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16.01.2016

16:36 Uhr

Folgen des niedrigen Ölpreises

Russland will Anteile an Staatskonzern Rosneft verkaufen

Gut die Hälfte der Einnahmen Russlands stammt aus dem Rohstoffexport. Der Absturz des Ölpreises trifft das Land daher besonders hart. Um das Minus auszugleichen. erwägt der Kreml, Anteile des staatlichen Ölkonzerns zu verkaufen.

Der staatliche Ölkonzern Rosneft gehört zu den wichtigsten Einnahmequellen Moskaus. Bei einem anhaltend niedrigen Ölpreis könnte das zum Problem werden. Moskau erwägt einen Teilverkauf. dpa

Staatsfirma Rosneft

Der staatliche Ölkonzern Rosneft gehört zu den wichtigsten Einnahmequellen Moskaus. Bei einem anhaltend niedrigen Ölpreis könnte das zum Problem werden. Moskau erwägt einen Teilverkauf.

MoskauDie russische Regierung erwägt offenbar, wegen des niedrigen Ölpreises einen Teil des staatlichen Ölkonzerns Rosneft zu verkaufen. „Wir müssen nun eine Entscheidung treffen, woher wir das Geld nehmen“, sagte Finanzminister Anton Siluanow am Samstag mit Blick auf das Haushaltsminus dem Fernsehsender Rossija-1. Deshalb sollten 19,5 Prozent von Rosneft verkauft werden. Dies hätte eigentlich bereits vor Jahren geschehen sollen, sagte Siluanow.

Die russische Regierung diskutiert seit Jahren darüber, ihren Rosneft-Anteil von 69,5 Prozent zu reduzieren. Eine 2013 getroffene Entscheidung zum Verkauf von 19,5 Prozent wurde später wieder revidiert. Der Finanzminister sagte, der fallende Ölpreis stelle den Staat vor neue Herausforderungen. „Der Ölpreis ist auf ein Viertel seines früheren Werts gefallen“, sagte Siluanow. „Wir müssen den Staatshaushalt mit neuen Realitäten und schrumpfenden Mitteln konstruieren.“

Denn durch den Preisrutsch droht in Russland eine Haushaltslücke von umgerechnet 36 Milliarden Euro. Diese Schätzung nannte der Finanzminister für den Fall, dass der Ölpreis auf dem aktuellen Niveau verharrt und sich nicht wieder erholt. Seinen Worten zufolge könnte sich die Regierung in Moskau dann gezwungen sehen, auf ihre Rücklagen zurückzugreifen. Um das Defizit auszugleichen, sei es auch möglich, den staatlichen Vermögensfonds NWF anzuzapfen.

Im Haushalt 2016 ging die Regierung von einem Ölpreis von 50 Dollar je Barrel aus. Zuletzt notierte dieser aber bei 27 Dollar. Bleibe es bei dieser Differenz, würde das Land mehr als drei Billionen Rubel weniger einnehmen als geplant, führte der Minister aus.

In Russland machen Energieverkäufe etwa die Hälfte der Staatseinahmen aus. Der drastische Rückgang der Ölpreise seit Mitte 2014 macht der Wirtschaft daher schwer zu schaffen. Denn auch die Landeswährung Rubel hat seitdem massiv an Außenwert verloren, zum Dollar beträgt das Minus mehr als 50 Prozent. Siluanow sagte, da der Ölpreis nicht mehr so stark fallen dürfte wie bisher, werde auch der Rubel nicht erneut in dem Ausmaß nachgeben.

Auch andere Ölförderländer geraten massiv unter Druck. So rief Venezuela am Freitag den Wirtschaftsnotstand aus. Ein entsprechender Erlass gibt dem sozialistischen Präsidenten Nicolas Maduro nun 60 Tage Zeit, Maßnahmen zur Stützung der Konjunktur einzuleiten. Das Dekret stattet ihn mit Sondervollmachten aus. Laut Zentralbank ist die Wirtschaft des Opec-Landes in den ersten neuen Monaten 2015 um 4,5 Prozent geschrumpft. Zugleich beschleunigte sich der Preisauftrieb auf 141,5 Prozent. Das ist höchste Inflationsrate weltweit.

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