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28.07.2014

13:59 Uhr

Flugzeugabsturz

Russland will Ermittlungen unter Dach der UN

Russland bringt eine UN-Mission für die Aufklärung des Absturzes der malaysischen Maschine ins Gespräch. Beobachter fragen sich, ob dahinter das Ziel stehe, den Status der Ostukraine als Konfliktgebiet zu festigen.

Nach dem Absturz des malaysischen Passagierflugzeugs fordert Russland nun Ermittlungen unter der Ägide der UN. Eine solche Untersuchung sollte möglichst schnell beginnen, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow. dpa

Nach dem Absturz des malaysischen Passagierflugzeugs fordert Russland nun Ermittlungen unter der Ägide der UN. Eine solche Untersuchung sollte möglichst schnell beginnen, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow.

MoskauNach dem mutmaßlichen Abschuss der malaysischen Passagiermaschine in der Ostukraine fordert Russland nun Ermittlungen unter der Ägide der Vereinten Nationen. Eine solche Untersuchung sollte möglichst schnell beginnen, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Montag in Moskau. „Dafür sollte der Weltsicherheitsrat eine entsprechende Entscheidung treffen.“ Eine UN-Mission in dem von blutigen Kämpfen erschütterten Gebiet könne die nötige Sicherheit für Ermittlungen garantieren.

Russland sehe mit Besorgnis, dass einige Beteiligte versuchten, bilateral mit der Ukraine eine Untersuchung der Tragödie vom 17. Juli zu vereinbaren. Russlands Chefdiplomat warnte davor, dass Spuren verwischt werden könnten. Lawrow kritisierte zudem, dass eine vom ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko angeordnete Waffenruhe rund um die Absturzstelle von den Regierungstruppen nicht eingehalten werde.

Russland gibt der Ukraine die Verantwortung für den Flugzeugabsturz. Die Ukraine dagegen wirft den prorussischen Separatisten die Tragödie vor. Bei dem Absturz der Maschine durch eine Rakete starben fast 300 Menschen. Regierungstruppen versuchen, das Gebiet unter ihre Kontrolle zu bringen.

Hauptursache für eine Verschärfung der Krise sei die fehlende Bereitschaft der Regierung in Kiew, mit den prorussischen Separatisten in Dialog zu treten, sagte Lawrow. Auf Vorwürfe, in der Ostukraine würden russische Staatsbürger die Aufständischen führen, sagte der Minister, dass es auch Berichte über polnische sowie schwedische Söldner und US-Bürger in dem Konfliktgebiet gebe.

Die nicht anerkannten „Volksrepubliken“ Donezk und Lugansk wollen eine Abspaltung von Kiew erreichen. Während die prowestliche Führung die Gebiete mit einem Militäreinsatz wieder unter ihre Kontrolle bringen will, setzt sich Russland für die Interessen der Aufständischen ein.

Beobachter vermuten, dass der Kreml den Osten der Ukraine dauerhaft zu einem Konfliktgebiet machen will, um so einen möglichen Beitritt der Ex-Sowjetrepublik zur Nato zu verhindern. Eine Friedensmission der UN könnte solch einen Status als Konfliktgebiet festigen.

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Lawrow kritisierte Forderungen des Westens nach einem Kurswechsel in der russischen Politik. Kein westlicher Politiker habe bisher einen Plan für einen Ausweg aus der Krise in der Ukraine vorgelegt. „Sie reden nur von einem: Russland soll seine Politik ändern, wenn es das nicht tut, kommen Sanktionen“, sagte Lawrow.

Er bezeichnete die bisher von der EU und den USA verhängten Strafmaßnahmen als „unerfreulich“. Allerdings werde Russland die Schwierigkeiten überwinden. „Vielleicht werden wir dadurch selbstständiger und selbstbewusster, was die eigenen Kräfte angeht. Das ist auch nützlich“, sagte Lawrow. Der Chefdiplomat forderte den Westen aber auf, nicht nach Vorwänden für eine Bestrafung Russlands zu suchen.

Von

dpa

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