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22.04.2014

15:47 Uhr

Folgen des Bürgerkriegs

Eine Millionen Syrer in der Türkei auf der Flucht

Die Nachbarn stellt der Krieg in Syrien vor logistische Herausforderungen, Jordanien und die Türkei setzen riesige Flüchtlingscamps auf. Indes wurde offenbar ein Salafist deutscher Herkunft bei den Kämpfen getötet.

Kämpfer der ISIS in der Provinz Anbar im Januar. An ihnen wird die Komplexität der Lage deutlich: Während sie zeitweise mit der Al-Nusra-Front kooperierten, bekämpfen sich die Gruppen nun teilweise. ap

Kämpfer der ISIS in der Provinz Anbar im Januar. An ihnen wird die Komplexität der Lage deutlich: Während sie zeitweise mit der Al-Nusra-Front kooperierten, bekämpfen sich die Gruppen nun teilweise.

Damaskus/ AnkaraDer Bürgerkrieg in Syrien lässt die Zahl der Flüchtlinge in den Nachbarländern rasant ansteigen. In der Türkei haben nach Angaben von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan inzwischen fast eine Million Syrer Zuflucht gesucht. In Jordaniens Wüste wird Ende des Monats ein neues Riesencamp eröffnet, das künftig bis zu 100 000 Menschen aufnehmen soll. Indessen gibt es Gerüchte über den Tod eines deutschen Dschihadisten in den von Rebellen eroberten Gebieten.

Wie der Leiter der oppositionellen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdulrahman, sagte, kam bei einer bewaffneten Auseinandersetzung zwischen der radikal-islamischen Gruppe Al-Nusra-Front und der dschihadistischen Miliz Islamischer Staat im Irak und Syrien (ISIS) im Nordosten des Landes ein Kämpfer mit dem Namen Abu Talha Al-Almani ums Leben.

Diesen Namen hatte sich der Salafist und ehemalige Gangsta-Rapper „Deso Dogg“ Denis Cuspert gegeben. Auch in islamistischen Internetforen wurden der Tod des Islamisten vermeldet und Nachrufe veröffentlicht. Abdulrahman betonte jedoch, dass nach wie vor nicht sicher sei, ob es sich bei dem Toten tatsächlich um Cuspert handele. Auch Sicherheitskreisen in Berlin hieß es dagegen am Dienstag, es gebe plausible Informationen, wonach Cuspert bei Kämpfen rivalisierender Islamisten-Gruppen umgekommen sei.

Den Angaben der Aktivisten zufolge kam es bereits am späten Sonntagabend zu dem Zwischenfall. Zwei Selbstmordattentäter der Al-Nusra-Front hätten in der Ortschaft Ghariba nördlich von Deir as-Saur einen Stützpunkt der ISIS angegriffen. 16 Menschen wurden dabei getötet, darunter eben mutmaßlich auch Cuspert. Der in Berlin geborene Salafist war 2012 untergetaucht, nachdem der damalige Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich seine islamistische Organisation „Millatu Ibrahim“ verboten hatte. Bereits in der Vergangenheit war er bei Kämpfen in Syrien schwer verletzt worden. Nach Angaben des Bundesverfassungsschutzes vom Februar sind seit Beginn des Bürgerkriegs rund 300 Islamisten aus Deutschland nach Syrien ausgereist. Mehr als 20 von ihnen wurden danach bereits in den Kämpfen getötet.

Chemische Kampfstoffe

Was sind Chemiewaffen?

Chemische Waffen gehören zu der Kategorie der ABC-Waffen (Atomar, Biologisch, Chemisch). In der Regel sind Chemiewaffen künstlich produzierte Giftstoffe, die fest, flüssig oder gasförmig sein können. Nervengifte wie Sarin und Hautkampfstoffe wie Senfgas werden gezielt zur Tötung oder Verletzung von Menschen eingesetzt. Zumeist werden auch Reizstoffe wie Tränengas dazugezählt.

Chemiewaffenkonvention

Die Chemiewaffenkonvention (CWK) ist ein Übereinkommen von Staaten der Vereinten Nationen, um die Herstellung, Verbreitung und Verwendung chemischer Waffen zu verhindern. Die CWK verbietet den Unterzeichnern, Chemiewaffen herzustellen, zu besitzen und einzusetzen. Reizstoffe wie Tränengas werden allerdings nur geächtet. Die CWK steht in der Tradition des Genfer Protokolls, das bereits 1925 den Einsatz von Giftgas in Kriegen verhindern sollte.

Nicht-Mitglieder der CWK

Israel und Myanmar haben 1993 die Chemiewaffenkonvention zwar unterzeichnet, doch bislang nicht durch ihre Parlamente ratifiziert. Angola, Ägypten, Nordkorea, Südsudan und Syrien haben das Abkommen weder unterschrieben noch ratifiziert.

Die OPCW

Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) überwacht die Einhaltung der Chemiewaffenkonvention. Die OPCW wird von den Mitgliedern der Uno finanziert. Der Hauptsitz ist in Den Haag.

Die USA werfen dem Regime in Damaskus erneut den Einsatz giftiger Chemikalien im Bürgerkrieg vor. Es handele sich vermutlich um Chlorgas, das diesen Monat gegen das von der Opposition kontrollierte Dorf Kafr Sita eingesetzt worden sei, sagte Jen Psaki, Sprecherin im Washingtoner Außenministerium am Montag. Sie forderte eine Untersuchung zur genauen Klärung. Psaki sprach allerdings nicht ausdrücklich von einem Chemiewaffen- oder Giftgaseinsatz.

Zugleich ging Psaki mit scharfen Worten auf die für den 3. Juni angekündigten Präsidentenwahlen in dem Bürgerkriegsland ein. Es handele sich nicht um eine echte Abstimmung. Es handele sich um eine „Parodie von Demokratie“. Auch die Vereinten Nationen in New York kritisierten das geplante Votum.

Der türkische Ministerpräsident Erdogan verteidigte nach Angaben seiner Partei AKP bei einer Fraktionssitzung in Ankara die Aufnahme syrischer Flüchtlinge in der Türkei. Sie hatten das Land nach offiziellen Angaben vom Februar schon damals umgerechnet 2,5 Milliarden Dollar gekostet. „Sollen wir unseren Brüdern sagen: „Sterbt in Syrien“?“ Die Türkei hat nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR nach dem Libanon die meisten Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien aufgenommen. Insgesamt sind demnach rund 2,7 Millionen Syrer in den Ländern der Region offiziell als Flüchtlinge registriert.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

23.04.2014, 10:37 Uhr

Hurra, wie viele von den kommenden "Demokratiefeinde" darf Deutschland denn aufnehmen? Nur 200.000 oder gleich die ganze 1 Mio.?
Sorry ist provokativ!

Account gelöscht!

24.04.2014, 15:57 Uhr

Gem. unseren Politiker: Alle, Hauptsache Deutschland wird geschädigt! Auch unsere Christen sind dieser Meinung: Hat jemand einen Protest von den christlichen Kirchen zu den Morden an Christen, wie in Nigeria z.B. gehört???

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