Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.01.2007

10:20 Uhr

Frankreich

Boom der Betriebskrippen

VonRuth Berschens

Frankreichs Unternehmen interessieren sich neuerdings für den Nachwuchs ihrer Mitarbeiter. Immer mehr Firmen bieten ihren Beschäftigten an, Kleinkinder während der Arbeitszeit zu betreuen. Der Boom der betrieblichen Kinderbetreuung ist auch ein Erfolg der staatlichen Familienpolitik.

PARIS. In kurzer Zeit sind 30 Betriebskrippen für Kinder im Alter von eins bis drei Jahren in privaten Unternehmen entstanden – und ihre Zahl steigt weiter rapide. „2007 werden rund 50 Krippen dazukommen und danach erwarten wir pro Jahr bis zu 80 Neugründungen“, sagt Jean-Emmanuel Rodocanachi, Geschäftsführer von Les Petits Chaperons Rouges. Das vor sechs Jahren gegründete Unternehmen ist der führende Betreiber von privaten Kinderkrippen in Frankreich.

Der Boom der betrieblichen Kinderbetreuung ist auch ein Erfolg der staatlichen Familienpolitik. Seit 2004 fördert die Regierung betriebliche Kinderkrippen sowohl mit direkten Zuschüssen als auch mit Steuererleichterungen, von denen Arbeitnehmer und Arbeitgeber profitieren. Früher musste ein Unternehmen für eine Betriebskrippe rund 10 000 Euro pro Jahr und Kind ausgeben. Heute schwanken diese Kosten nur noch zwischen 2 000 und 4 000 Euro pro Jahr und Kind je nach Höhe der staatlichen Hilfen. Die Eltern müssen sich ebenfalls an den Kosten des Krippenplatzes beteiligen, können einen Teil davon aber von der Einkommensteuer absetzen. „Die Betriebskrippe füllt eine Lücke im staatlichen Kinderbetreuungssystem, denn für Kleinkinder im Alter bis zu drei Jahren gibt es in den öffentlichen Einrichtungen nicht genügend Plätze“, erläutert Rodocanachi. Dabei betreiben die Unternehmen ihre Betriebskrippe in der Regel nicht selbst, sondern vergeben einen Auftrag an einen privaten Anbieter. Davon gibt es in Frankreich immer mehr, etwa Les Petits Chaperons Rouges, La Ronde des Crèches oder Crèche Attitude.

Die betriebliche Kinderbetreuung beschränkt sich nicht auf bestimmte Branchen der Wirtschaft. Krippen entstehen in allen Branchen und in Unternehmen aller Größen. Dabei sind beispielsweise die Bank Société Générale, der Industriekonzern Schneider Electric, die Handelskette Auchan, der Energieversorger Gaz de France, der Automobilhersteller PSA Peugeot Citroen und das Pharmaunternehmen Sanofi Aventis. Der Pharmakonzern hat bei seinem Forschungszentrum in der südfranzösischen Stadt Montpellier im vergangenen September die erste Krippe eröffnet, zwei weitere sollen dieses Jahr im Großraum Paris und in Lyon folgen. „Unsere Krippe hat von 7.30 bis 19.30 Uhr geöffnet, also länger als die staatlichen Betreuungseinrichtungen. Das brauchen wir wegen unserer langen Arbeitszeiten. Auch deshalb haben wir in die Krippe investiert“, sagt Anne-Marie Menut von Sanofi Aventis Recherche et Developpement in Montpellier.

Längere Öffnungszeiten sind nicht der einzige Vorteil einer Betriebskrippe für das Unternehmen. Sie tragen vor allem dazu bei, das Image des Unternehmens bei den Mitarbeitern zu verbessern - positiv für die Motivation und das Betriebsklima. Außerdem gibt es weniger Fehlzeiten. Im Schnitt bleibt ein französischer Arbeitnehmer zwei Monate lang eineinhalb Tage zu Hause, weil er sein Kind zu Hause versorgen muss. Wenn diese Fehlzeiten wegfallen, spart ein Unternehmen viel Geld. Besonders wichtig kann eine Betriebskrippe für Unternehmen sein, die qualifiziertes Personal suchen. „Im Kampf um die best ausgebildeten Mitarbeiter gewinnt ein Unternehmen mit einer Betriebskrippe deutlich an Attraktivität“, so Rodocanachi.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×