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16.07.2015

07:12 Uhr

Frankreich

Anschlag auf Militäreinrichtungen vereitelt

Schon wieder Terrorpläne in Frankreich: Vier Verdächtige sollen Militäreinrichtungen ins Visier genommen haben. Sie wurden verhaftet. Der wichtigste Anstifter des Vorhabens war bereits im Visier der Behörden.

Gefahr gebannt: Innenminister Bernard Cazeneuve hat die Festnahmen verkündet. AFP

Bernard Cazeneuve

Gefahr gebannt: Innenminister Bernard Cazeneuve hat die Festnahmen verkündet.

ParisFranzösische Ermittler haben nach Regierungsangaben einen Terrorplan gegen Militäreinrichtungen vereitelt. Vier Verdächtige seien bereits am Montag an verschiedenen Orten des Landes festgenommen worden, sagte Innenminister Bernard Cazeneuve am Mittwochabend in Paris. Sie sind zwischen 16 und 23 Jahre alt, einer von ihnen ist ein ehemaliger Marinesoldat. Frankreich war in den vergangenen Monaten mehrfach von islamistischen Anschlägen erschüttert worden.

„Diese Individuen (...) planten, Terroraktionen gegen französische Militäreinrichtungen zu begehen“, sagte Cazeneuve. Der wichtigste Anstifter habe Kontakte zu französischen Dschihadisten gehabt und sei den Behörden aufgrund seines Aktivismus' in sozialen Netzwerken bekannt gewesen. Er wurde zudem gemeldet, weil er Absichten gehabt haben soll, nach Syrien zu reisen.

Die Zeitung „Le Monde“ berichtete unter Berufung auf Polizeikreise, die Männer hätten insbesondere vorgehabt, einen hochrangigen Soldaten einer Militärbasis zu enthaupten. Das Vorhaben sei allerdings erst im Stadium eines „geistigen Projekts“ gewesen, hieß es unter Berufung auf eine mit der Angelegenheit vertraute Person weiter.

Chronik: Terroranschläge in Frankreich

Juli 1995

Im Pariser S-Bahnhof Saint-Michel an der Kirche Notre-Dame explodiert in einem Wagen eine Bombe. Dabei werden neun Menschen getötet und 116 verletzt. Es ist der Auftakt zu einer Anschlagsserie in Paris und anderen Städten, die einer algerischen Islamistengruppe zugeschrieben wird.

Novemeber 2011

Unbekannte verüben einen Brandanschlag auf die „Charlie-Hebdo“-Redaktion. Das Magazin hatte 2006 die umstrittenen Mohammed-Karikaturen aus Dänemark nachgedruckt.

März 2012

Ein Attentäter erschießt sieben Menschen, darunter drei Kinder und ein Lehrer einer jüdischen Schule. Er wird nach rund 32-stündiger Polizeibelagerung seiner Wohnung bei einer Schießerei getötet. Zuvor hatte er sich als Al-Kaida-Anhänger bezeichnet.

Oktober 2012

Bei einem Anti-Terroreinsatz erschießt die Polizei einen 33-jährigen Dschihadisten in Straßburg und nimmt elf weitere mutmaßliche Islamisten fest. Sie werden für einen Anschlag auf ein jüdisches Geschäft verantwortlich gemacht.

Dezember 2014

Polizisten erschießen im zentralfranzösischen Joué-lès-Tours einen Mann, der mit „Allahu-Akbar“-Rufen („Gott ist groß“) in ein Kommissariat stürmt und mit einem Messer drei Beamte verletzt.

07. Januar 2015

Beim Attentat auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ werden in Paris zwölf Menschen getötet. Die beiden Täter kommen zwei Tage später bei einer Polizeiaktion ums Leben. Zum Anschlag bekennt sich die Terrororganisation Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel. Ein mit ihnen bekannter dritter Täter erschießt in Paris parallel dazu eine Polizistin und nimmt in einem jüdischen Supermarkt Geiseln, von denen er vier erschießt, bevor er selbst von der Polizei getötet wird. Er bekennt sich zuvor zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

11. Januar 2015

Aus Protest gegen die Terrorwelle gehen im ganzen Land nach Schätzungen zwei Millionen Menschen auf die Straße. Viele Staats- und Regierungschefs reisen zum Pariser Gedenkmarsch an.

19. April 2015

Nach der Ermordung einer Frau in wird in Villejuif bei Paris ein Student festgenommen. Der 24-Jährige mit Kontakt nach Syrien soll mit einem Waffenarsenal aus Kalaschnikow-Sturmgewehren, Pistole und Revolver Anschläge auf Kirchen geplant haben.

26. Juni 2015

Ein 35 Jahre alter mutmaßlicher Islamist wird beim Versuch überwältigt, in einem Industriegas-Werk in Saint-Quentin-Fallavier bei Lyon eine Explosion herbeizuführen. Der Mann hatte zuvor seinen Arbeitgeber enthauptet und den Kopf mit zwei Islamistenflaggen auf den Fabrikzaun gesteckt. Im Dezember erhängte er sich im Gefängnis.

21. August 2015

Ein 25-jähriger Islamist wird im Thalys-Schnellzug Brüssel-Paris bei einem Anschlagversuch mit einem Schnellfeuergewehr von Fahrgästen überwältigt. Zwei Zuginsassen werden verletzt.

