Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.03.2013

13:34 Uhr

Frankreich

Demos gegen Arbeitsmarkt-Reform

Tausende Menschen sind in Frankreich auf die Straße gegangen, um gegen die Arbeitsmarkt-Reform zu demonstrieren. Was dem Protest Nachdruck verleiht: Erstmals verbünden sich die Gewerkschaften CGT und FO.

Sie sind mit den Plänen der Regierung nicht einverstanden. AFP

Sie sind mit den Plänen der Regierung nicht einverstanden.

Gegen die geplante Arbeitsmarkt-Reform in Frankreich sind am Dienstag tausende Arbeitnehmer auf die Straße gegangen. Allein in Marseille beteiligten sich bereits am Vormittag zwischen 4000 und 25.000 Menschen an einem Protestzug, wie Polizei beziehungsweise Gewerkschaften mitteilten. Landesweit haben die vier Gewerkschaften CGT, FO, FSU und Solidaires zu Demonstrationen und Streiks aufgerufen. CGT-Chef Bernard Thibault äußerte im Sender France Inter die Erwartung, dass "hunderttausende Menschen" bei insgesamt 174 Demonstrationen und Kundgebungen auf die Straße gehen.

Der Protest richtet sich gegen die Arbeitsmarktreform, die im Januar Arbeitgeber und drei Gewerkschaften CFDT, CFTC und CFE-CGC vereinbart hatten und die nun in Gesetzesform gegossen werden soll. Den Kompromiss lehnten aber bereits damals die beiden wichtigen Gewerkschaften CGT und FO ab. Die Reform sieht unter anderem die Möglichkeit von Kurzarbeit in Krisenzeiten vor, zudem können Arbeitgeber in schweren Zeiten ihre Angestellten schneller entlassen. Zugleich ist aber auch eine Art Strafsteuer für Unternehmen vorgesehen, wenn sie mit Kurzzeitverträgen unbefristete Verträge zu umgehen versuchen.

Neues Gesetz: Straffreiheit für militante Gewerkschafter

Neues Gesetz

Straffreiheit für militante Gewerkschafter

Das Gesetz ist als Wiedergutmachung gedacht.

Das sozialistische Kabinett will sich am Mittwoch in Paris mit der Reform befassen, der Gesetzentwurf dazu soll im April im Parlament beraten werden. Präsident François Hollande hatte die Vereinbarung als „Erfolg des sozialen Dialogs“ gelobt. Traditionell werden derartige Reformprojekte in Frankreich im Konflikt zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften ausgetragen. Der französische Arbeitsmarkt gilt als vergleichsweise rigide und als eines der Hemmnisse für eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit.

Die Gewerkschaften CGT und FO sehen in der Reform eine Aushöhlung von Arbeitnehmerrechten. Erstmals riefen daher nun die beiden Gewerkschaften, die bei vielen Themen unterschiedliche Positionen vertreten, gemeinsam zu Demonstrationen auf. FO-Chef Jean-Claude Mailly kritisierte unter anderem die "erzwungene Mobilität" von Arbeitnehmern. Die Reform werde als Maßnahme zur Sicherung von Arbeitsplätzen präsentiert, sei jedoch "gefährlich". Unterstützt werden die Gewerkschaften bei ihrem Protest von der Linkspartei von Jean-Luc Mélenchon, den Kommunisten und einigen sozialistischen Abgeordneten. In Paris soll die große Demonstration am Nachmittag starten.

Frankreich kämpft mit einer seit 21 Monaten ununterbrochen anwachsenden Arbeitslosigkeit. Derzeit sind laut Arbeitsministerium 3,17 Millionen Menschen arbeitslos, was einer Quote von über zehn Prozent entspricht. Eine Reform des Arbeitsmarkts gilt auch als notwendig, damit die von Hollande angestrebte Trendwende bei den Arbeitslosenzahlen bis Jahresende gelingt.

Von

afp

/ Paris

Kommentare (11)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Gast

05.03.2013, 13:48 Uhr

Warum finden sich in so vielen anderen Ländern grosse Massen zusammen, aber hier, z.B. die Leiharbeiter, niemals?

Account gelöscht!

05.03.2013, 13:56 Uhr

Weil die Deutschen zu obrigkeitshörig sind. Außerdem werden sie von BLÖD-Zeitung &Co systematisch verblödet.

"Zugleich ist aber auch eine Art Strafsteuer für Unternehmen vorgesehen, wenn sie mit Kurzzeitverträgen unbefristete Verträge zu umgehen versuchen."
Allein das wäre hierzulande ein Segen!

Wird nicht lange dauern und die deutschen Medien verteufeln die französischen Reformen als zu lasch. und die arbeitgeberhörigen Medien werden die Franzosen als zu faul und zu dumm darstellen.
Dabei sind es wir, die sich schamlos abzocken lassen.Und die meisten merken es nichtmal.

Account gelöscht!

05.03.2013, 14:00 Uhr

Was das deutsche Volk ein Volk aus Schissern ist! Die Deutschen mit den "Mutigen" Genen sind im 2 Weltkrieg auf der Strecke geblieben!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×