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18.07.2014

09:22 Uhr

Flug MH17

Niederlande unter Schock

Die Flaggen im ganzen Land auf Halbmast, verzweifelte Angehörige am Flughafen in Schiphol: Nach dem Flugzeugabsturz über der Ostukraine trauern die Niederländer um die 154 Opfer aus ihrem Land. Der König ist erschüttert.

Das niederländische Parlamentsgebäude in Den Haag: Die Nationalflagge weht auf Halbmast. AFP

Das niederländische Parlamentsgebäude in Den Haag: Die Nationalflagge weht auf Halbmast.

SchipholNach dem Absturz eilten am Donnerstagnachmittag viele Familienmitglieder der Passagiere am Flughafen bei Amsterdam ein, wo Flug MH17 um 12.15 Uhr nach Kuala Lumpur gestartet war. Sie wurden zunächst in ein Restaurant im oberen Stockwerk des Flughafens begleitet, abgeschirmt vor den Medien. Dann wurden sie in Bussen zu nicht genannten Orten gebracht.

Die rot-weiß-blauen Flaggen wurden nicht nur in den Niederlanden auf Halbmast gesetzt, auch an allen Botschaften des Staates auf der ganzen Welt zeigte das Land so seine Bestürzung. „Ich bin tief traurig über diese schreckliche Nachricht“, erklärte König Willem-Alexander. „Unsere Gedanken sind bei den Familien, Freunden und Kollegen der Opfer und bei all denen, die noch nicht wissen, ob ihre Freunde an Bord waren.“

Ministerpräsident Mark Rutte erklärte, er sei „zutiefst schockiert“. „Die Bilder, die ich gesehen habe, waren einfach fürchterlich“, fügte Justizminister Ivo Opstelten hinzu. Auch die niederländischen Zeitungen zeigten sich am Freitag „Unter Schock“ – so titelte das „Algemeen Dagblad“. Die Zeitung „Volkskrant“ ihrerseits diagnostizierte im Land eine „Welle der Trauer und der Verzweiflung“.

Offene Fragen nach dem mutmaßlichen Boeing-Abschuss

Wer war es?

In dem seit Wochen andauernden Konflikt in der Ostukraine gibt es drei beteiligte Seiten: die prorussischen Rebellen, die prowestliche Führung in Kiew sowie Russland. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko sprach von einem „terroristischen Akt“. Er warf den Separatisten vor, die Boeing abgeschossen zu haben – wie zuletzt mehrere ukrainische Militärflugzeuge. Moskau wiederum gibt Kiew die Schuld an der Eskalation der Lage in der Ostukraine.

Kann man die Täter überführen?

US-Experten gehen davon aus, dass es eine Boden-Luft-Rakete war, die das Flugzeug in der Reiseflughöhe von 9100 Meter traf. Anhand von Satelliten-Aufnahmen lasse sich bislang nicht feststellen, wo genau die Rakete abgefeuert wurde. Fachleute von Militär und Geheimdienst sind aber nach US-Medienberichten dabei, mit Hilfe von mathematischen Formeln und Computern, den genauen Ursprungsort der Rakete zu ermitteln.

Wer hat die Waffen für einen solchen Angriff?

Die Separatisten hatten zuletzt mehrfach zugegeben, ukrainische Kampfjets, Transportmaschinen und mehrere Hubschrauber abgeschossen zu haben. Allerdings dürften alle getroffenen Maschinen deutlich niedriger als die Boeing 777-200 geflogen sein. Nach unbestätigten Berichten haben die Aufständischen behauptet, ein Buk-Flugabwehrsystem im Verlauf der Kämpfe erbeutet zu haben. Das in den 80er-Jahren von der sowjetischen Militärindustrie entwickelte Lenkwaffen-System Buk (Buche) kann Ziele in Höhen bis zu 25.000 Metern treffen.

Wieso flog MH 017 über das Konfliktgebiet?

