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03.04.2006

13:40 Uhr

Frankreich, Dänemark, Niederlande

Gewalt an Schulen auch im Ausland trauriger Alltag

Nach den Vorfällen in der Berliner Rütli-Schule ist in Deutschland eine hitzige Diskussion ausgebrochen. Dabei ist das Thema kein rein nationales Problem, auch das Ausland kämpft gegen Gewalt an Schulen.

HB PARIS/KOPENHAGEN/DEN HAAG. Trauriger Alltag in Frankreich: Den elfjährigen Paul stürzen seine Klassenkameraden über die Treppenbrüstung, weil er sie verpfiffen hat. Zwei weibliche Teenager quälen eine Mitschülerin einfach so mit Messerstichen. Der Kunstlehrerin Karen Montet-Toutain (27) wird von einem Jugendlichen im Unterricht mehrfach das Messer in Bauch und Arme gerammt, und ein Pariser Englischlehrer wegen einer schlechten Note nahezu erdrosselt.

Immer wieder werfen brutale Gewaltakte in französischen Schulen ein Schlaglicht auf den Alltag oftmals rassistisch oder sexistisch gefärbter Aggression. Immer wieder streiken Lehrer, die mehr Mittel und Personal gegen gewaltbereite Schüler fordern. Und immer wieder macht sich die Politik dafür stark, Polizisten an Problemschulen zu postieren, was viele Lehrer aber ablehnen. Es ändert sich insofern nur wenig. Jugendkrawalle in Vorstädten und Schüleraufruhr gegen Reformen sind dagegen die kollektiven Signale wachsender Unruhe.

„Soziale Aggressionen, Familien ohne Väter und fehlende Jobs führen dazu, dass Jugendliche haltlos werden“, erklärt ein Schuldirektor in einem Pariser Vorort. Die stark betroffenen Problemviertel am Rand der Städte wurden zu „Sonderzonen“ erklärt, so dass mehr Aufsichtspersonal eingestellt werden konnte. Die banale Gewalt blieb. Und die Statistik zeigt nur die Spitze des Eisbergs. In ihnen taucht der morgendliche Spießrutenlauf gar nicht auf, den so mancher Pädagoge ertragen muss. Da helfen Kameraüberwachung, sicherheitstüren und Polizei nicht viel.

Zahlen skizzieren aber schon, was los ist. Mit Messern, Stühlen, Knüppeln oder anderen Waffen griffen Schüler 2005 nicht weniger als 129 Lehrer an. Mehr als 1000 Fälle körperlicher Aggressionen gab es, 600 demolierte Lehrer-Autos. Schwer vorstellbar, wie der tägliche Terror benachteiligter Halbstarker in Einwanderervierteln einzudämmen wäre.

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