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18.03.2014

15:51 Uhr

Forderung der OECD

Krise soll sozial abgefedert werden

Die OECD warnt vor Kürzungen an der falschen Stelle: Die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise müssten nachhaltig bekämpft werden. Vor allem Geringverdiener hätten Einkommensverluste hinnehmen müssen.

Armut: Vor allem in den südeuropäischen Staaten hat die Wirtschaftskrise Auswirkungen. dpa

Armut: Vor allem in den südeuropäischen Staaten hat die Wirtschaftskrise Auswirkungen.

ParisDie Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat vor den langfristigen sozialen Folgen der andauernden Wirtschafts- und Finanzkrise gewarnt. Die Staaten müssten mehr für die soziale Abfederung der Krise tun, forderte die in Paris ansässige Organisation in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht. Pauschale Kürzungen von Sozialleistungen - etwa beim Kinder- oder Wohngeld - müssten vermieden werden.

"Kurzfristige Einsparungen an den falschen Stellen" könnten den Staaten langfristig teuer zu stehen kommen, warnte die OECD in ihrem Bericht "Gesellschaft auf einen Blick - Die Krise und ihre Auswirkungen". Sozialausgaben etwa für Gesundheit, Bildung und den Arbeitsmarkt müssten so gestaltet werden, dass sie die Folgen der Krise vor allem für die Schwächsten abmildern. Besonders betroffen seien heute jene, die bereits vor Ausbruch der Krise im Jahre 2008 am wenigsten vom Wachstum profitiert hätten.

Selbst ein Wirtschaftsaufschwung werde nicht ausreichen, um den am härtesten Betroffenen "wieder auf die Füße zu helfen", warnte OECD-Generalsekretär Angel Gurría. Die Regierungen müssten daher wirksamere sozialpolitische Maßnahmen ergreifen, um für künftige Krisen gewappnet zu sein. Allerdings dürften sie auch keine Reformen verschieben "nur weil der Druck kurzfristig leicht nachlässt".

Konjunkturaussichten für die Euro-Länder

Spanien

Spanien könnte 2014 wieder um ein Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit soll jedoch mit 25,7 Prozent hoch bleiben. Das Haushaltsdefizit wird auf 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung geschätzt.

Frankreich

Frankreichs Wachstum dürfte 2014 mit 1,0 Prozent unter dem Durchschnitt der Euro-Zone bleiben. Die Arbeitslosigkeit soll auf elf Prozent steigen.

Griechenland

Die griechische Wirtschaft soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder um 0,6 Prozent wachsen. Trotz der erwarteten Besserung dürfte die Arbeitslosigkeit mit 26 Prozent vergleichsweise hoch bleiben. Bei der Verschuldung werden 177 Prozent der Wirtschaftsleistung erwartet.

Italien

Italiens Wirtschaft soll 2014 um 0,6 Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit dürfte hingegen auf einen Rekord von 12,6 Prozent klettern. Der Schuldenstand bleibt hartnäckig hoch: 2015 soll er mit 132,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts leicht unter dem diesjährigen Niveau liegen.

Zypern

Um 4,8 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt einbrechen. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf den Rekordwert von 19,2 Prozent steigen.

Portugal

Für Portugal erwartet die EU-Kommission 2014 ein Wachstum von 0,8 Prozent. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 16,5 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen. Der Schuldenstand dürfte nach dem Rekordwert von 129,4 Prozent im vorigen Jahr bis 2015 wieder auf 125,8 Prozent zurückgehen.

Irland

Irlands Wirtschaft dürfte 2014 mit 1,8 Prozent deutlich stärker wachsen als der gesamte Währungsraum. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,2 Prozent fallen, nachdem sie 2013 noch bei 13,1 Prozent lag. Das Defizit soll 2015 auf 4,3 Prozent sinken.

Quelle

EU-Kommission

In den Krisenländern Griechenland, Irland und Spanien hat sich nach der Erhebung der OECD die Zahl der Menschen verdoppelt, die in einem Haushalt ohne Arbeitseinkommen leben. Zudem hätten seit Ausbruch der Krise in vielen OECD-Ländern Geringverdiener die größten Einkommensverluste hinnehmen müssen. Besonders hart seien in dieser Hinsicht Estland, Italien, Griechenland, Irland und Spanien betroffen. Der Anteil der Menschen, die angaben, nicht immer genug Geld für ausreichende Nahrungsmittel zu haben, stieg im OECD-Durchschnitt um zwei Punkte auf 13,2 Prozent.

