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30.06.2011

11:42 Uhr

Francois Baroin

Frankreichs Newcomer mit Ehrgeiz

VonHolger Alich

Frankreichs neuer Finanzminister Francois Baroin ist auf dem internationalen Parkett weitgehend ein Unbekannter. Viel Zeit, sich einzuarbeiten, lässt die Krise dem 46-Jährigen aber nicht.

Der neue französische Finanzminister Francois Baroin mit seiner Vorgängerin, Christine Lagarde. Quelle: dapd

Der neue französische Finanzminister Francois Baroin mit seiner Vorgängerin, Christine Lagarde.

ParisSchon an diesem Wochenende muss Baroin beim Treffen der Finanzminister der Eurozone wichtige Entscheidungen mittragen zur Rettung Griechenlands. Dabei werden Wolfgang Schäuble & Co. sehen: Zwischen Baroin und seiner Vorgängerin Lagarde liegen Welten.

Denn Christine Lagarde war eine Quereinsteigerin in die Politik. Sie hatte eine glänzende Anwaltskarriere in der US-Kanzlei Baker & McKenzie aufgegeben, um Minister zu werden. Diese internationale Erfahrung war für sie von großem Nutzen beim Krisenmanagement. Francois Baroin ist dagegen ein Vollblut-Politiker. Er ist aus Frankreich noch nie rausgekommen. Von 1988 bis 1992 arbeite er als Journalist beim Radio-Sender Europe1. Seit Anfang der 90er Jahre macht er nichts anderes als Politik.

Politisch vertritt er die Linie seines Mentors, dem ehemaligen Staatspräsidenten Jacques Chirac. Sprich, Baroin ist wie Chirac ein Vertreter der sozial-konservativen Linie. "Eine Beschleunigung der Konsolidierung der öffentlichen Finanzen hätte kaum Sinn", sagte Baroin jüngst im Parlament, "wir wollen nicht unnützerweise das Wachstum unserer Wirtschaft gefährden." Am Mittwoch Abend wiederholte er in den TV-Nachrichten seine wirtschaftspolitische Leitlinie, die eines "Gleichgewichts zwischen sozialer Gerechtigkeit und ökonomischer Effizienz." Lächelnd dementierte er, mit seinem Rücktritt gedroht zu haben für den Fall, dass er nicht Finanzminister würde.

Genau auf diese Weise soll Baroin indes seine Beförderung durchgedrückt haben, heißt es in Paris. Aber Sarkozy verweigerte ihm einen Sieg auf der ganzen Linie. Denn ursprünglich soll Baroin gefordert haben, dass das Finanz- und Haushaltsministerium unter seiner Führung wieder fusioniert wird. Neue Haushaltsministerin wird aber nun die ehemalige Forschungsministerin Valérie Pécresse, die eine Zeitlang als Favoritin für die Nachfolge von Christine Lagarde galt. Das neue Finanzduo dürfte daher nicht frei von Spannungen bleiben.

Baroin stellte sich nach gewonnenem Kampf nun ganz in die Linie der Kontinuität seiner Vorgängerin. "Es ist wichtig, dass Europa langfristig die Finanzstabilität sichert und die des Euros." Eine Restrukturierung der Schulden Griechenlands und ein damit verbundener Zahlungsausfall müsse daher unbedingt vermieden werden, erklärte Baroin Mittwoch Abend.

Bei den Mitarbeitern von Lagarde hat Baroin überhaupt keinen guten Ruf. Dort ist noch in guter Erinnerung, dass der ehrgeizige Politiker ständig seinen Machtbereich auf Kosten von Lagarde ausweiten wollte und etwa die Reform der Vermögenssteuer an sich gezogen hatte. Mit seiner Berufung zum Finanzminister will sich Baroin nun das internationale Profil verpassen, was ihm bis heute fehlt.

In den Sachfragen wird er sich auf die Fachbeamten stützen können, allen voran Ramon Fernandez, dem Direktor des Tresors, der wichtigsten Abteilung des Ministeriums. Und vom Elysée aus wird Baroin von Sarkozys Wirtschaftsberater Emmanuel Moulin und Generalsekretär Xavier Musca überwacht. Die Frage der Eurorettung wird vom Elysée mit höchster Aufmerksamkeit verfolgt. Newcomer Baroin muss nun beweisen, dass seine Lernfähigkeit und Sachkenntnis mit seinem Ego Schritt halten. In seinem neuen Job kann er sich keine Fehler erlauben wie im Ende Mai 2010.

Er war just zum Haushaltsminister ernannt worden, als er heraus posaunte, dass die Lage "angespannt" sei, damit Frankreich seine Top-Note AAA bei den Rating-Agenturen behalte. Baroin wollte damit innenpolitisch für mehr Einsparungen und Haushaltskonsolidierung werben. Die Reaktion der internationalen Märkte hatte er total unterschätzt. Angesichts hoch schießender Risiko-Aufschläge auf Frankreichs Anleihen rudete Baroin zusammen mit Christine Lagarde eifrig zurück. Und beide hatten ihren ersten handfesten Krach.

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