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28.09.2016

16:18 Uhr

Frankreich

Früherer Sarkozy-Berater enthüllt Beleidigungen

Nicolas Sarkozy will zurück in den Elysee-Palast. Ob er als Kandidat der Konservativen antreten kann, entscheidet sich im November. Nun veröffentlicht ein ehemaliger Berater ein Buch über den Ex-Präsidenten.

Zurück in den Elysee-Palast? Der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy und seine Frau Carla Bruni-Sarkozy 2011 beim G8 Gipfel in Deauville. dpa

Nicolas Sarkozy und Carla Bruni-Sarkozy

Zurück in den Elysee-Palast? Der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy und seine Frau Carla Bruni-Sarkozy 2011 beim G8 Gipfel in Deauville.

ParisUnangenehm für Nicolas Sarkozy: Mitten im Vorwahlkampf um die Präsidentschaftskandidaturen in Frankreich veröffentlicht sein früherer Berater Patrick Buisson am Donnerstag ein Buch über den ehemaligen Staatschef. Die Zeitschrift „L'Express“ druckte am Mittwoch Passagen aus dem Werk, in denen sich Sarkozy wenig schmeichelhaft über Politiker aus dem eigenen konservativen Lager äußert.

Den früheren Präsidenten Jacques Chirac nannte Sarkozy demnach „den abscheulichsten Präsidenten der fünften Republik“ und einen „korrupten Typen“, den ehemaligen Premierminister François Fillon titulierte er als „erbärmlich“ und seinen früheren Vertrauten Christian Estrosi als "Blödmann".

Frankreich

Bruttoinlandsprodukt

Nach Daten des IMF betrug das französische BIP im vergangenen Jahr rund 2,42 Billionen US-Dollar. Im europäischen Vergleich steht das Land damit an dritter Stelle hinter Spitzenreiter Deutschland und Großbritannien. Was zunächst positiv klingt, erscheint mit Blick in die frühe Vergangenheit gar nicht mehr allzu rosig. Nur ein Jahr zuvor hatte das Bruttoinlandsprodukt noch fast 400 Milliarden US-Dollar mehr auf dem Konto – und stand damit auch vor dem Vereinigten Königreich. Vom Allzeithoch aus dem Jahr 2008 (2,94 Billionen US-Dollar) ist Frankreich ein gutes Stück entfernt.

Einwohnerzahl

Im „französischen Mutterland“ lebten zu Beginn des zurückliegenden Jahres 64.204.247 Menschen. Nimmt man die Überseedépartements Guadeloupe, Martinique, Französisch-Guayana, Réunion und Mayotte hinzu, kommt die französische Republik auf über 66,3 Millionen Einwohner. Einer Prognose von Eurostat zufolge wird das zweitbevölkerungsreichste Land Europas bis 2050 sehr nah an die künftigen Zahlen aus Deutschland herankommen – knapp über 74 Millionen Menschen sollen beide Staaten dann jeweils beherbergen.

Bevölkerungsdichte

Mit rund 550 km² ist Frankreich auch ohne die dazugehörigen Überseeinseln und -gebiete bereits das flächenmäßig größte Land in Europa. Dementsprechend viel Platz steht den zahlreichen Franzosen zur Verfügung, was sich auf die Bevölkerungsdichte auswirkt. Mit 117 Einwohnern pro Quadratkilometer befindet sich die Republik so nah am EU-weiten Durchschnitt (116,3) wie kein anderes europäisches Land.

Staatsoberhaupt

Mit der Annahme einer neuen Verfassung im Oktober 1958 wurde in Frankreich die sogenannte „Fünfte Republik“ eingeführt. Beginnend mit Charles de Gaulle standen seither sieben Präsidenten an der Spitze des Staates. Seit Mitte 2012 hat François Hollande das höchste Amt inne, der nach der erfolgreichen Wahl den bis dahin amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy vorzeitig ablöste.

Nationalhymne

Die „Marseillaise“ ist seit 1795 die offizielle französische Nationalhymne. Drei Jahre zuvor wurde sie von Claude Joseph Rouget de Lisle verfasst – allerdings als Kriegserklärung an Österreich. Unter dem Titel „Chant de guerre pour l’armée du Rhin“ („Kriegslied für die Rheinarmee“) war sie dem Oberbefehlshaber und Gouverneur von Straßburg, Nikolaus von Luckner, gewidmet und ertönt bis heute in dessen Geburtsort, Cham in der Oberpflaz, täglich als Glockenspiel auf dem Marktplatz. Das Lied wurde beim Einzug in Paris von Soldaten aus Marseille gesungen, wodurch der bekannte Titel zustande kam.

Das Problem mit den Rechten

Der Name der rechtsradikalen Partei Front National tauchte in der jüngsten Vergangenheit häufig in den Medien auf. Dabei konnte die Partei rund um deren Vorsitzende Marine Le Pen bereits in den 1980er Jahren erste Erfolge verbuchen – und das aus denselben Gründen wie heute. Der wirtschaftliche Pessimismus innerhalb des Landes brachte dem FN zweimal in Folge mindestens einen Sitz in der Nationalversammlung. Aus der Europawahl 2014 ging der FN mit 24,86% der Stimmen als Sieger unter den französischen Parteien hervor. Bei der Präsidentenwahl im nächsten Jahr werden Le Pen gute Ergebnisse prognostiziert – wenngleich es nicht ganz für das Amt reichen solle.

Französische Revolution

„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ ist nicht nur der Wahlspruch der Republik Haiti sowie der heutigen Französischen Republik, sondern auch das Motto der Französischen Revolution, die ab 1789 grundlegende Werte und Ideen der Aufklärung propagierte und umsetzte. Sie hatte signifikante gesellschaftspolitische Veränderungen auf dem ganzen Kontinent zur Folge. Die heutige französische Verfassung verweist auf die zu jener Zeit entstandene „Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte“ und enthält sonst keinen eigenen Grundrechtekatalog.

Auch aus einer Unterhaltung Sarkozys mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zitiert Buisson. Sarkozy soll scherzhaft zu ihr gesagt haben: „Ich bin der Kopf, Sie sind die Beine.“ Die Kanzlerin antwortete demnach unter Anspielung auf die deutsche Finanzkraft in Europa: „Nein, ich bin die Bank.“ Sarkozy hatte seinen langjährigen Berater Buisson 2014 entlassen, weil er heimlich Tonaufnahmen von ihm gemacht hatte.

Das Buch kommt für Sarkozy zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Im November entscheidet sich, ob er 2017 als Präsidentschaftskandidat der Konservativen antreten kann. Nach Umfragen liegt er in der Wählergunst hinter dem früheren Premierminister Alain Juppé.

Von

afp

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