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06.02.2012

16:52 Uhr

Frankreich/Deutschland

Warum Sarkozy mit den Nachbarn flirtet

VonThomas Hanke

Nicolas Sarkozy hat Deutschland zum ökonomischen Vorbild für Frankreich erklärt. Damit will der französische Staatspräsident aber nicht nur eigenen Reformen zum Durchbruch verhelfen. Er verfolgt noch andere Zwecke.

Bundeskanzlerin Angela Merkel geht Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy voran. AFP

Bundeskanzlerin Angela Merkel geht Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy voran.

Deutschland und Frankreich, das ist eine große Erfolgsgeschichte. So oder so ähnlich lautet die Botschaft, die von diesem deutsch-französischen Ministerrat in Paris ausgehen soll. Wie wichtig Deutschland für Frankreich, speziell für Staatsminister Nicolas Sarkozy geworden ist, wird schon daran deutlich, dass es bei dem Treffen mit Merkel und den Ministern beider Länder vor allem um Wahlkampf ging - und zwar um Wahlkampfhilfe der Deutschen für Sarkozy.

Dabei soll Deutschland dem zu Hause unter Druck stehenden Staatspräsidenten vor allem als ökonomisches Vorbild diesen soll, was Sarkozy erneut bekräftigte. Sarkozy sagte, Aufgabe eines französischen Präsidenten sei, sich weltweit an den Ländern zu orientieren, die gut funktionieren, und nicht an jenen, die nicht funktionieren. „Wir sind nicht neidisch. Wir wollen Deutschland nacheifern“, betonte Sarkozy. Merkel sei auch immer bemüht gewesen, rote Linien Frankreichs anzuerkennen. Sarkozy bekannte: „Ich hege Bewunderung für Frau Merkel.“ Die Kanzlerin leite und lenke Deutschland gut.

Wobei Frankreichs Staatspräsident Deutschlands echte oder vermeintliche Vorzüge mehr zu schätzen scheint als die meisten Bundesbürger: Von der Finanzierung des Sozialstaats über die Stärke des Mittelstands bis zur Berufsausbildung stellt er seinen Landsleuten die Bundesrepublik als Vorbild hin. Allerdings ist die seit Wochen unablässige bekundete Bewunderung weniger selbstlos, als es den Anschein hat.

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Sarkozy verfolgt zwei Ziele damit: Zum einen will er als Reformer erscheinen, der nicht etwa kalte neoliberale Pläne verfolgt, sondern das eigene Land stärker dem „rheinischen Kapitalismus“ anpassen will, was sowohl soziale Gerechtigkeit wie wirtschaftliche Effizienz verheiße. Statt umständlich zu argumentieren, muss er nur mit dem Finger über die Grenze verweisen – er versucht, sich Glaubwürdigkeit zu leihen, weil sein Kredit bei den Franzosen nicht mehr sonderlich hoch ist.

Zugleich will er sich aber auch als der privilegierte Gesprächspartner von Angela Merkel in Szene setzten. Das soll den Herausforderer Francois Hollande in eine niedere Liga verweisen, in er sich Bewerber ohne staatsmännisches Format tummeln, denen der wichtige Partner Deutschland die kalte Schulter zeigt.

Kommentare (20)

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Account gelöscht!

06.02.2012, 17:03 Uhr

Wie schön das alles klingt, während es im Hintergrund lichterloh brennt und man den Menschen weiter diese Showeinlagen verkauft. Respekt, da kann so mancher Diktator noch etwas lernen.

Ries_Machiavelli

06.02.2012, 17:19 Uhr

Ich frage mich, wo Machiavelli und Adam Ries bleiben. Mit den angeblichen Standortvorteilen und so einem Schwachsinn. Ist der Textbaustein abhanden gekommen. Wie bedauerlich!

Account gelöscht!

06.02.2012, 17:22 Uhr

@karstenberwanger

Nero hat auch gefeiert als Rom brannte und heute haben wir gar eine Software mit diesem Ereignis um zu brennen. Rom gibt es uebrigens immer noch :-)

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