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26.02.2014

19:38 Uhr

Frankreich

Arbeitslosigkeit steigt auf Rekordniveau

Frankreich hat eine Arbeitslosenquote von 10,8 Prozent: doppelt so hoch wie die in Deutschland. Präsident Hollande wollte schon 2013 die Trendwende auf dem Arbeitsmarkt schaffen, nun hat er neue Ziele.

Um die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone aus der Krise zu bekommen, will Frankreichs Präsident Hollande Unternehmen, Gewerkschaften und Bevölkerung für einen „Pakt der Verantwortung“ gewinnen. Reuters

Um die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone aus der Krise zu bekommen, will Frankreichs Präsident Hollande Unternehmen, Gewerkschaften und Bevölkerung für einen „Pakt der Verantwortung“ gewinnen.

ParisFrankreich muss erneut einen Anstieg der Arbeitslosigkeit verbuchen. Nach der am Mittwoch veröffentlichten Statistik ist die Zahl der Jobsuchenden im Januar noch einmal um 8900 gestiegen. Nach diesem Plus von 0,3 Prozent sind damit 3,32 Millionen Menschen in Frankreich ohne Job. Diese Rekordzahl gab das Arbeitsministerium in Paris bekannt.

Nach jüngsten Zahlen von Eurostat vom Dezember 2013 lag die Arbeitslosenquote mit 10,8 Prozent in Frankreich mehr als doppelt so hoch im Vergleich zu Deutschland, wo 5,1 Prozent gemessen wurden.

Frankreichs Präsident François Hollande wollte ursprünglich schon 2013 eine Trendwende auf dem Arbeitsmarkt mit sinkenden Zahlen schaffen. Am Mittwoch setzte sein Arbeitsminister Michel Sapin neue Ziele. Es gelte die Arbeitslosigkeit zurückzufahren, sagte Sapin in Paris. „Es muss am Ende des Jahres weniger Arbeitslose geben als am Anfang.“

Woran Frankreich krankt

Wettbewerbsfähigkeit

In Frankreich sticht die ungünstige Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit hervor. Auch deshalb ist der Weltmarktanteil des Exportsektors des Landes deutlich gesunken; die Leistungsbilanz hat sich seit Beginn der Währungsunion kontinuierlich verschlechtert– von einem Überschuss von 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu einem Defizit von zuletzt etwa 2 Prozent. Im Durchschnitt der zurückliegenden drei Jahre hat Frankreich damit das höchste Leistungsbilanzdefizit aller Kernländer aufgewiesen. Im „Global Competitiveness Report 2012-2013“ belegt Frankreich damit nur Rang 21 von insgesamt 144 Ländern. Im Jahr 2010 wurde es mit Rang 15 noch deutlich besser bewertet.

Quelle: Frühjahrsgutachten der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute; Commerzbank

Lohnstückkosten

Die Lohnstückkosten sind seit 1999 um 30 Prozent gestiegen. Die Lage heute: Während eine Arbeitsstunde deutsche Arbeitgeber 30,40 Euro kostet, fallen westlich des Rheins 34,20 Euro an. Typisch für den Niedergang sind die Autobauer. „Hier verdichten sich die Probleme Frankreichs“, sagt Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. Das Land produziere 40 Prozent weniger Kraftfahrzeuge als 2005, Deutschland dagegen 15 Prozent mehr.

Arbeitslosigkeit

Die wirtschaftliche Entwicklung lässt kaum eine deutliche Reduzierung der Arbeitslosigkeit und der öffentlichen Verschuldung erwarten. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf einem hohen Niveau jenseits von 10 Prozent verharren.

Staatsverschuldung

Noch wird die Schuldentragfähigkeit von den Anlegern nicht in Frage gestellt. Die öffentliche Verschuldung Frankreichs hat sich aber seit der Großen Rezession deutlich erhöht. Zwischen 2008 und 2012 stieg die Schuldenstandsquote um rund 25 Prozentpunkte auf über 90 Prozent. Im Jahr 2012 lag die Defizitquote weiterhin deutlich oberhalb von 3 Prozent, und auch für das Jahr 2013 wird eine diesen Wert überschreitende Quote erwartet. Damit steigt die öffentliche Verschuldung weiter.

Private Verschuldung

Die private Verschuldung ist in Frankreich weniger stark gestiegen und liegt auf einem deutlich geringeren Niveau als z. B. in Irland, Spanien und Portugal. Dennoch ist Frankreich das einzige der ausgewählten Länder, in dem die private Verschuldung auch seit 2009 noch merklich zunimmt.

Verlust von Weltmarktanteilen

Große Probleme bestehen im externen Sektor. Der überdurchschnittlich starke Verlust von Weltmarktanteilen ist in Kombination mit trendmäßig steigenden Leistungsbilanzdefiziten besorgniserregend. Dies dürfte nicht allein auf Veränderungen der preislichen Wettbewerbsfähigkeit zurückzuführen sein; diese hatte sich zwischen 2000 und 2008 permanent verschlechtert, verbesserte sich seitdem aber. Insbesondere Frankreichs Exportwirtschaft ist es nicht gelungen, vom ökonomischen Aufschwung der Schwellenländer zu profitieren, sondern sie hängt nach wie vor von den Märkten im Euroraum ab.

Um die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone aus der Krise zu bekommen, will Hollande Unternehmen, Gewerkschaften und Bevölkerung nun unter anderem für einen „Pakt der Verantwortung“ gewinnen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Notar

26.02.2014, 20:45 Uhr

Zitat : Frankreich hat eine Arbeitslosenquote von 10,8 Prozent

- die sind wohl noch etwas zu jungfräulich, um die Statistik wie bei uns zu fälschen ?!

Sobald sie das gelernt haben, haben sie auch nur 6 % Arbeitslosigkeit !

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