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06.06.2014

14:10 Uhr

Flüchtlingswelle

Italienische Marine rettet 2500 Migranten

Die Zahl der Migranten, die von Nordafrika aus Italien anstreben, nimmt weiter zu. Zuletzt rettete die Marine innerhalb von 24 Stunden 2500 Flüchtlinge im Mittelmeer. Italiens Innenminister appelliert an Europa.

Über 2500 Menschen gerettet

Neue Flüchtlingswelle rollt auf Italien zu

Über 2500 Menschen gerettet: Neue Flüchtlingswelle rollt auf Italien zu

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RomBei Küstenpatrouillen sind nach Angaben der italienischen Marine innerhalb von 24 Stunden mehr als 2500 Migranten im Mittelmeer gerettet worden. Insgesamt seien 17 Flüchtlingsboote aufgebracht worden, teilte die Marine am Freitag mit. An den Rettungsaktionen beteiligt waren demnach neben vier Marineschiffen auch drei Frachter, ein Schlepper sowie ein Boot der Hafenbehörden. Es handelt sich um eine der größten Flüchtlingswellen, seit Rom die Überwachung des Mittelmeerraumes verstärkt hat. Anlass war ein schweres Unglück im vergangenen Oktober, bei dem mehr als 400 Flüchtlinge vor Lampedusa ums Leben kamen.

Begonnen hatte die jüngste Flüchtlingswelle bereits am Donnerstag. Dabei waren nach Angaben der Marine zunächst 443 Migranten gerettet und in den Hafen von Augusta auf Sizilien gebracht worden. In der vergangenen Woche hatte Innenminister Angelino Alfano dem Parlament mitgeteilt, dass in den ersten fünf Monaten dieses Jahres bereits rund 40.000 Migranten die italienische Küste erreicht hätten - ein Rekord.

Der Umgang der EU mit Flüchtlingsbooten

Italien

Wenn Flüchtlinge auf See in einer Notsituation sind, machen sich Fischer laut Gesetz nicht strafbar, wenn sie Hilfe leisten - im Gegenteil, sie sind sogar dazu verpflichtet. Dennoch berichten Medien immer wieder über die Angst der Fischer, bei einem Eingreifen wegen Förderung illegaler Einwanderung angeklagt zu werden. Tatsächlich ist dies 2007 passiert, laut Medienberichten soll es sich dabei aber um Sonderfälle gehandelt haben. Demnach gerieten diese Fischer in Verdacht, Menschenschlepper zu sein. Sie wurden vor Gericht freigesprochen. Trotzdem löste ihr Fall eine öffentliche Debatte aus.

Griechenland

Auch hier sind alle Seeleute per Gesetz verpflichtet, Menschen in Seenot zu helfen - und auch hier ist die Auslegung das Problem. Wer systematisch Migranten rettet und sie nach Griechenland bringt, läuft Gefahr, als Schleuser angeklagt zu werden. Schleuser wiederum können sich als Retter ausgeben. Aus diesem Grund informieren Fischer immer die Küstenwache über die Entdeckung von Bootsflüchtlingen und die Rettungsaktion. Menschenrechtsorganisationen werfen der Küstenwache vor, die Flüchtlinge mit gefährlichen Manövern zur Rückkehr in die Türkei bewegen zu wollen. Es gibt aber auch Berichte über Flüchtlinge, die ihre Boote selbst zum Kentern bringen, damit ihnen geholfen werden muss.

Spanien

Hier muss Flüchtlingen, die mit ihren Schiffen in Seenot geraten sind, in jeden Fall geholfen werden. Dies schreibt der Artikel 98 der UN-Seerechtskonvention vor, die auch von Spanien ratifiziert wurde. Dies bedeutet, dass beispielsweise Fischerboote oder Fährschiffe zu einer Hilfeleistung verpflichtet sind. Die Pflicht zur Hilfe gilt allerdings nur, solange das eigene Schiff und dessen Besatzung dadurch nicht in Gefahr geraten.

Bereits zuvor hatte Alfano immer wieder mehr Unterstützung von den europäischen Partnern gefordert, da Rom den Ansturm alleine nicht mehr bewältigen könne. Er hatte gewarnt, an der nordafrikanischen Küste warteten Hunderttausende Menschen darauf, nach Europa zu gelangen.

Der Strom der Migranten nimmt seit Monaten massiv zu. In der Regel werden die Überfahrten von Schlepperbanden organisiert. Durch die verstärkte Überwachung unter dem Namen „Mare Nostrum“ sollen Tragödien wie vor Lampedusa verhindert werden.

Von

dpa

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