesen, auf dem anderen 400. ap

Boote vor Lybien

Der britische Sender BBC berichtete, auf dem einen Boot seien 50 Menschen gewesen, auf dem anderen 400.

TripolisBei der neuen Flüchtlingstragödie im Mittelmeer sind nach Angaben der libyschen Küstenwache mindestens 200 Menschen ums Leben gekommen. Zahlreiche Tote seien am Morgen an Land gespült und geborgen worden, erklärte ein Sprecher der Küstenwache am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Unter den Opfern seien auch Kinder. Die Küstenwache versuche, die endgültige Zahl der Toten festzustellen.

Aktivsten hatten zuvor von 65 Leichen in Suwara berichtet. 190 Menschen seien gerettet worden, erklärte das Suwara-Medienzentrum. Eine Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in Libyen sagte der Deutschen Presse-Agentur zunächst, es gebe sehr unterschiedliche Zahlen, die bisher nicht verifiziert werden konnten.

Schleuser und ihr Geschäft mit den Flüchtlingen

Wo sind besonders viele Schleuser unterwegs?

Von den türkischen Hafenstädten wie Izmir setzen Zehntausende Flüchtlinge auf die in Blickweite liegenden griechischen Inseln mit klapprigen Booten oder Schlauchbooten über. Für die oft nur eineinhalbstündige Passage müssen pro Person wenigstens 1000, nicht selten 1500 Dollar an Schleuser gezahlt werden. Schlepper lassen sich auch den illegalen Grenzübertritt zwischen Mazedonien und Serbien fürstlich bezahlen. Die Reise nach Nordserbien und die Überquerung der ungarischen Grenze ist ebenfalls teuer. Österreich und das bayrische Grenzgebiet um Passau sind weitere Dreh- und Angelpunkte.

Wie groß ist das Heer der Schlepper?

Da Flüchtlinge und Schlepper eisern schweigen, gibt es keine gesicherten Zahlen. In Österreich saßen am 1. Juli 198 Schleuser in Haft. Einen Monat später waren es schon 298, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA am Donnerstag unter Berufung auf das Justizministerium. In Bayern flogen im ersten Halbjahr 1300 Fälle auf. Das war schätzungsweise die Hälfte aller einschlägigen kriminellen Taten bundesweit. Im Passauer Untersuchungsgefängnis fehlt bereits Platz: Die Zahl der U-Häftlinge übersteigt die Zahl der Haftplätze um fast das Fünffache.

Wer profitiert noch vom Flüchtlingselend?

Wahrscheinlich sind die erwischten Schleuser nur die Spitze des Eisberges, weil die meisten Machenschaften unentdeckt bleiben. Vor allem in den Balkanländern ist Korruption weit verbreitet, so dass Behörden nicht selten gemeinsame Sache mit den Kriminellen machen. Zwei Belgrader Polizisten wurden festgenommen, weil sie zwei Syrern mit vorgehaltener Dienstwaffe 2050 Euro abgenommen hatten.

Welche Strafen müssen Schleuser fürchten?

In Serbien wurden Hunderte Taxis beschlagnahmt, weil deren Besitzer nicht registrierte Flüchtlinge illegal in Richtung Ungarn transportiert hatten. In Österreich müssen Schlepper mit Gefängnis bis zu zwei Jahren rechnen.

Wenden Schlepper auch Gewalt an?

Ja, zum Beispiel in den beiden mazedonischen Dörfern Vaksince und Lojane in Sichtweite zur Grenze mit Serbien. Dort hatten im Drogen- und Waffenschmuggel erfahrende organisierte Banden Hunderte Flüchtlinge eingekerkert und sie erst gegen hohe „Lösegelder“ wieder freigelassen. Mitte Juni befreite die Polizei, die hier sonst wenig zu sagen hat, in einer Aktion mit dem Codenamen „Ali Baba“ 128 festgehaltene Flüchtlinge.

Vor der Küste Libyen waren zuvor zwei Schiffe mit Flüchtlingen gekentert. Der britische Sender BBC berichtete, auf dem einen Boot seien 50 Menschen gewesen, auf dem anderen 400. Mindestens 100 Leichen seien in das Krankenhaus von Suwara im Nordwesten Libyens gebracht worden.

Von

dpa

Kommentare (6)

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Herr Günther Schemutat

28.08.2015, 15:24 Uhr

Diese Nachrichten von toten Flüchtlingen nehmen immer mehr zu und Europa verweigert sich das Flucht-Problem zu lösen.

Das Politiker bei uns vehement Lügen, wenn sie uns erzählen das man keinen Europäischen Staat zwingen kann Flüchtlinge aufzunehmen ist daher beschämend.

Fakt ist:

Deutschland zahlt über 30 Milliarden Euro an die Eu , hier muss es eine Verweigerung der Zahlung geben und mit Österreich und Schweden zusammen ,
würde es sofort zu einer vertraglichen Einigung aller Länder kommen , was die Quoten von Flüchtlingen angeht. Wenn nicht wäre das auch gut, denn dann wäre die EU nicht mehr Wert sie zu erhalten.

Stattdessen wird Blah Blah erzählt und man kaut Sätze so lang in die Länge das man zwischendurch einen Film sehen kann. Das Merkel so aktiv wird ist
erstaunlich. Das sie heute mit den Dänischen MP aber nichts aber wirklich nichts zum Thema Flüchtlinge erzählt hat außer Rundsätzen ist für alle Deutschen Politiker Programm.

Herr Bernhard Ramseyer

28.08.2015, 15:35 Uhr

Wusste gar nicht, dass es ein libysche Küstenwache gibt.

Da es sie doch gibt, ist es deren Aufgabe, die Boote nicht abfahren zu lassen und nicht hinterher die Toten zu zählen.

Novi Prinz

28.08.2015, 15:41 Uhr

Lybien hat eine Küstenwache ? Wie das ?

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