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29.03.2017

10:44 Uhr

Frankreich

Der heikle Balanceakt des Emmanuel Macron

VonThomas Hanke

Emmanuel Macron hat ein Problem: Mit Manuel Valls schlägt sich ein weiterer Linker auf seine Seite. Die Gefahr für Frankreichs Präsidentschaftskandidaten wird größer, wie ein zweiter Hollande zu wirken. Eine Analyse.

Immer mehr Linke stellen sich hinter den Kandidaten – und könnten für ihn zum Problem werden. AFP; Files; Francois Guillot

Emmanuel Macron

Immer mehr Linke stellen sich hinter den Kandidaten – und könnten für ihn zum Problem werden.

ParisHat Emmanuel Macron, der junge Überflieger der französischen Politik, den Sieg bei der Präsidentschaftswahl schon in der Tasche? Die Umfragen scheinen darauf hinzudeuten. Macron und Marine Le Pen liegen in den Befragungen für den ersten Wahlgang am 23. April mit rund 25 Prozent der Stimmen mehr oder weniger gleichauf. In der Stichwahl am 7.Mai würde der 39-Jährige die Chefin der rechtsextremen Front National mit 60:40 klar schlagen – sagen die Umfrageinstitute.

Der Konservative François Fillon ist durch seine Skandale um Scheinbeschäftigung, geschenkte Uhren und Anzüge deutlich zurückgefallen und rangiert mit 18 bis 20 Prozent auf dem dritten Rang. „Das ist zu wenig, um es in dreieinhalb Wochen in die Stichwahl zu schaffen“, zitiert die Tageszeitung „Le Monde“ einen Fillon-Getreuen. Im Zuge der Affären haben viele Politiker Fillon den Rücken zugedreht. Die Mannschaft in seinem Hauptquartier nahe der Pariser Messe ist kleiner geworden.

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Doch die, die jetzt noch da sind, stehen wie ein Block hinter ihm. Sie sind bereit, für ihn durchs Feuer zu gehen und geben die Hoffnung nicht auf: „Noch ist nichts entschieden, Fillon kann es noch schaffen“, sagt Florence Coupry, eine der Kampagnensprecherinnen des Konservativen, stellvertretend für den harten Kern.

Fillons Wahlkampfstil allerdings wirkt derzeit wie die beste Garantie dafür, dass sich das Blatt nicht mehr zu seinen Gunsten wendet: Statt voll auf sein Programm zu setzen, das gute Kritiken erhält, verzettelt er sich mit seltsamen Vorwürfen an die Adresse der Regierung und von Staatspräsident Francois Hollande, der ein „Schwarzes Büro“, eine Art Geheimzelle organisiert habe. Aus deren Fundus stammten die Vorwürfe gegen ihn. Doch der Job-Skandal wurde von einer unabhängigen Wochenzeitung aufgedeckt und die unabhängige Justiz hat Fillon offiziell beschuldigt. Hollande ist bereits politische Vergangenheit, Vorwürfe gegen ihn treiben Fillon keine Wähler zu.

Doch niemand weiß, ob Fillon endgültig abgeschlagen ist. Klar ist, dass nur ein Teil der Konservativen für ihn Wahlkampf macht und viele sich von den Affären abgestoßen fühlen. Doch auch die Demoskopen können nicht voraussagen, ob dieser Effekt bis zum ersten Wahlgang am 23. April anhalten wird. 40 Prozent der Wahlberechtigten sind noch unentschieden. Für Deutschland wäre das ein hoher Wert so knapp vor einer Wahl. In Frankreich dagegen gilt mittlerweile als Faustformel, dass bis zu einem Drittel der Wähler sich erst in der letzten Woche entscheiden.

Wichtige Kandidaten der französischen Präsidentenwahl

Marine Le Pen

Die Rechtspopulistin von der Front National (FN) vertritt radikale Positionen im Hinblick auf Europa und Ausländer. In Umfragen für die erste Wahlrunde im April liegt die 48-Jährige seit Wochen vorne, zuletzt kam sie auf Werte zwischen 26 und 28 Prozent.

