Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.07.2015

07:38 Uhr

Flug MH17

Malaysia fordert internationales Tribunal

Knapp 300 Menschen starben vor rund einem Jahr beim Abschuss des Malaysia-Airlines-Flugs MH17. Mit Hilfe eines Tribunals will Malaysia nun den Schuldigen für das Unglück ausfindig machen. Russland lehnt den Vorschlag ab.

Prozession zur Absturzstelle von MH17 in der Ostukraine. Malaysia will mithilfe eines Tribunals klären lassen, wer für das Unglück verantwortlich ist. ap

Absturzstelle in der Ostukraine

Prozession zur Absturzstelle von MH17 in der Ostukraine. Malaysia will mithilfe eines Tribunals klären lassen, wer für das Unglück verantwortlich ist.

Kuala LumpurMalaysia will mit Hilfe eines internationalen Tribunals klären lassen, wer die Schuld am Abschuss des Malaysia-Airlines-Flugs MH17 vor einem Jahr trägt. Es sei wichtig, dass der UN-Sicherheitsrat deutlich gegen die Verantwortlichen vorgehe, erklärte das Außenministerium in Kuala Lumpur am Montag. Auch die Niederlande hatten ein solches Tribunal Anfang Juli gefordert.

Russland machte allerdings bei einer Sitzung des Sicherheitsrats am Montag in New York erneut seine Ablehnung einer diesbezüglichen Resolution deutlich. „Es gab deutliche Unterstützung für die Einberufung eines Tribunals, aber Russland hatte dazu natürlich eine andere Sichtweise“, sagte der neuseeländische UN-Botschafter und derzeitige Ratsvorsitzende Gerard von Bohemen nach der Sitzung. Russland verbreitete unterdessen einen eigenen Resolutionsentwurf, der kein Tribunal erwähnt.

Offene Fragen nach dem mutmaßlichen Boeing-Abschuss

Wer war es?

In dem seit Wochen andauernden Konflikt in der Ostukraine gibt es drei beteiligte Seiten: die prorussischen Rebellen, die prowestliche Führung in Kiew sowie Russland. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko sprach von einem „terroristischen Akt“. Er warf den Separatisten vor, die Boeing abgeschossen zu haben – wie zuletzt mehrere ukrainische Militärflugzeuge. Moskau wiederum gibt Kiew die Schuld an der Eskalation der Lage in der Ostukraine.

Kann man die Täter überführen?

US-Experten gehen davon aus, dass es eine Boden-Luft-Rakete war, die das Flugzeug in der Reiseflughöhe von 9100 Meter traf. Anhand von Satelliten-Aufnahmen lasse sich bislang nicht feststellen, wo genau die Rakete abgefeuert wurde. Fachleute von Militär und Geheimdienst sind aber nach US-Medienberichten dabei, mit Hilfe von mathematischen Formeln und Computern, den genauen Ursprungsort der Rakete zu ermitteln.

Wer hat die Waffen für einen solchen Angriff?

Die Separatisten hatten zuletzt mehrfach zugegeben, ukrainische Kampfjets, Transportmaschinen und mehrere Hubschrauber abgeschossen zu haben. Allerdings dürften alle getroffenen Maschinen deutlich niedriger als die Boeing 777-200 geflogen sein. Nach unbestätigten Berichten haben die Aufständischen behauptet, ein Buk-Flugabwehrsystem im Verlauf der Kämpfe erbeutet zu haben. Das in den 80er-Jahren von der sowjetischen Militärindustrie entwickelte Lenkwaffen-System Buk (Buche) kann Ziele in Höhen bis zu 25.000 Metern treffen.

Wieso flog MH 017 über das Konfliktgebiet?

Der Überflug von Konfliktgebieten wie etwa der Ostukraine durch Passagiermaschinen ist nach Angaben der Vereinigung Cockpit nicht unüblich. Das Vorstandsmitglied Markus Wahl sagte der Nachrichtenagentur dpa, so werde zum Beispiel im täglichen Betrieb der Irak und Afghanistan überflogen. Selbst im eskalierten Nahost-Konflikt fliegen internationale Fluggesellschaften weiterhin Tel Aviv an, obwohl die Stadt seit Tagen massiv mit Raketen aus dem Gazastreifen angegriffen wird. Manche sind da vorsichtiger: „Korean Airlines“ teilte laut Itar-Tass mit, seit Monaten nicht mehr über die Ostukraine zu fliegen.

Wer leitet die Untersuchung zur Aufklärung des Vorfalls?

Rein rechtlich ist es Aufgabe der ukrainischen Regierung, den Vorfall auf ihrem Staatsgebiet aufklären zu lassen. Allerdings ist die prowestliche Führung in Kiew selbst in den seit Monaten andauernden Konflikt im Osten des Landes involviert. Wohl auch deshalb haben US-Präsident Barack Obama, die Bundesregierung und auch die Nato eine internationale Untersuchung gefordert. Wer diese leiten könnte, ist noch unklar.

298 Menschen starben am 17. Juni beim Absturz der Maschine in der Ostukraine. Das Passagierflugzeug war über der Kriegsregion Donbass abgeschossen worden. Die Ukraine und westliche Staaten halten prorussische Rebellen für verantwortlich und werfen Moskau eine Mitschuld vor. Russland gibt die Schuld dagegen der Ukraine.

Die meisten der Opfer stammten aus den Niederlanden, Australien und Malaysia. Die UN-Vetomacht Russland ist gegen ein solches Gericht, solange die Niederlande ihre offizielle Untersuchung des Absturzes nicht beendet haben. Die Einsetzung eines solchen Tribunals wäre in Überstimmung mit dem bisherigen Vorgehen des Sicherheitsrates in solchen Fällen, betonte Malaysia. Ein Tribunal mit von der UN ernannten Richtern und Anklägern wäre unabhängig und könnte zusätzliche Untersuchungen durchführen.

Von

dpa

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Wolf Larsen

21.07.2015, 13:04 Uhr

Zuerst muss der technische Untersuchungsbericht auf den Tisch.
Dann wird man wissen, wer verantwortlich ist.
Und dann meinetwegen ein Tribunal, welches die Verantwortlichen bestraft.

So macht man das, und nicht umgekehrt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×