Deutschland, Österreich und die Schweiz stehen im internationalen Vergleich dagegen gut da: Die Arbeitslosenquote liegt laut OECD-Studie in diesen drei Ländern bei etwa der Hälfte des OECD-Durchschnitts von derzeit 9,1 Prozent. Auch sind die Sozialausgaben in den drei Ländern seit Beginn der Krise gestiegen. In Deutschland und Österreich lägen diese deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 21,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, stellt die Organisation fest, der 34 Industrienationen angehören.

Besorgt zeigt sich die OECD hingegen über die weiterhin sinkende Geburtenrate in Deutschland, die nunmehr bei statistisch 1,36 Kinder pro Frau liege. Schon heute kämen in Deutschland auf jede Person über 65 Jahre kaum drei Einwohner im erwerbsfähigen Alter, 2050 würden es nur noch halb so viele sein. Einzig in Japan sei das Verhältnis zwischen Erwerbsfähigen und Rentnern noch ungünstiger.

Die OECD geht davon aus, dass die Sozialausgaben nach einem vorübergehenden Anstieg in den ersten Krisenjahren nun in vielen Staaten unter den Druck der Haushaltskonsolidierung geraten. Die Organisation fordert die Regierungen auf, "pauschale Einschnitte" zu vermeiden. Unter ihnen würden vor allem die Bedürftigsten leiden.

Von

afp

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

18.03.2014, 13:29 Uhr

Die Krise in Südeuropa geht nun schon einge Jahre. Krise nur für die Bürger, die Banken um GoldmanSachs machen fette Gewinne!
Nun, da in Griechenland Menschen in den Krankenhäusern sterben, weil kein Geld mehr da ist, nach vielen Jahren Krise kommt man drauf, die Krise sozial abzufedern.

Etwa spät, diese Heuchelei. Erbärmlich!

Account gelöscht!

18.03.2014, 13:31 Uhr

Wie es aussieht, musste El Erian im Auftrage der Allianz (Herr Schäuble) MASSIV bankrotte Staatsanleihen in sein Depot aufnehmen (Süd-Europa), wo Deutschland jetzt fleissige "ewige Zinsen" zu zahlen hat.

Aber wann kommt der Schuldenschnitt und PIMCO macht MASSIV Verluste dadurch, Mr. Bill Gross ?? Deutschland die Finanz-Mülltonne mit "ewiger Schuld".

Account gelöscht!

18.03.2014, 13:31 Uhr

Ich hoffe der Ukraine bleibt eine Aufspaltung durch die "EU in Brüssel" und Russland auf der anderen Seiter erspart. Man hat ja das Beispiel Polens, wo Hitler und Stalin einen Vertrag schlossen, wie sie das Land "aufteilten", ich denke sowas sollte sich nicht wiederholen.

Dass Frau Merkel bereit ist mit Hilfe von Extremisten eine Regierung stürzen zu lassen im Auftrage von Expansionsplänen der "EU in Brüssel" finde ich zutiefst beschämend. Abscheulich sogar. Staaten fressende EU. Merkel in primitiver Dienerschaft.

Je mehr die Menschen sich entscheiden müssen "scharf an der eigenen Identität vorbei" zur Einen oder anderen Seite zu gehören, je mehr ist die Spannung vor Ort da und damit Hass und Kriegsgefahr.

Für mich ist die "EU in Brüssel" der Verbrecher, weil sie die Menschen lockt sich ihr zu verschreiben wie "Goethes Faust sich Luzifer verschrieben hatte" um alle seine Wünsche erfüllt zu bekommen.

Aber die Kehrseite ist, dass "EU in Brüssel" dann das Volk frisst, seine Souveränität, seine Freiheit. Der letzte Volks-Beschluss ist die Ratifizierung des "EU in Brüssel-Vertrages" .. dann wird es Nacht !!

Die "EU in Brüssel" ist eine schleichende Besatzung Europas - und wenn das so weitergeht, muss Russland Europa noch einmal befreien, wie 1945 schon einmal geschehen.

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