François Fillon

Der Spitzenkandidat der bürgerlichen Rechten galt lange als Favorit der Wahl. Doch wegen der Affäre um den Parlamentsjob seiner Frau verlor der 62-Jährige Sympathiepunkte. Nach aktuellen Umfragen liegt er bei etwa 20 Prozent - und muss damit um den Einzug in die entscheidende Stichwahl zittern. Die französische Justiz prüft Vorwürfe, wonach Fillons Frau nur zum Schein als seine parlamentarische Mitarbeiterin angestellt war. Fillon wies die Vorwürfe mehrfach zurück.

Emmanuel Macron

Der Politjungstar positioniert sich weder links noch rechts. Über Wochen war der unabhängige Bewerber, früher Wirtschaftsminister unter Präsident François Hollande, im Aufwind. Doch umstrittene Äußerungen über Frankreichs Kolonialvergangenheit brachten den 39-Jährigen zuletzt in Bedrängnis. In Umfragen liefert er sich derzeit ein enges Rennen mit Fillon um den Einzug in die Stichwahl. Konservative werfen Macron vor, das Programm für den glücklosen Sozialisten Hollande gemacht zu haben. Hollande tritt nicht mehr an.

Benoît Hamon

Der 49 Jahre alte Ex-Bildungsminister setzte sich in einer Vorwahl als Spitzenkandidaten der angeschlagenen Sozialisten durch. Er will mit der Hollande-Ära brechen und einen neuen Kurs einschlagen, bei dem grüne Themen eine wichtige Rolle spielen. Er gilt zurzeit als „vierter Mann“ bei der Wahl.

Jean-Luc Mélenchon

Mit 65 Jahren ist der Linkenführer der älteste unter den wichtigen Kandidaten. Der von der kommunistischen Partei (PCF) unterstützte Anwärter könnte laut Umfragen bei der ersten Runde etwas mehr zehn Prozent der Stimmen erhalten. Mélenchon gilt als brillanter Redner und ist ein harter Kritiker der deutschen Sparpolitik.

Macron selbst scheint klar zu sein, dass die Wahl noch lange nicht gelaufen ist. Zwei Vorwürfe machen ihm derzeit zu schaffen: „Macron ist ein zweiter Hollande, der Kandidat der Stagnation“, greift Fillon ihn an. Seine Anhänger zählen auf, dass bereits fünf Minister und Staatssekretäre und mehrere Dutzend Parlamentarier der Sozialisten zu ihm gestoßen seien. Am Mittwoch kam der frühere Ministerpräsident Manuel Valls hinzu. Er werde alles tun, um zu verhindern, dass Marine Le Pen an die Macht komme.

Doch je mehr Linke sich Macron anschließen, desto größer wird die Gefahr, dass der frühere Wirtschaftsminister wie die Verlängerung von Hollandes Präsidentschaft wirkt. Macrons politisch besonders attraktiver Anspruch, den lähmenden Links-Rechts-Gegensatz zu überwinden, ginge da verloren. Ein zweiter Vorwurf kommt hinzu.

Kommentare (13)

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Herr Marc Hofmann

29.03.2017, 11:09 Uhr

Nochmal....Le Pen spricht das Volk an und nicht die Unternehmerwelt...die Wahlen werden im Volk und mit dem Volk gewonnen.
Und wer den Franzosen eine "Agenda 2010" aufzwingen will, der hat schon verloren. Die Franzosen sind da nicht so dumm und arbeitsbesessen wie die Deutschen.
Die Franzosen schaffen eher den EURO und die EU als ihren zentralen Beamten- und Sozialstaat.

Herr Holger Narrog

29.03.2017, 11:31 Uhr

Macron hat Fr. Merkels Einwanderungspolitik öffentlich gelobt und wird deshalb von den angeschlossenen Deutschen Qualitätsmedien bejubelt und präferiert.

Thematisch steht er sicherlich für ein linkes, sozialistisches weiter - so in der Nachfolge von Hollande. Die aktuelle französische Politik eines sozialistischen durchwurschelns ist angesichts der enormen Herausforderungen durch die regelmässigen Aufstände der arabisch/afrikanischen Einwanderer in den Vororten, einer stagnierenden Wirtschaft unter der Last sozialistischer Politik nicht im Sinne Frankreichs und dessen Bevölkerung.

Herr Marc Hofmann

29.03.2017, 11:41 Uhr

@Holger Narrog
Wie man es dreht und wendet...in den europäischen Hauptstädten (Nationen) spitzt sich die Lage/die Stimmung im Volk immer mehr zu.
Egal wer in Frankreich oder Deutschland zum Schluss die Regierung führt....

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