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11.05.2012

09:06 Uhr

François Hollande

Präsidentenpaar in „wilder Ehe“

Wie Joachim Gauck ist auch François Hollande nicht mit seiner Partnerin verheiratet. Bei dem ein oder anderen Staatsbesuch könnte das zu Problemen führen. Ähnliche Erfahrungen konnte zuvor auch Carla Bruni machen.

Ein Leben ohne Trauschein: Valerie Trierweiler und François Hollande bei einem Wahlkampfauftritt. dapd

Ein Leben ohne Trauschein: Valerie Trierweiler und François Hollande bei einem Wahlkampfauftritt.

ParisNach Joachim Gauck nun auch François Hollande: Der neue französische Staatschef ist wie der Bundespräsident nicht mit der Frau an seiner Seite verheiratet. Hollande lebt seit Jahren in „wilder Ehe“ mit Valérie Trierweiler, die wie Gaucks Freundin Daniela Schadt Journalistin ist. Auch für Trierweiler, die mit dem Amtsantritt Hollandes am Dienstag Frankreichs neue First Lady wird, dürften sich dadurch bei einigen Staatsbesuchen Probleme ergeben.

Diese Erfahrung machte bereits Hollandes Vorgänger Nicolas Sarkozy, der Anfang 2008 frisch verliebt mit seiner Freundin Carla Bruni nach Indien reisen wollte. Die Zeitungen des konservativen Landes, wo Ehe und Familie als höchstes Gut gelten, spekulierten damals, ob das Paar wohl ein Hotelzimmer teilen werde und wo Bruni beim Bankett sitzen solle. Bruni verzichtete daraufhin darauf, Sarkozy zu begleiten und reiste erst anderthalb Jahre nach ihrer Hochzeit mit dem Präsidenten nach Indien, um das Tadj Mahal, das Monument der Liebe, zu besuchen.

Auch in die Golfstaaten konnte Sarkozy das ehemalige Top-Model, das er kurz nach der Trennung von seiner zweiten Frau Cécilia kennengelernt hatte, nicht mitnehmen. Hollande und Trierweiler müssen in streng islamischen Ländern wie Saudi-Arabien ebenfalls mit „protokollarischen Einschränkungen“ rechnen, heißt es. Schließlich ist die „wilde Ehe“ im Islam verboten.

Ebenfalls unverheiratet: Bundespräsident Joachim Gauck mit seiner Partnerin Daniela Schadt. dpa

Ebenfalls unverheiratet: Bundespräsident Joachim Gauck mit seiner Partnerin Daniela Schadt.

Lockerer geht es dagegen in Indonesien zu, dem Land mit den meisten Muslimen: Dort haben die obersten Geistlichen zwar außereheliche Partnerschaften ebenfalls für "verboten" erklärt. Ein Besuch der australischen Regierungschefin Julia Gillard, die mit ihrem Lebensgefährten anreiste, verlief 2010 aber ohne größere Probleme.

Ansonsten werden in der Regel im Ausland die Vorgaben aus Frankreich umgesetzt, berichten Diplomaten des französischen Außenministeriums. Wenn vorher gesagt werde, Trierweiler müsse wie die Frau des Präsidenten behandelt werden, geschehe das auch so.

„Ich weiß nicht, ob das Probleme bereitet“, sagt Trierweiler selbst zu ihrem Status als unverheiratete Präsidentenpartnerin - „vielleicht im Vatikan“. Eine Hochzeit mit Hollande schließt die 47-Jährige nicht aus, die schon zweimal verheiratet war und drei Söhne im Teenageralter hat. Doch: „Das ist vor allem eine private Sache.“ Auch Sarkozy hatte ein gutes halbes Jahr nach seinem Amtsantritt in aller Stille Carla Bruni geheiratet.

Carla Bruni konnte ihren Sarko vor der gemeinsamen Trauung nicht auf allen Auslandsreisen begleiten. Reuters

Carla Bruni konnte ihren Sarko vor der gemeinsamen Trauung nicht auf allen Auslandsreisen begleiten.

Das Paar wohnte dann im Haus der 44-Jährigen im schicken 16. Stadtbezirk von Paris. Hollande und Trierweiler wollen ebenfalls nicht in den Elysée-Palast mit seinen 365 Zimmern einziehen. Dabei wäre in dem bald 300 Jahre alten Prachtbau viel Platz für die drei Söhne von Trierweiler und die vier erwachsenen Kinder, die Hollande zusammen mit seiner Ex-Partnerin, der sozialistischen Politikerin Ségolène Royal, hat.

„François hat angekündigt, dass wir nicht im Elysée leben werden“, sagte Trierweiler. Allerdings wird das Paar aus Sicherheitsgründen wohl auch seine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus im 15. Stadtbezirk von Paris verlassen müssen. Wohin es dann geht, ist der neuen Première Dame zufolge noch unklar: „Für diese Fragen brauchen wir noch Zeit.“

Von

afp

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