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25.10.2016

16:13 Uhr

Flughafen Heathrow wird erweitert

Theresa May und der Pisten-Entscheid

VonKerstin Leitel

Der Flughafen Heathrow erhält eine weitere Landebahn. Die britische Regierung unter Theresa May hat sich nach einem zähen Streit dazu durchgerungen. Den Londonern droht mehr Lärm und Luftverschmutzung.

Der Londoner Flughafen soll eine weitere Landebahn erhalten. Die Regierung stellt „ökonomische Vorteile für Passagiere und Wirtschaft“ in Höhe von bis zu 61 Milliarden Pfund in Aussicht. dpa

Heathrow

Der Londoner Flughafen soll eine weitere Landebahn erhalten. Die Regierung stellt „ökonomische Vorteile für Passagiere und Wirtschaft“ in Höhe von bis zu 61 Milliarden Pfund in Aussicht.

LondonDie britische Regierung unter der Führung von Premierministerin Theresa May hat eine wichtige Entscheidung getroffen: Der Flughafen Heathrow soll eine neue, dritte Start- und Landebahn bekommen. Das erklärte Verkehrsminister Chris Grayling am Dienstag in London. Dabei handelt es sich um ein Vorzeigeprojekt der Infrastrukturpolitik. Die Kosten werden auf 16 Milliarden Pfund (umgerechnet 18 Milliarden Euro) veranschlagt.

Derzeit ist Heathrow mit 75 Millionen Passagieren pro Jahr der größte Flughafen in Europa, die Auslastung der zwei Start- und Landebahnen liegt bei 99 Prozent. Der Flughafen Frankfurt dagegen – die Nummer vier in Europa – fertigt im Jahr rund 60 Millionen Passagiere ab, hält vier Bahnen vor.

Das Thema Flughafenausbau ist ein in Großbritannien seit langem heftig umstrittenes Projekt, seit Jahrzehnten liefern sich Befürworter und Gegner einen heftigen Schlagabtausch. Experten erwarten daher nicht, dass das Thema nun beendet ist. Kritiker bringen sich bereits in Stellung.

Londoner Flughafen : Heathrow pocht nach Brexit-Votum auf Ausbau

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Der Londoner Flughafen Heathrow hat seine Kapazitätsgrenze erreicht und fordert schon seit längerem eine zusätzliche Start- und Landebahn. Nun nutzen die Betreiber das Brexit-Votum, um ihre Pläne voranzutreiben.

Auch die Vorgängerregierung hatte vor ihrer Entscheidung eine Kommission eingesetzt. Vergangenes Jahr legte sie ihren Abschlussbericht vor. Noch gebe es in den sechs Flughäfen im Einzugsgebiet von London vereinzelt Kapazitäten, warnten die Experten, doch „wenn am Knotenpunkt London die Kapazitäten erschöpft sind, werden neue Routen zu wichtigen Langstrecken-Zielen an andere Flughäfen in Europa gegeben, nicht mehr an britische Flughäfen.“

Das koste nicht nur Zeit und Geld, sondern verschrecke auch Investoren. Man müsse jetzt handeln. „In einer komplexen und zunehmend globalen Umgebung wäre es kurzsichtig und gefährlich für die Anbindung Großbritanniens, würde man diese Beschränkungen nicht angehen“. Eine gute Fluganbindung sei für Großbritannien ein wichtiger Standortfaktor. 2014 wurden über britische Flughäfen Waren im Wert von 140 Milliarden Pfund transportiert.

Nicht der Flughafenausbau, sondern der Start- und Landepunkt der Flugzeuge waren lange umstritten. Zur Diskussion standen drei Optionen: Ein Ausbau der bestehenden Start- und Landebahn in Heathrow, der – nun von der britischen Regierung befürwortete – Bau einer dritten Bahn im Nordwesten des Flughafens oder der Bau einer zweiten Landebahn am kleineren Airport Gatwick.

Brisant ist die Tatsache, dass die Wahlbezirke zahlreicher Abgeordneter, die über das Projekt entscheiden, von Fluglärm betroffen sind – auch der Bezirk von Premierministerin May. „Es wird Widerspruch geben, ganz gleich, für welche Option wir uns entscheiden“, sagte Verkehrsminister Grayling kurz vor der Entscheidung im britischen Fernsehen.

Schließlich müssten für den Ausbau 783 Häuser dem Erdboden gleichgemacht werden. Zu diesem Ergebnis gelang der von der Regierung eingesetzte Ausschuss. Bis zu 2,6 Milliarden Pfund will die Regierung deswegen für Entschädigungen, Schallisolierung und andere Maßnahmen für die Bevölkerung ausgeben, erklärte der Transportminister.

Eine Studie der überparteilichen Arbeitsgruppe APPG hatte 16 Gründe gegen den Ausbau von Heathrow aufgelistet. Unter anderem warnte sie davor, dass lange und kostspielige Rechtsstreitigkeiten drohten. Der Grund: Bei einem Ausbau des Flughafens würden die europäischen und britischen Richtwerte für Lärm und Luftqualität überschritten. „Keine Industrienation erwägt im 21. Jahrhundert, noch mehr Flugzeuge direkt über die Hauptstadt fliegen zu lassen“, erklärte Lokalpolitiker Zac Goldsmith.

Auch der amtierende Außenminister Boris Johnson gehört zu den Gegnern des Flughafenausbaus. Noch vor wenigen Tagen hatte er seine Ablehnung bekräftigt. Er sei bereit, sich „vor Bulldozer“ zu legen, sollte es zu einem Ausbau kommen.

Kommentare (4)

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Frau Annette Bollmohr

25.10.2016, 17:32 Uhr

„Es wird Widerspruch geben, ganz gleich, für welche Option wir uns entscheiden“

Allerdings. Man kann eben nicht alles haben.

Also muss man sich immer wieder für oder gegen etwas entscheiden und dann Kompromisse schließen. So funktioniert Demokratie. Hauptsache, man darf mitentscheiden.

Account gelöscht!

25.10.2016, 17:52 Uhr

 Wer braucht denn " Online-Dating-Portale " wenn es Muckibuden zum Eisen biegen für uns Männer und für die Ladys den Knack-Po zum trainieren gibt ?

Wenn ich Lust habe auf Spielbank, dann mache ich das ja auch nicht Online am PC. Sondern ziehe mir einen eleganten Smoking an, fahre nach Wiesbaden und verbinde das Ganze mit einem Besuch im Gourmetrestaurant Ente und einer Übernachtung im Nassauer Hof. Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette  

Account gelöscht!

25.10.2016, 17:55 Uhr

 Bin nur 2x im Jahr in der Domstadt. Im Frühjahr zur FIBO, da der Kolibri als Sportwissenschaftlerin nach dem Uniabschluss als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten wird, und wir uns dort weitergehende Expertise holen. Und im Sommer zu den Kölner Lichter wegen des geilen Feuerwerks am Rhein. Außerdem hatte ich mal dort eine City-Immobilie im Townhaus-Stil, die ich aber dieses Jahr verkauft habe. Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette  

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