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12.08.2014

19:47 Uhr

François Hollande wird 60

Rien ne va plus

VonTanja Kuchenbecker

Politisch herrscht Stillstand in Paris, doch Hollande feiert Geburtstag – nie gab es einen spannenderen. Alle fragen sich: Feiert er mit seiner Geliebten? Heiratet er gar? Der Präsident antwortet, wie er es immer macht.

ParisJacques Attali, der ehemalige Berater von François Mitterrand, sitzt am Klavier und denkt über die dramatische Situation des ruinierten Frankreichs nach. Es klingelt an der Tür. Davor steht François Hollande. So beginnt eine fiktive Politikserie in der Tageszeitung „Le Figaro“. Sie nimmt Hollande und die französische Politik auf die Schippe. Der Präsident wird dabei als unerfahren dargestellt. Hollande holt sich Ratschlag bei Attali, den er als sehr klug schätzt. „Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll“, sagt er zu diesem und erzählt von Wirtschaftsproblemen. Was passiert in ein paar Monaten?, fragt er Attali. Der darauf nur: „Titanic“ und gibt Hollande den Ratschlag abzudanken. Hollande befolgt ihn.

Jeden Tag im August steht die Serie „Hollande s´en va“ (Hollande geht) prominent auf einer ganzen Seite im „Figaro“ und zeigt, wie in Frankreich an Hollande zweifelt, daran ändert sich auch nichts an seinem 60. Geburtstag am Dienstag. Hollande, dessen Beliebtheitswerte seit Monaten im Keller sind, gilt als Zauderer. Nur noch ein Viertel der Franzosen trauen ihm zu, Frankreichs wirtschaftliche Situation in Griff zu bekommen. Die Arbeitslosigkeit steigt, die Unzufriedenheit im Land nimmt zu und Frankreich versucht immer mal wieder die europäische Schuldengrenze aufzuweichen. Hollande sind innenpolitisch die Hände gebunden, weil es zu viele Kritiker in den eigenen Reihen für umfassende Wirtschaftsreformen gibt. Deshalb begnügt er sich mit kleinen Maßnahmen und hofft auf Hilfe von außen.

Doch nicht nur politisch, auch privat sitzt er Dinge gern aus und gibt Rätsel auf, auch zu seinem Geburtstag. Seit Tagen hat er sich aus dem Elyséepalast in die Präsidentenresidenz La Lanterne in Versailles zurückgezogen. Es heißt, er feiert mit seiner Familie. Doch wie genau soll man den Begriff „Familie“ im Fall von Hollande verstehen? Die Kinder sollen auf jeden Fall dabei sein, aber ob auch Hollandes Ex-Ex-Lebensgefährtin und Umweltministerin Ségolène Royal mitfeiert, wurde vorher nicht bekannt. Spekuliert wurde auch über Schauspielerin Julie Gayet. Treffen die beiden sich gar bei seinem Geburtstag?

Woran Frankreich krankt

Wettbewerbsfähigkeit

In Frankreich sticht die ungünstige Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit hervor. Auch deshalb ist der Weltmarktanteil des Exportsektors des Landes deutlich gesunken; die Leistungsbilanz hat sich seit Beginn der Währungsunion kontinuierlich verschlechtert– von einem Überschuss von 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu einem Defizit von zuletzt etwa 2 Prozent. Im Durchschnitt der zurückliegenden drei Jahre hat Frankreich damit das höchste Leistungsbilanzdefizit aller Kernländer aufgewiesen. Im „Global Competitiveness Report 2012-2013“ belegt Frankreich damit nur Rang 21 von insgesamt 144 Ländern. Im Jahr 2010 wurde es mit Rang 15 noch deutlich besser bewertet.

Quelle: Frühjahrsgutachten der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute; Commerzbank

Lohnstückkosten

Die Lohnstückkosten sind seit 1999 um 30 Prozent gestiegen. Die Lage heute: Während eine Arbeitsstunde deutsche Arbeitgeber 30,40 Euro kostet, fallen westlich des Rheins 34,20 Euro an. Typisch für den Niedergang sind die Autobauer. „Hier verdichten sich die Probleme Frankreichs“, sagt Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. Das Land produziere 40 Prozent weniger Kraftfahrzeuge als 2005, Deutschland dagegen 15 Prozent mehr.

Arbeitslosigkeit

Die wirtschaftliche Entwicklung lässt kaum eine deutliche Reduzierung der Arbeitslosigkeit und der öffentlichen Verschuldung erwarten. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf einem hohen Niveau jenseits von 10 Prozent verharren.

Staatsverschuldung

Noch wird die Schuldentragfähigkeit von den Anlegern nicht in Frage gestellt. Die öffentliche Verschuldung Frankreichs hat sich aber seit der Großen Rezession deutlich erhöht. Zwischen 2008 und 2012 stieg die Schuldenstandsquote um rund 25 Prozentpunkte auf über 90 Prozent. Im Jahr 2012 lag die Defizitquote weiterhin deutlich oberhalb von 3 Prozent, und auch für das Jahr 2013 wird eine diesen Wert überschreitende Quote erwartet. Damit steigt die öffentliche Verschuldung weiter.

Private Verschuldung

Die private Verschuldung ist in Frankreich weniger stark gestiegen und liegt auf einem deutlich geringeren Niveau als z. B. in Irland, Spanien und Portugal. Dennoch ist Frankreich das einzige der ausgewählten Länder, in dem die private Verschuldung auch seit 2009 noch merklich zunimmt.

Verlust von Weltmarktanteilen

Große Probleme bestehen im externen Sektor. Der überdurchschnittlich starke Verlust von Weltmarktanteilen ist in Kombination mit trendmäßig steigenden Leistungsbilanzdefiziten besorgniserregend. Dies dürfte nicht allein auf Veränderungen der preislichen Wettbewerbsfähigkeit zurückzuführen sein; diese hatte sich zwischen 2000 und 2008 permanent verschlechtert, verbesserte sich seitdem aber. Insbesondere Frankreichs Exportwirtschaft ist es nicht gelungen, vom ökonomischen Aufschwung der Schwellenländer zu profitieren, sondern sie hängt nach wie vor von den Märkten im Euroraum ab.

Doch seitdem die Affäre mit Gayet im Januar bekannt wurde und er sich von Valérie Trierweiler trennte, sah man Hollande nicht mehr mit Gayet zusammen. Seitdem wird nicht nur darüber gerätselt, wie er Frankreichs Wirtschaft retten will, sondern mindestens ebenso viel über sein Liebesleben. Schon zirkulierten Gerüchte, sie habe es satt auf ihn zu warten. Bilder in der Klatschzeitung „Voici“ zeigten sie auf Korsika mit einem Anwalt im Urlaub. Dazu schrieb das Blatt: „Ihre Hochzeit mit Hollande ist nicht mehr aktuell.“

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