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04.01.2010

07:23 Uhr

Flugsicherheit

USA-Reisende müssen schärfere Kontrollen durchlaufen

Handgepäck-Check, noch schärfere Passkontrollen, ganze Länder unter Generalverdacht: USA-Reisende müssen ab dem heutigen Montag schärfere Kontrollen an den Flughäfen über sich ergehen lassen. Ein Terminal des internationalen Flughafens Newark bei New York wurde in der Nacht zum Montag wegen der Suche nach einem Verdächtigen für mehrere Stunden geschlossen.

Ein Terminal des Flughafens Newark versinkt im Chaos, nachdem ein Unbekannter durch einen Ausgang hinter die Check-in-Schalter gelangt und verschwunden war. ap

Ein Terminal des Flughafens Newark versinkt im Chaos, nachdem ein Unbekannter durch einen Ausgang hinter die Check-in-Schalter gelangt und verschwunden war.

HB WASHINGTON/NEWARK. Wie die amerikanische Flugsicherheitsbehörde (TSA) am Sonntag Ortszeit bekanntgab, gibt es für alle Passagiere beim Einchecken stichprobenartige Kontrollen ihres Handgepäcks oder verschärfte Passkontrollen. Reisende aus 14 terrorverdächtigen Ländern würden ausnahmslos in diesem Maße kontrolliert sowie vom Sicherheitspersonal abgetastet, heißt es in einer Erklärung der TSA. Alle Passagiere müssen zudem mit dem elektronischen Abscannen ihres Körpers rechnen.

„Die neuen Richtlinien beinhalten langfristige Sicherheitsmaßnahmen, die in Zusammenarbeit mit unseren Justizbehörden sowie nationalen wie internationalen Partnern ausgearbeitet wurden“, so die Erklärung. Sie seien fortan das normale Maß für alle Flugreisen in die USA. Die Regierung von US-Präsident Barack Obama habe am Sonntag alle Fluglinien über die Neuerungen informiert. Die Sicherheitsvorschriften infolge des vereitelten Anschlags auf eine US-Passagiermaschine beim Landeanflug auf Detroit am 1. Weihnachtsfeiertag sollten ab Sonntagmitternacht in Kraft treten.

„Es handelt sich um Maßnahmen, die die Flugsicherheit bedeutend erhöhen“, sagte ein TSA-Sprecher der Internet-Zeitung „politico.com“. „Die TSA wird die Maßnahmen regelmäßig überprüfen, um ein Höchstmaß an Sicherheit zu gewährleisten.“ Sie betreffen vor allem Reisende aus Ländern, die auf einer schwarzen Liste des US-Außenministeriums stehen, weil sie verdächtigt werden, Terroristen zu beherbergen. Dazu zählen unter anderem Nigeria, Jemen oder Pakistan, aber auch Kuba, Iran, Sudan, Syrien, Afghanistan, Libyen und Somalia. Die komplette Liste ist bislang nicht veröffentlicht worden. Für die Untersuchung des Handgepäcks würden neueste Technologien zur Ermittlung von Sprengstoffen angewendet, so die TSA.

Ein Terminal des internationalen Flughafens Newark bei New York wurde in der Nacht zum Montag wegen der Suche nach einem Verdächtigen für sechs Stunden geschlossen. Ein Unbekannter war durch einen Ausgang hinter die Check-in-Schalter gelangt und verschwunden. Alle Passagiere mussten deswegen zurück in den unkontrollierten Bereich und wurden erneut überprüft. Alle Abflüge von Terminal C wurden gestoppt.

Erst nach der neuerlichen Überprüfung der Passagiere konnten die ersten Maschinen wieder starten. Die Behörden versuchten weiter, den Unbekannten anhand von Videoaufzeichnungen zu identifizieren, wie eine Sprecherin der Behörde für Verkehrssicherheit mitteilte.

Betroffene Flugreisende reagierten verärgert über die neue Sicherheitspanne nur zehn Tage nach dem vereitelten Flugzeuganschlag. „Ich bin wütend, weil es Organisationsfehler gab“, sagte Alison Day, die mit ihrer siebenköpfigen Familie und einem Säugling stundenlang am Liberty International Airport auf ihren Abflug warten musste.

Für Deutschland sieht der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), gute Chancen für einen Probebetrieb der umstrittenen Körperscanner noch in diesem Jahr. Es komme jetzt darauf an, dass sich die Geräte mit modernster Technik auch im praktischen Betrieb bewährten, sagte er. „Und das geht nicht in Labors, dafür braucht man den Praxistest auf deutschen Flughäfen.“ Er sei zuversichtlich, dass mit diesen Tests noch in diesem Jahr begonnen werden könne, unterstrich Bosbach.

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