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08.01.2015

21:17 Uhr

Frankreich am Tag nach dem Terror

„Die Terroristen haben die Franzosen geeint“

VonThomas Hanke

Die Symphonie der Großstadt ändert sich nicht: In Paris geht nach dem Attentat viel seinen gewohnten Gang. Doch das Selbstverständnis der Franzosen hat sich gewandelt. Es zeichnet sich vor allem eins ab – Hoffnung.

Der Stift als Zeichen der Meinungsfreiheit: Das Attentat eint die Franzosen. ap

Der Stift als Zeichen der Meinungsfreiheit: Das Attentat eint die Franzosen.

ParisWach werden am Tag nach dem Attentat: Das fällt schwer, wenn das Sandmännchen ein schwer bewaffneter Polizist mit schwarzer Sturmhaube war, dem man bis spät in die Nacht dank eines der vielen Nachrichtensender live beim Durchforsten eines Wohnviertels im Norden von Paris zuschaut. Der erste Blick geht auf das Smartphone: sind die beiden mutmaßlichen Täter gefasst? Nein.

Die Eindrücke überlagern sich, und das wird sich durch den ganzen Tag ziehen: die Informationen über die laufende Jagd nach den beiden Brüdern, verbunden mit der dumpfen Angst, dass die bis zuletzt den Ablauf bestimmen und der Polizei ein blutiges Finale aufzwingen werden; immer neue grausige Details über den Anschlag am Mittwoch, aber auch das Schöne im Schrecklichen, die Reaktion der Franzosen.

Die Erinnerung an die Zehntausende, die am Mittwochabend still zur Place de la République strömten, ihre ruhige, zivilisierte Entschlossenheit, sich um keinen Preis einschüchtern zu lassen und ihre Freiheit zu verteidigen, sie lässt mich nicht los. Das ist einer der seltenen Momente, die unter die Haut gehen, bei denen man das Gefühl hat, die DNA der Franzosen zu verstehen.

Das erste Gespräch führe ich mit der Gardienne, wie fast alle Pariser Gardiennes – Concierge sagt man nicht mehr, keine Ahnung wieso – ist sie Portugiesin. „Schrecklich, Monsieur Hanke, was die mit uns machen, wir wollen doch nur in Ruhe leben, aber die Islamisten lassen uns nicht.“ Mein Hinweis, die seien zum Glück nur sehr wenige, beeindruckt sie überhaupt nicht. „Mit denen kann man nicht zusammenleben, trotzdem alles Gute zum neuen Jahr, Monsieur Hanke!“

Thomas Hanke ist Korrespondent des Handelsblatts in Paris. Pablo Castagnola

Thomas Hanke ist Korrespondent des Handelsblatts in Paris.

Bis halb neun muss das Angebot für die Kollegen in Düsseldorf raus. Durcheinander purzelnde Eindrücke sind gut und schön, aber am Ende des Tages müssen ein paar sauber strukturierte Artikel im System stehen. Was von den Ideen des Vortages trägt noch, was lasse ich besser weg, was kommt neu dazu?

Ich breche die Unzahl möglicher Themen auf vier, fünf herunter, die mir sinnvoll erscheinen. Ab die Post, dann beginnt das Warten auf den Ratschluss der Konferenz in der Zentrale.

Zeit, ein Croissant zu kaufen und zu schnuppern, ob die Stadt sich verändert hat. Wie soll sich eine Riesenstadt über Nacht verändern, natürlich nicht. Oder doch? Viele französische Medien schreiben, der Angriff auf „Charlie Hebdo“ sei „Frankeichs 11.September“ und das Land stehe „jetzt im Krieg“. Reden die Menschen anders, schauen sie ängstlich drein? Nein, die Symphonie der Großstadt ändert sich nicht. Die Bäckerin ist in aufgeräumter Stimmung wie immer, das Croissant ausgezeichnet und niemand irgendwie bedrückt.

Kommentare (10)

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09.01.2015, 08:04 Uhr

Nur aus einer Gün-Sozialistischen deutsche Brille zeichnet sich Hoffnung im Terror ab.
Wenn jetzt schon der Terror für ein Volk Hoffnung bringt, dann wissen wir wie weit die Vernichtung durch das Grün-Soziale Gedankengut schon in den Medien und in der Politik fortgeschritten ist.
Die Gesellschaftsvernichter haben in EU-Deutschland das Ruder in den Medien und Politik übernommen. Vielen Dank auch noch!

Herr Renatus Isenberg

09.01.2015, 08:57 Uhr

Man weiss nicht, ob die platten Kommentare und Titel der Journalisten angesichts des Terrors in Paris einem Partei Zwang gehorchen oder die Folge einer schwachen journalistischen Ausbildung sind. Seit DDR Zeiten gab es nie so viele Platitüden und Wortfänger wie schon seit der Euro Krise und dem Widerstand gegen ca.8% Moslems in Deutschland ( die USA haben 0,7% Moslems in ihrer Bevölkerung). Die Terrorakte in Frankreich und Madrid und London tragen DDR Titelblüten der Einheit und Einigkeit, tragen aber nicht zur Beruhigung der Menschen bei, die in der EU ohne Arbeit sind und für die welche mit 50+ Jahren in die EinEuro Jobs gezwungen werden. Vor dem Terror Akt waren AFD und Pegida die ausgemachten Feinde der Republik, jetzt sind sie angeblicxh auch die Profiteure des Terrors. Frau Merkel und "befreundete" Journalisten, Sie haben hier in Deutschland wieder den alten primtiven DDR Stil aufgebaut und die Hetze auf Andersdenkende zu neuen Ehren gebracht!

Herr Manfred Zimmer

09.01.2015, 09:12 Uhr

Diesen Eindruck Teile ich auch. Man muss keine Kalaschnikov real in der Hand haben, um die Demokratie zu bedrohen. Die politische Lüge reicht vollkommen aus. Und die Unterstützer dieser Leute sind nicht anders anzusehen wie die Unterstützer der Straftäter mit den primitiven Kalschnikovs in der Hand.

Ich erinnere mich da an das geflügelte Wort "alternativlos", was es bei klugen Leuten nicht gibt. Kluge Leute entscheiden sich für die bessere Variante, dumme Leute kennen keine Varianten!

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