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14.12.2016

15:42 Uhr

Fragen und Antworten

Wie geht es weiter in Syrien?

Angesichts der militärischen Übermacht waren die Rebellen in Aleppo bereit, die letzten Viertel der zerbombten Stadt aufzugeben. Doch die Abmachung scheiterte und das Grauen geht weiter. Wie es so weit kommen konnte.

Zögen die Rebellen tatsächlich ab oder würden sie militärisch besiegt, wäre das zwar ein Wendepunkt in dem Krieg - dessen Ende bedeutet das aber noch lange nicht. AFP; Files; Francois Guillot

Aleppo

Zögen die Rebellen tatsächlich ab oder würden sie militärisch besiegt, wäre das zwar ein Wendepunkt in dem Krieg - dessen Ende bedeutet das aber noch lange nicht.

DamaskusAm Mittwochmorgen sollten die Rebellen zusammen mit Zivilisten die letzten verbliebenen Rebellengebiete in Aleppo verlassen. Doch das syrische Regime beorderte die bereitgestellten Busse zurück – ohne irgendjemanden an Bord. Stattdessen kehrten die Kampfjets und das Artilleriefeuer zurück.

Woran scheiterte der Abzug der Rebellen aus Ost-Aleppo?

Die verschiedenen Seiten geben sich gegenseitig die Schuld an dem Scheitern der Abmachung. Aus syrischen Regierungskreisen hieß es, dass die „Verzögerungen“ auf Unstimmigkeiten zwischen den Anführern der Rebellen zurückgingen. Aus Russland hieß es, die Rebellen hätten versucht, die syrische Belagerung gewaltsam zu durchbrechen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte gab an, Moskau sei mit der Einigung vorgeprescht - ohne Absprache mit Damaskus. Die Opposition wirft den Regierungstruppen und ihren Verbündeten vor, die Rebellengebiete am Mittwochmorgen massiv bombardiert zu haben. Klar wird, dass die Abmachung möglicherweise nicht mit all den verschiedenen Akteuren in all ihren Details abgesprochen war.

Warum Aleppo im Krieg so wichtig ist

Symbolwirkung

Aleppo hat sich zum Symbol für den verheerenden Konflikt entwickelt. Die Stadt war nahezu seit Beginn der Kämpfe zwischen Regime und Rebellengruppen geteilt und ist das am schwersten umkämpfte Schlachtfeld in dem Krieg. Wer hier siegt, hat auch einen immensen psychologischen Vorteil.

Letzte Hoffnung für Rebellen

Aleppo ist die letzte Großstadt, in der Aufständische noch Gebiete kontrollieren. Damaskus und Homs sind fest in der Hand der Truppen von Syriens Präsident Baschar al-Assad. Den Rebellen blieben ohne die ehemals größte Stadt des Landes nur noch einige eher ländliche Gebiete wie die Provinz Idlib.

Strategisch wichtig

Nicht zu unterschätzen ist der militärische Spielraum, den die syrische Armee bei einer Eroberung gewinnen würde. Die Schlacht um die ehemalige Handelsmetropole bindet viele Kräfte. Diese könnten sich dann auf andere Rebellengebiete des Landes konzentrieren und das Ende des Bürgerkrieges erzwingen.

Einfluss Russlands

An der Entwicklung in der nordsyrischen Stadt lässt sich der Einfluss Russlands seit seinem Kriegseintritt vor mehr als einem Jahr sowie der des Irans ablesen. Ohne diese beiden Verbündeten wäre das geschwächte Regime nicht in der Lage gewesen, die Rebellen so in die Defensive zu drängen.

Verfehlte Politik des Westens

An Aleppo zeigt sich die Schwäche und die verfehlte Politik des Westens, allen voran der USA und seiner Verbündeten. Sie ließen ein Machtvakuum im Bürgerkrieg entstehen, in das Moskau zugunsten der syrischen Regierung vorstieß - und gucken nun ohnmächtig der zivilen Katastrophe zu.