Der Überflug von Konfliktgebieten wie etwa der Ostukraine durch Passagiermaschinen ist nach Angaben der Vereinigung Cockpit nicht unüblich. Das Vorstandsmitglied Markus Wahl sagte der Nachrichtenagentur dpa, so werde zum Beispiel im täglichen Betrieb der Irak und Afghanistan überflogen. Selbst im eskalierten Nahost-Konflikt fliegen internationale Fluggesellschaften weiterhin Tel Aviv an, obwohl die Stadt seit Tagen massiv mit Raketen aus dem Gazastreifen angegriffen wird. Manche sind da vorsichtiger: „Korean Airlines“ teilte laut Itar-Tass mit, seit Monaten nicht mehr über die Ostukraine zu fliegen.

Wer leitet die Untersuchung zur Aufklärung des Vorfalls?

Rein rechtlich ist es Aufgabe der ukrainischen Regierung, den Vorfall auf ihrem Staatsgebiet aufklären zu lassen. Allerdings ist die prowestliche Führung in Kiew selbst in den seit Monaten andauernden Konflikt im Osten des Landes involviert. Wohl auch deshalb haben US-Präsident Barack Obama, die Bundesregierung und auch die Nato eine internationale Untersuchung gefordert. Wer diese leiten könnte, ist noch unklar.

Die Maschine der Malaysian Airlines war am Nachmittag mit 298 Menschen an Bord im umkämpften Osten der Ukraine abgestürzt. Unter den Opfern sind nach Angaben der Luftfahrtgesellschaft auch vier Deutsche. Nach erster Einschätzung der US-Geheimdienste wurde die Boeing 777 von einer Boden-Luft-Rakete abgeschossen. Die ukrainische Armee und die prorussischen Separatisten machen sich gegenseitig dafür verantwortlich.

Der Vizepräsident von Malaysian Airlines, Huib Gorter, sagte auf einer Pressekonferenz in Schiphol, die Angehörigen würden mit einem Flugzeug an die Absturzstelle gebracht, wenn sie dies wollten. Die Rebellen sagten eine Waffenruhe für das Gebiet zu und wollten auch Ermittlern den Zugang garantieren. Allerdings bot sich am Ort der Tragödie ein Bild des Schreckens. AFP-Korrespondenten berichteten, es gebe keine Spuren der Opfer.

Auch in sozialen Netzwerken zeigten sich die Niederländer erschüttert. „Das kann nicht wahr sein!“, postete Alicia de Boer auf Facebook, als ihr klar wurde, dass ihr Freund Cor Pan offenbar in der Maschine saß. Der junge Mann hatte kurz vor dem Start ein Bild des Flugzeugs ins Netz gestellt. Dazu der zu diesem Zeitpunkt wohl ironisch gemeinte Kommentar: „Falls es verschwinden sollte: So sieht es aus.“

Tragischer Flugzeugabsturz

Indizien sprechen für Russlands Schuld

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Von

afp

Kommentare (3)

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Herr peter Spirat

18.07.2014, 09:29 Uhr

Ich möchte mich den Beileidsbekundungen von Herrn Pution anschließen. Moskau
Putin übermittelt malaysischer Regierung sein Beileid
Nach dem Absturz einer malaysischen Passagiermaschine mit 295 Menschen an Bord über der Ukraine hat Kremlchef Wladimir Putin der malaysischen Regierung sein Beileid übermittelt.
dpa

Er sei traurig über die «Katastrophe über dem Territorium der Ukraine, die so viele Menschenopfer gekostet» habe, schrieb Putin in einem vom Kreml veröffentlichten Telegramm. Der russische Staatschef bitte die malaysische Regierung, allen Angehörigen und Hinterbliebenen der Opfer seine aufrichtige Anteilnahme zu übermitteln. Das berichtet die Agentur Interfax.


Reiner Blumenhagen

18.07.2014, 12:58 Uhr

Heuchler !

Herr Helmut Matuly

18.07.2014, 12:58 Uhr

Herr Spirat sind sie Angehöriger der russischen Entourage in Deutschland oder Mitglied der DKP?
Fragen Sie mal einen Niederländer, was er von der Mitleidsbekundung des ehemaligen KGB Chefs hält?

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