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13.03.2012

14:45 Uhr

François Hollande

Monsieur Normal auf Elysee-Kurs

Er fährt mit dem Roller zur Arbeit und ist stolz darauf, möglichst normal zu leben. François Hollande kultiviert Bescheidenheit und Sachlichkeit - und verkörpert damit das Gegenteil, wofür Präsident Sarkozy steht.

Francois Hollande, der Präsidentschaftskandidat der Sozialisten. AFP

Francois Hollande, der Präsidentschaftskandidat der Sozialisten.

ParisIn der entscheidenden Phase seiner Präsidentschaftskandidatur setzt der 57-jährige François Hollande nun auch inhaltlich auf vollkommen gegensätzliche Rezepte zum Amtsinhaber: Den gerade erst mühsam von den EU-Staats- und Regierungschefs ausgehandelten Fiskalpakt will der Sozialist neu verhandeln, den von Sarkozy umhegten Reichen des Landes droht er mit einer Megabesteuerung von 75 Prozent und den zeitweise an Anbiederung grenzenden Kuschelkurs Sarkozys gegenüber Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht er kritisch. Sage niemand, die Franzosen hätten keine wirkliche Wahl.

Und tatsächlich scheinen nach vier Jahren Sarkozy viele Franzosen des immer quirligen, häufig hektischen Mannes im Elysee-Palast müde, und ausgerechnet Hollande, dem lange selbst viele seiner Genossen in der sozialistischen Partei einen Top-Posten nicht recht zutrauten, hat beste Chancen, ihn zu beerben. Zwar verringert Sarkozy seit der Bekanntgabe seiner Kandidatur den Abstand zum Favoriten Hollande stetig. Doch sind sich die Meinungsforscher seit Monaten einig, dass in der Stichwahl am 6. Mai der Absolvent der Elite-Hochschule ENA und langjährige sozialistische Parteichef Hollande die allerbesten Chancen hat, der zweite sozialistische Präsident Frankreichs nach Francois Mitterand zu werden. Eine erstaunliche Ausgangslage für einen Mann, der noch nie ein Ministeramt innehatte.

Politisch gilt Hollande als gemäßigter Sozialist mit einem starken Empfinden für soziale Gerechtigkeit. Entscheidend für seinen Sieg in der parteiinternen Vorwahl gegen die linkere einstige Arbeitsministerin Martine Aubry war, dass sich auch der linke, globalisierungskritische Abgeordnete Arnaud Montebourg auf seine Seite stellte. Der Preis für die Präsidentenkandidatur war aber auch ein zumindest verbaler Linksruck.

So verschärfte Hollande seine Wortwahl gegenüber Banken und Globalisierung deutlich und wartete in der heißen Wahlkampfphase mit seinem Plan auf, Einkommen ab einer Million Euro im Jahr mit 75 Prozent zu versteuern. Den Vorwurf Sarkozys, den Sozialneid zu schüren, kontert er mit dem Hinweis, er könne unverdienten und exzessiven Reichtum nicht leiden.

Kommentare (2)

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13.03.2012, 18:43 Uhr

75 % Steuerbestrafung? Kein Problem. Soll man ruhig in Deutschland einführen. Werde ganz entspannt mein Geld dahin bringen, wo man meine Lebensleistung bewundert und nicht beneidet. Und ich werde dann nicht der einzige sein. Und plötzlich sind nicht mehr genug Melkkühe da. Und dann passiert das, was auch in Schweden passierte: Die Sozialisten wurden ganz schnell wieder abgewählt.

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13.03.2012, 19:22 Uhr

Bei über einer Million Einkommen, kann kein vernünftiger Mensch von Leistung sprechen.

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