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07.06.2014

08:53 Uhr

Francis Fukuyama

Die Geschichte nach dem Ende der Geschichte

VonFrank Wiebe

Vor 25 Jahren verkündete der amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama seine berühmte These vom „Ende der Geschichte“., Auf einer Podiumsdiskussion blickte er auf diese Zeit zurück – und nach vorne.

Francis Fukuyama lehrt an der Stanford University. Stanford University

Francis Fukuyama lehrt an der Stanford University.

WashingtonHegel ist schuld. So stellt es jedenfalls Francis Fukuyama heute dar, genau 25 Jahre, nachdem er seine berühmte These vom „Ende der Geschichte“ verkündet hat. Bei einer Diskussion im Hause des ultraliberalen Cato-Instituts machte er klar: Er steht auch heute noch zu dieser These, obwohl sie ihm viel Kritik und Häme eingetragen hat.

Hegel, der deutsche Philosoph, hatte das erste Mal den Gedanken formuliert, die Geschichte könnte zu Ende gehen. Die Geschichte, wie er sie verstand: Als Kampf der Ideen, nicht als das niedere Getümmel auf der materiellen Ebene. Für den jungen Hegel verkörperte Napoleon den Weltgeist, der gereifte Philosoph lokalisierte ihn eher beim preußischen Staat.

Die Idee von einem möglichen Ende der Geschichte erreichte auf dem Umweg über französische Intellektuelle den amerikanischen Politikwissenschaftler Francis Fukuyama. Und als der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow sagte: „Die Essenz des Sozialismus ist der Wettbewerb“ – da war er überzeugt: Nun ist das Ende da. Denn nun gab es nur noch eine einzige Idee, die Gültigkeit hat: die der liberalen Demokratie. In diesem Sinne steht er bis heute zu seiner These und verteidigt sie auch noch einmal in einem Gastartikel für das „Wall Street Journal“.

Das heißt natürlich nicht, dass es keine politischen Auseinandersetzungen mehr gäbe. „Sagen Sie mir jetzt nicht, dass die Welt heute anders aussieht als vor 1989, das weiß ich selber“, bat er seine Zuhörer. Aber Konzepte wie der neu erwachte Nationalismus in Russland und China oder der politische Islam sind seiner Meinung nach keine wirklichen großen Ideen, sondern Schlagworte, mit denen „politische Unternehmer“ Gefolgschaften hinter sich versammeln.

Einer der Diskussionspartner von Fukuyma, der Politik-Experte Michael Mandelbaum, stimmte ihm im Wesentlichen zu und brachte gleich noch mehr Ordnung in die Sache. Von der Französischen Revolution bis 1989, als der Kommunismus zusammenbrach, dauerte die Geschichte der Ideologien, sagt er. Im 19. Jahrhundert war es der Kampf zwischen Konservativen und Liberalen, im 20. Jahrhundert der zwischen Liberalen und Totalitären wie den Faschisten und Kommunisten. Seit 1989 ist dieser Kampf entschieden – und damit die Geschichte im Sinne Hegels vorbei.

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