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22.01.2009

15:28 Uhr

Forderung nach Neuwahlen

Finanzkrisen-Proteste lassen Islands Regierung wackeln

„Ihr seid gefeuert“, schreien zornige Isländer ihren Ministern bei der Stürmung einer Sitzung einfach ins Gesicht. Sie könnten Recht behalten. Als Folge der Finanzkrise gerät die Regierung immer mehr unter Druck.

Die Isländer belagern nachts das Parlament und fordern den Rücktritt der Regierung. Foto: dpa dpa

Die Isländer belagern nachts das Parlament und fordern den Rücktritt der Regierung. Foto: dpa

HB REYKJAVIK. In der Hauptstadt Reykjavik gilt es nach der Welle neuer und zuletzt auch gewalttätiger Proteste gegen die katastrophalen Folgen der Finanzkrise inzwischen als fast sicher, dass Ministerpräsident Geir Haarde das Handtuch werfen, die große Koalition auflösen und sich vorzeitigen Neuwahlen stellen muss.

Fast schon einen Hauch von „Montagsdemonstrationen“ wie zur Endzeit der DDR haben die täglichen Proteste über Reykjavik gelegt. Die Sozialdemokraten in Islands Hauptstadt mussten am Mittwochabend erst Beschimpfungen von Demonstranten im Sitzungssaal über sich ergehen lassen, um dann deren wichtigste Forderung zu erfüllen: Sie sprachen sich für vorzeitige Neuwahlen im Mai aus. Die Demonstranten jubelten und zogen weiter zum Parlament.

Sogar nachts belagern inzwischen mehr als jeweils 1000 Demonstranten das Gebäude des ehrwürdigen „Althing“ – eine hohe Zahl für die kleine Inselrepublik mit 320 000 Einwohnern. Solch massive Auseinandersetzungen hat Island seit dem Nato-Beitritt 1949 nicht erlebt. Die Bürger verlangen personelle Konsequenzen der Politiker, nachdem eine kleine Gruppe ehrgeiziger Banker und Finanzakrobaten das ganze Land mit ihren gescheiterten Kreditabenteuern ruinieren konnte.

Bisher hatten Ministerpräsident Haarde und auch der bei den Protestierenden besonders verhasste Nationalbankchef Davíd Oddsson stets jede Mitverantwortung für das Finanz-Desaster ihres Landes zurückgewiesen. Am Donnerstag aber gaben erstmals auch der Regierungschef und führende Vertreter von Haardes konservativer Unabhängigkeitspartei klein bei und erklärten, sie hätten nichts gegen Wahlen bis Jahresende.

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