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03.02.2012

02:19 Uhr

Forderungsverzicht für Griechenland

Schäuble will keine deutsche Beteiligung am Schuldenschnitt

In den Verhandlungen über einen Schuldenschnitt für Griechenland gibt es noch keine Einigung. Euroländer oder EZB sollen auf 15 Milliarden Euro verzichten. Doch Finanzminister Schäuble will davon nichts wissen.

Wolfgang Schäuble will keine Zusatz-Beiträge des öffentlichen Sektors. dapd

Wolfgang Schäuble will keine Zusatz-Beiträge des öffentlichen Sektors.

BerlinBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble lehnt eine Beteiligung Deutschlands und anderer öffentlicher Gläubiger an einem Forderungsverzicht für Griechenland ab. „Griechenland braucht eine Reduzierung der privaten (Gläubiger-)Forderungen um 50 Prozent“, sagte Schäuble am Donnerstag in der N-TV-Sendung „Bei Brender!“ Die öffentlichen Gläubiger des Landes seien bereits hinreichend beteiligt: „Es braucht keine zusätzlichen Beiträge des öffentlichen Sektors“, sagte Schäuble.

Dennoch gibt es Anzeichen für einen baldigen Abschluss der Verhandlungen über eine Rettung Griechenlands. So sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn, er rechne mit einer Vereinbarung über einen Schuldenschnitt bis zum Ende der Woche. Der Knackpunkt in den Verhandlungen ist nach Angaben des griechischen Finanzministers Evangelos Venizelos die Frage, ob sich auch öffentliche Gläubiger - also Staaten und die Europäische Zentralbank - an der Entlastung beteiligen.

Zurzeit verhandelt Griechenland über einen Forderungsverzicht der privaten Gläubiger, der Entlastungen von etwa 100 Milliarden Euro bringen soll. Experten bezweifeln allerdings, ob das reichen wird, um den griechischen Schuldenberg wie geplant von jetzt gut 160 Prozent des BIP bis 2020 auf 120 Prozent zu verringern. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte einen Forderungsverzicht der öffentlichen Kreditgeber nicht ausgeschlossen.

Die Gläubiger Griechenlands (Stand: Januar 2012)

Kredite

Das Volumen der Kredite beläuft sich insgesamt auf 92 Milliarden und teilt sich folgendermaßen auf:

IWF: 20 Milliarden

Euro-Länder: 53 Milliarden

Sonstige: 19 Milliarden

Staatsanleihen

Gesamt: 260 Milliarden Euro, davon 55 Milliarden Euro bei der EZB

Bei griechischen Banken

40 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Bei anderen europäischen Banken

40 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Bei griechischen Sozialversicherungsfonds

30 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Bei europäischen Versicherungen

15 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Bei Fonds

Bei Investment-, Staats-, Pensions- und Hedgefonds sind es 70 Milliarden Euro (sollen umgeschuldet werden)

Wie aus Brüsseler Beamtenkreisen verlautete, müssen die solventen Euroländer oder die Europäische Zentralbank (EZB) 15 Milliarden Euro zur Rettung Athens zuschießen. Das gelte, obwohl Banken und Fonds auf mehr als 70 Prozent ihrer Griechenland-Papiere verzichten wollen. Der Verzicht des öffentlichen Sektors sei notwendig, damit die Schuldentragfähigkeit der Hellenen gesichert werde, hieß es aus der EU-Kommission. Mit dem Aufruf ist der Endspurt in den monatelangen Verhandlungen eingeleitet, mit einem Deal wird Anfang kommender Woche gerechnet.

Bislang ist die Zentralbank nicht bereit, auf Forderungen zu verzichten. Die Währungshüter schließen dies hinter vorgehaltener Hand aber nicht mehr rundweg aus. Zuerst müsse jedoch der Verzicht der privaten Banken abgeschlossen werden. Ein diskutiertes Modell ist, dass die EZB ihre Anleihen zum Marktpreis an die Griechen zurückgibt und damit einen deutlichen Abschlag gegenüber dem Kaufpreis hinnimmt. Den Verlust müsste letztlich der europäische Steuerzahler verkraften.

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Kommentare (82)

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Account gelöscht!

02.02.2012, 18:40 Uhr

und das ist auch gut so

Peer

02.02.2012, 18:47 Uhr

Ich finde auch, dass man keinem Volk unnötig helfen sollte, wo noch immer so hässlich über Deutschland geschrieben und gesprochen wird.

Sollen die erst mal lernen, wie man sich benimmt

Account gelöscht!

02.02.2012, 18:50 Uhr

Schäubles Aussage ist ja zwiespältig. Die deutschen Banken udn Investoren erleiden einen Verlust bei griechischen Staatsanleihen 70-80 %. Und jetzt wurde noch ein extra Zuschuss vom deutschen Steuerzahler für den Deal gefordert oder wie ?? Frechheit. Was heisst denn "deutsche Beteiligung" ? Eine neue Nebelkerze ?

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