Verhandlungsbasis

Die Eroberung Aleppos würde dem Regime eine starke Verhandlungsbasis für künftige Friedensgespräche geben – falls Assad diese angesichts seines Siegeszuges überhaupt für nötig halten sollte.

Wer sind die Rebellen, die abziehen sollen?

Als erstes berichtete die in Ost-Aleppo mächtige Gruppe Nur al-Din al-Sinki davon, dass es eine Einigung mit der syrischen Führung gebe. Die Gruppe hatte sich lange gegen eine Aufgabe gewehrt, angesichts der dramatischen Lage für die Zivilbevölkerung erklärte sie sich jedoch zum Abzug bereit. Unklar war zunächst, ob auch die Al-Kaida-nahe frühere Nusra-Front (heute: Fatah-al-Scham) Teil der Abmachung war und wie viele ihrer Kämpfer sich noch in den Rebellengebieten aufhalten.

Wieso ist Aleppo so wichtig für alle Seiten?

Aleppo hat sich zu einem Symbol in dem mehr als fünf Jahre andauernden Krieg entwickelt. Fast seit Beginn der Kämpfe war die Stadt geteilt: Das Regime kontrollierte die westlichen Stadtviertel, Rebellen den Osten.Aleppo ist die größte Stadt im Norden Syriens und war vor dem Krieg eine bedeutende Handelsmetropole. Zudem kommt ihr auch eine wichtige strategische Bedeutung zu.

Frank-Walter Steinmeier

„Humanitäre Hilfe sollte in Aleppo ihr Ziel finden“

Frank-Walter Steinmeier: „Humanitäre Hilfe sollte in Aleppo ihr Ziel finden“

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Welche strategische Bedeutung hat Aleppo?

Mit dem endgültigen Sieg über die Rebellen in Ost-Aleppo würde der Spielraum der syrischen Armee und ihrer Verbündeten enorm wachsen. Ein entscheidendes Schlachtfeld fiele weg, die Armee könnte sich dann auf die anderen Fronten im Land konzentrieren. Der Kampf um Aleppo bindet viele Kräfte. Zudem würde das Regime nach dem Abzug der Rebellen wieder eine wichtige Achse von Nordsyrien Richtung Süden bis in die Hauptstadt Damaskus kontrollieren: Es sind die Gebiete Syriens, in denen die meisten Menschen leben.

Könnte der Fall Aleppos ein baldiges Ende des Bürgerkrieges bedeuten?

Zögen die Rebellen tatsächlich ab oder würden sie militärisch besiegt, wäre das sicherlich ein Wendepunkt in dem Krieg - dessen Ende bedeutet das aber noch lange nicht. Die Terrormiliz IS kontrolliert weiter größere Gebiete in Zentral- und Ostsyrien. Verschiedene Rebellengruppen halten Gebiete in ländlicheren Regionen. Unter diesen Gruppen - von moderaten bis zu islamistischen Gruppierungen - könnten sich neue Bündnisse ergeben. Zudem könnten einzelne Gruppen dazu übergehen, gezielt Anschläge zu verüben. Zu viele unterschiedliche Interessen und Gruppen spielen in Syrien mittlerweile eine Rolle. Das Ende einer Schlacht würde deshalb nicht das Ende des Krieges bedeuten.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

14.12.2016, 17:25 Uhr

"Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

@ Herr Hoffmann

ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

@Porters

VIELEN DANK Herr Porters,
es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
Schön das Sie das zu schätzen wissen.

Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
Paff, von Horn, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke, Ebsel, Dirnberger....

ohne sie wäre ich hier sehr einsam !

Aber besonders erwähnen möchte einen, der wirklich den ganzen Tag, und damit meine ich von morgens bis abends, aber auch wirklich jeden Artikel kommentiert (er ist fleisiger als ich), und auch die meisten Artikel mehrmals kommentiert.....

das ist unser geliebter

TRAUTMANN

Danke

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