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02.04.2013

09:17 Uhr

Folgen schwer absehbar

Zypern will mehr Zeit von der Troika

Die Regierung in Zypern hat bereits mehr Zeit bekommen um einen Haushaltsüberschuss zu erreichen. Doch Zypern möchte noch mehr Zeit: bis 2018. Die wirtschaftlichen Folgen seien einfach zu schwer absehbar.

Eingang der Zentralbank von Zypern in Nikosia. Zypern hofft auf mehr Zeit von der Troika. dpa

Eingang der Zentralbank von Zypern in Nikosia. Zypern hofft auf mehr Zeit von der Troika.

FrankfurtDie zyprische Regierung will in den am heutigen Dienstag stattfindenden Gesprächen mit Vertretern von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds mehr Zeit für die im 10 Milliarden Euro schweren Rettungspaket vereinbarten Ziele aushandeln. Im Lauf der Woche ist ein Treffen der Finanzminister der Euro-Länder vorgesehen.

„Die letzten offenen Punkte in den Gesprächen mit der Troika beziehen sich im Wesentlichen auf den erweiterten Finanzsektor, die Haushaltspolitik sowie Anpassungen”, sagte Regierungssprecher Christos Stylianides am Sonntag in Nikosia. Der Regierung ist eine Fristverlängerung von 2016 bis 2017 zugestanden worden, um einen primären Haushaltsüberschuss zu erreichen. Die Regierung hoffe, diesen Aufschub um ein weiteres Jahr bis 2018 verlängern zu können, sagte Stylianides.

Die Regierung könne derzeit das Ausmaß der wirtschaftlichen Kontraktion nicht absehen, so der Regierungssprecher. Die EU- Kommission hatte vor dem Rettungspaket geschätzt, dass die Volkswirtschaft Zyperns in diesem Jahr um 3,5 Prozent schrumpfen wird.

Welche Euro-Staaten das Zypern-Virus in sich tragen

Slowenien

Laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) haben slowenische Banken etwa sieben Milliarden Euro an faulen Krediten in ihren Büchern stehen - eine Summe, die 20 Prozent des BIP des Landes ausmacht. Seit Monaten wird daher regelmäßig darüber spekuliert, ob der Adria-Staat als nächstes Land unter den Euro-Rettungsschirm flüchten müsse; im vergangenen Sommer waren die Anzeichen dafür besonders akut.

Wie gefährdet ist der Staat?

Slowenien hat eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, die dem Land mehr Luft an den Finanzmärkten verschafften. So wurde eine Bad Bank beschlossen, in die toxische Papiere der Banken ausgelagert werden sollen. Die Ratingagentur Fitch sah in ihrem jüngsten Länderblick auf Slowenien von vor wenigen Tagen daher nicht mehr unmittelbar das Risiko, dass die frühere jugoslawische Teilrepublik internationale Finanzhilfe beantragen muss. Unter einer Voraussetzung: dass die neue Mitte-Links-Regierung in Ljubljana den Reformkurs fortsetzt und den Bankensektor noch stärker an die Kandare nimmt. Vor allem müsse die Rekapitalisierung der Banken vorangetrieben werden. In Slowenien wird im zweiten Jahr in Folge in 2013 mit einer Rezession gerechnet.

Luxemburg

Der Kleinstaat gilt eigentlich als wirtschaftlich grundsolide, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bescheinigte ihm in einem Bericht vom Dezember das höchste Pro-Kopf-Einkommen der OECD-Staatengruppe. Zudem sei Luxemburg vergleichsweise gut durch die Finanz- und Wirtschaftskrise gekommen. Doch die OECD mahnte auch, dass das Land trotz bereits umgesetzter Regulierungen im Bankenbereich zu stark von seinem riesigen Finanzsektor abhängig sei, der ein Drittel des BIP erwirtschaftet - zum Vergleich: Auf Zypern waren es 45 Prozent.Die luxemburgischen Banken gelten freilich als weit seriöser als die zyprischen. Sie litten laut OECD kaum unter der Finanzkrise, weil ihnen als "sicherer Hafen" manche Anlagegelder zuflossen.

Wie gefährdet ist der Staat?

Ein schwere Verschärfung der Eurokrise könnte auch das luxemburgische Geschäftsmodell ins Wanken bringen, die Einlagen bei Banken und Investmentfonds übersteigen das BIP um ein Vielfaches. Das kleine Luxemburg könnte die Banken dann aus eigener Kraft nicht retten - ganz zu schweigen von den internationalen Schockwellen. Allein bei der Rettung der maroden Dexia-Bank gab Luxemburg 2011 eine Garantie von 2,55 Milliarden Euro oder 8,5 Prozent seines Bruttosozialproduktes ab.

Malta

Der winzige Inselstaat im Mittelmeer rühmt sich, die Eurokrise zuletzt weit besser als andere Euroländer überstanden zu haben. Die Arbeitslosigkeit liegt bei lediglich sechs Prozent, das Wachstum erreichte im vergangenen Jahr 1,5 Prozent und das Defizit konnte auf 2,3 Prozent und damit sogar unter die Drei-Prozent-Grenze der EU gedrückt werden.

Wie gefährdet ist der Staat?

Malta wird immer wieder als möglicher Wackelkandidat im Euroraum genannt. Der Grund: Die Entwicklung war vorher über Jahre weit negativer, der Schuldenstand ist immer noch zu hoch und der Finanzsektor ebenfalls viel zu aufgebläht.

Nach einem Bericht der Zeitung „Phileleftheros“ wurden in der jüngsten Version des mit der Troika vereinbarten Rettungspakets für dieses Jahr ein primäres Defizit (ohne Zinszahlungen) von 2,4 Prozent und ein primärer Überschuss von vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für 2017 vereinbart. Der Entwurf der Vereinbarung sehe auch Ausgabensenkungen im Volumen von 351 Mio. Euro oder 2,1 Prozent des BIP sowie Einnahmenerhöhungen vor, berichtete die Zeitung weiter.

Laut der Vereinbarung für die zyprischen Banken werden 40 Prozent der Einlagen bei der Bank of Cyprus, die 100.000 Euro übersteigen, vorübergehend eingefroren. Damit soll die Liquidität der Bank sichergestellt werden, wie die Zentralbank des Landes am 30. März mitgeteilt hatte. Diese Gelder, die nicht für die Rekapitalisierung der Bank eingesetzt werden sollen, werden mit einem Aufschlag von zehn Basispunkten über den derzeitigen Einlagensätzen verzinst und sollen “innerhalb eines kurzfristigen Zeitrahmens” wieder freigegeben werden. Das vereinbarten Vertreter der zyprischen Zentralbank und der Troika aus EU, IWF und Europäischer Zentralbank am Sonntag, wie Spyros Stavrinakis, der stellvertretende Gouverneur der zyprischen Zentralbank mitteilte.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

02.04.2013, 09:43 Uhr

Wer glaubt denn an ein Schrumpfen der Wirtschaft um 3,4 %? Ich gehe mal eher von 15 % aus. Aber das Helfersyndrom ist in der EU so weit verbreitet, dass man realistische Zahlen nicht sagen kann.

Packer

02.04.2013, 11:45 Uhr

Zypern will mehr Zeit von der Troika
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Was für ein Pack!

Account gelöscht!

02.04.2013, 12:27 Uhr

Die Forderungen werden immer maßloser, ebenso bei Griechenland. Die Troika ist nur noch ein müder Witz. Weit und breit kein Gegenargument mit Pleitegehen/Austritt seitens der EU. Alle wissen, dass die Folgen sich potenzieren.

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