13. November 2015

Bei einer koordinierten Anschlagsserie in Paris töten IS-Extremisten 130 Menschen. In der Konzerthalle „Bataclan“ richten sie ein Massaker an, Bars und Restaurants werden beschossen, am Stade de France sprengen sich während des Fußball-Länderspiels Frankreich-Deutschland drei Selbstmordattentäter in die Luft.

14. November 2015

Erste Spuren weisen nach Belgien. Bei einer Razzia in Brüssel-Molenbeek werden mehrere Menschen festgenommen.

16. November 2015

Mit einer Schweigeminute wird europaweit der Opfer gedacht. Präsident François Hollande will eine weltweite Koalition gegen den IS ins Leben rufen. Als ein Drahtzieher gerät der belgische Islamist Abdelhamid Abaaoud ins Visier. Gefahndet wird überdies nach Salah Abdeslam, Bruder eines der Attentäter.

17. November 2015

In Hannover wird das Fußball-Länderspiel Deutschland-Niederlande abgesagt. Später stellt sich heraus, dass es konkrete Informationen eines ausländischen Geheimdienstes zu Bombenanschlägen im Stadion und am Hauptbahnhof gab.

18. November 2015

Bei einem Anti-Terror-Einsatz in Saint-Denis bei Paris nimmt die Polizei sieben mutmaßliche Komplizen der Attentäter fest. Drei weitere Verdächtige kommen ums Leben, wie sich später herausstellt - einer ist der gesuchte Abaaoud.

21. November 2015

Belgiens Behörden rufen nach konkreten Hinweisen auf einen geplanten Anschlag für die Hauptstadtregion Brüssel die höchste Terrorwarnstufe aus. Das öffentliche Leben kommt zum Erliegen. Erst nach fünf Tagen wird die maximale Warnstufe wieder aufgehoben.

23. November 2015

Bei einem großangelegten Anti-Terror-Einsatz werden in Brüssel 16 Personen vorläufig festgenommen. In den folgenden Wochen gibt es in Belgien weitere Razzien mit Festnahmen von Verdächtigen.

7. Januar 2016

Am Jahrestag der Anschläge auf „Charlie Hebdo“ schießen Polizisten vor einem Pariser Kommissariat einen Mann nieder. Er war mit einem Messer bewaffnet und trug die Attrappe einer Sprengstoffweste.

24. März 2016

Ermittler nehmen einen 34-jährigen Franzosen fest und finden in einer von ihm angemieteten Wohnung im Pariser Vorort Argenteuil ein großes Waffenarsenal, unter anderem mit fünf Kalaschnikow-Sturmgewehren, einer Maschinenpistole und Sprengstoff. Nach Ansicht der Ermittler gehörte der Festgenommene zu einem Terrornetzwerk, das kurz vor einem schweren Anschlag stand.

14. Juni 2016

Ein Mann ersticht in Magnanville im westlichen Umland von Paris einen Polizisten und verschanzt sich in dessen Haus, wo später auch die Lebensgefährtin des Opfers tot aufgefunden wird. Die Polizei stürmt das Gebäude und erschießt den Täter, der sich zuvor zum IS bekannt hatte. Vor dem Hintergrund der laufenden Fußball-EM hatten zahlreiche Behörden immer wieder vor der hohen Terrorgefahr in Frankreich gewarnt.

14. Juli 2016

Bei einem Anschlag am französischen Nationalfeiertag sind in der Hafenstadt Nizza mindestens 80 Menschen getötet worden. Zahlreiche weitere wurden verletzt, als ein Lastwagen durch eine feiernde Menschenmenge raste.

Frankreich steht schon länger im Visier von Terroristen: Seine Armee kämpft in der Sahelzone gegen radikale Islamisten, die Luftwaffe fliegt im Nordirak an der Seite der USA Angriffe gegen die Terrormiliz Islamischer Staat. Die Regierung in Paris geht davon aus, dass 1850 Personen aus Frankreich in dschihadistische Netzwerke verwickelt sind, 500 sollen sich in Syrien oder im Irak aufhalten.

Im Januar waren bei Anschlägen auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“, auf eine Polizistin sowie einen jüdischen Supermarkt in Paris 17 Menschen getötet worden. Ende Juni sorgte dann ein Anschlag bei Lyon für Schlagzeilen. Ein Mann tötete und enthauptete seinen Chef und wurde anschließend beim Versuch überwältigt, eine Explosion in einem Werk für Industriegase herbeizuführen.

Frankreichs Präsident François Hollande verkündete am Mittwoch bei einem Besuch in Marseille überraschend, Frankreich habe in dieser Woche mehrere Terrorakte verhindert, zunächst aber keine Details genannt. Cazeneuve betonte bei seiner daraufhin kurzfristig angesetzten Erklärung, einen Zusammenhang mit der mutmaßlichen Brandstiftung in einer Chemiefabrik in Südfrankreich gebe es nach den bisherigen Erkenntnissen nicht. Dort hatten am Dienstag nach zwei Explosionen Tanks gebrannt. Die Regierung ordnete daraufhin an, die Sicherheitsvorkehrungen an Industriestandorten, in denen gefährliche Stoffe verarbeitet werden, zu stärken.

Von

dpa

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