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10.11.2014

15:13 Uhr

Folgen des MH17-Absturzes

Putin gegen Abbott

Judoka gegen Iron-Man: Diplomatische Feinheiten sind Australiens Regierungschef Abbott fremd. Nach dem Absturz von MH17 stellte er Russland wie kein anderer an den Pranger. Putin sieht hingegen die Schuld bei der Ukraine.

Die Kontrahenten: Der russische Präsident Wladimir Putin (l.) und der australische Premierminister Tony Abbott. dpa

Die Kontrahenten: Der russische Präsident Wladimir Putin (l.) und der australische Premierminister Tony Abbott.

BangkokTony Abbott ist für seine markigen Sprüche bekannt. Der australische Regierungschef lässt Zorn stets freimütig in seinen blaugrauen Augen funkeln. Der Hobby-Extremsportler mit einigen Iron-Man-Rennen hinter sich ist gerne schroff. Diese Woche will er sich Wladimir Putin zur Brust nehmen - weil Russland zu wenig tue, um den Absturz des Malaysia-Airlines-Fluges MH17 aufzuklären. Auf seine Forderungen nach einem Treffen mit dem russischen Präsidenten reagierte der Kreml erst zurückhaltend: Nichts sei geplant.

Doch dann verkündete Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow, Abbott bekomme seinen Termin an diesem Dienstag in Peking beim Asien-Pazifik-Gipfel (Apec). Der gerade vom US-Magazin „Forbes“ zum zweiten Mal in Folge zum „mächtigsten Menschen der Welt“ gekürte Kremlchef scheut keine Konfrontation. Zudem will der frühere Geheimdienstchef wohl rasch wissen, was Abbott gegen ihn vorzubringen hat - bevor er Gast ist in Australien.

Putin reist an diesem Wochenende (15. und 16. November) zum Gipfel der 20 führenden Industrienationen (G20) ins australische Brisbane. Und er dürfte sich dort nicht vorführen lassen wollen, zumal Abbott ihn wegen des Ukraine-Konflikts sogar zeitweilig ausladen wollte.

Putin spricht...

über Krieg und Frieden

„Russland hat keine Absicht, Krieg gegen das ukrainische Volk zu führen.“
am 4.3. in einer Pressekonferenz

„Wenn ich will, kann ich in zwei Wochen Kiew einnehmen.“
am 01.09. in einem Telefonat mit EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, das dieser öffentlich machte. Die russische Seite erklärte im Anschluss, das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen worden.

über Rüstung

„Die Militarisierung des Weltraums und die US-Stützpunkte in Europa und Alaska, direkt an unserer Grenze, nötigen uns zu einer Reaktion.“
am 10.09. in einer Pressekonferenz

über die Zukunft der Ostukraine

„Russland behält sich das Recht vor, alle vorhandenen Mittel zu nutzen, sollte es in östlichen Regionen der Ukraine zu Willkür kommen.“
am 4. 3. in einer Pressekonferenz

„Diese Gebiete (im Süden und Osten der Ukraine) waren als Neurussland historisch ein Teil des Russischen Reiches. Erst in den 1920er Jahren wurden die Territorien von den Bolschewiken der Ukraine gegeben. Gott weiß warum.“
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

„Es müssen umgehend substanzielle inhaltliche Verhandlungen anfangen - nicht zu technischen Fragen, sondern zu Fragen der politischen Organisation der Gesellschaft und der Staatlichkeit im Südosten der Ukraine.“
am 31. 8. vor dem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe

über die Führung der Ukraine

„In der Ukraine gibt es bislang keine legitime Macht, mehrere Staatsorgane werden von radikalen Elementen kontrolliert.“
am 18. 3. in der Rede an die Nation

„Sind sie da jetzt völlig verrückt geworden? Panzer, Schützenpanzerwagen und Kanonen! (...) Sind sie total bekloppt? Mehrfachraketenwerfer, Kampfjets im Tiefflug! (...) Sind sie dort jetzt völlig bescheuert geworden, oder was?
am 17. 4. im russischen Staatsfernsehen

über den Westen

„In der Ukraine überschritten die westlichen Partner die rote Linie, verhielten sich grob, verantwortungslos und unprofessionell.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Die Vereinigten Staaten dürfen in Jugoslawien, Irak, Afghanistan und Libyen agieren, aber Russland soll es verwehrt sein, seine Interessen zu verteidigen.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

über Russen im Ausland

„Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die Russen zu einem der größten geteilten Völker der Welt. Millionen von Menschen gingen in einem Land ins Bett und erwachten in einem ganz anderen und wurden zur nationalen Minderheit.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„Ich glaube daran, dass die Europäer, vor allem aber die Deutschen, mich verstehen werden (...). Unser Land hatte das starke Bestreben der Deutschen nach Wiedervereinigung unterstützt. Ich bin sicher, dass sie das nicht vergessen haben und rechne damit, dass Bürger Deutschlands das Bestreben der russischen Welt, ihre Einheit wiederherzustellen, (...) ebenfalls unterstützen werden.“
am 18.3. in der Rede an die Nation

„I will shirtfront him“ - kündigte Abbott kühn an. Das lässt sich kaum übersetzen. Es handelt sich um einen Slangbegriff aus dem rauen Football-Spiel mit australischen Regeln und bedeutet so viel wie jemanden aggressiv und frontal anzurempeln. In Putin hätte er einen formidablen Gegner: der Kremlchef trägt den schwarzen Judo-Gürtel und zeigt sich gern mal mit freiem Oberkörper als Naturbursche auf dem Pferd. Und wie Abbott ist auch Putin nicht auf den Mund gefallen.

MH17 geht den Australiern so nahe, weil an Bord 38 Landsleute und dort lebende Ausländer waren. MH17 startete am 17. Juli in Amsterdam und war auf dem Weg nach Kuala Lumpur in Malaysia, mit Anschlussflügen nach Australien. 298 Menschen starben, als das Flugzeug über der Ukraine mutmaßlich abgeschossen wurde.

Kommentare (1)

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Frau Helga Trauen

10.11.2014, 14:15 Uhr

Dann sollten die Australier aber unbedingt darauf bestehen, dass endlich die Funksprüche veröffentlicht werden! Da werden so einige sehr alt aussehen. Die Russen übrigens nicht!

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