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01.08.2013

07:25 Uhr

Frankreich

Fußballclubs laufen Sturm gegen Millionärssteuer

VonThomas Hanke

Frankreichs Finanzminister wackelt bei der umstrittenen Millionärssteuer. Denn die Fußballvereine im Land – viele schon jetzt überschuldet – begehrten auf. Mit ihnen will Pierre Moscovici nun über eine Ausnahme reden.

Die Pläne sehen bislang vor, dass nicht Millionenstürmer Edinson Cavani (l.) die Steuer zahlen müsste, sondern sein neuer Verein: Paris St Germain. Reuters

Die Pläne sehen bislang vor, dass nicht Millionenstürmer Edinson Cavani (l.) die Steuer zahlen müsste, sondern sein neuer Verein: Paris St Germain.

ParisFrankreichs Sozialisten werden nicht glücklich mit ihrer Millionärssteuer. Nachdem der Verfassungsrat das Projekt einer Steuer von 75 Prozent vor ein paar Monaten gestoppt hatte, begehren jetzt die Fußballvereine auf. Die Steuer wurde neu gefasst, statt der Empfänger hoher Einkommen über eine Million Euro sollen nun die Unternehmen sie zahlen. Die Abgabe ist aber immer noch nicht in Kraft getreten. „Ich gebe Sturmwarnung!“ tönte vor wenigen Tagen Frédéric Thiriez, Chef der französischen Fußballliga. „Nur die Fußballvereine werden diese Steuer zahlen, sie ist ungerecht und unsinnig“ beschwerte sich Thiriez.

Er begründete das damit, dass große Unternehmen, die Gehälter über eine Million Euro zahlen, Mittel und Wege finden würden, um sich an der Steuer vorbei zu mogeln. Musik- und Filmstars würden sie ebenfalls nicht abführen: „Die wohnen doch alle in der Schweiz.“ Auf die Fußballvereine komme dagegen eine Zahllast von 80 Millionen Euro zu. Da die Vereine eine erkleckliche Zahl von Stars beschäftigen, die Einkommensmillionäre sind, würde sich in der Tat ihre finanzielle Belastung erheblich steigern.
Die Brandrede des Ligachefs verfehlte nicht ihre Wirkung auf Finanzminister Pierre Moscovici. In einem Interview mit der Sportzeitung l’Equipe reagierte er – und begann deutlich zu wackeln: „Wir müssen mit den Vereinen in einen Dialog treten, um eine Lösung zu finden“, gestand er ein. Er habe großes Verständnis für die finanziellen Sorgen der Fußballclubs. „Mein Ministerium hat allerdings eine andere Zahl errechnet, nämlich 45 Millionen Euro.“

Eine große Zahl von Vereinen kratzt an der Überschuldung. Andere wie der Pariser Club Paris Saint-Germain (PSG) oder Monaco werden von den zahlkräftigen Kataris oder russischen Oligarchen unterstützt. Doch hat PSG seit längerem große Probleme mit der Uefa, die Katars Zahlungen als unverhältnismäßig und wettbewerbsverzerrend ansieht: PSG verstoße gegen die Auflagen des „finanziellen fair play“. Selbst wenn die Zahl Moscovicis von „nur“ 45 Millionen Euro exakt sein sollte, ist ein Rätsel, wo die Vereine dieses Geld hernehmen sollen. Und die Regierung, die ohnehin unter mangelnder Zustimmung der Bürger leidet, hat wenig Interesse daran, sich jetzt auch noch mit den Fußballfans anzulegen.

Politisch am Ende wäre die Steuer aber möglicherweise, wenn Moscovici den Fußballvereinen eine Sonderregelung offerierte. Das wäre mit den Regeln des Steuerrechts nicht zu begründen. Denn warum soll eine bestimmte Klasse von Unternehmen, nämlich Fußballclubs, die Steuer nicht oder nur eingeschränkt zahlen, während andere, die „nur“ gewöhnliche Arbeitnehmer in Lohn und Brot halten, sie leisten müssen? Selbst wenn die Regierung es versuchte: Mit ziemlicher Sicherheit würde der Verfassungsrat die Steuer dann wieder kippen. Moscovici und mit ihm Staatspräsident Hollande wären blamiert. Derzeit ist nicht absehbar, wie die Regierung aus dem Schlamassel herauskommen will, den sie mit der 75-Prozent-Steuer angerichtet hat.

Kommentare (14)

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Rene

01.08.2013, 07:58 Uhr

So. Merken die Kommunisten nun, was Ideologie bewirkt. Hoffentlich lassen sie die dt. Linken läutern. Ich wünsche den Ideologen, dass die guten Fussballspieler das Land verlassen und die Steuer, selbst wenn sie käme, keinen Euro mehr bringt, weil alle betroffenen Millionäre ins Ausland gehen oder sie vom Steuerrecht einen "Sonderregelung" erfahren haben.

Rene

01.08.2013, 07:59 Uhr

Ach ja, insgeheim wünsche ich, dass ein paar Millionäre vielleicht den Weg nach Deutschland finden, damit wir mehr Steuereinnahmen haben, vorausgesetzt nach der Bundestagswahl wären keine wie auch immer gearteten Linken in der Regierung...

Frank3

01.08.2013, 08:33 Uhr

Russland = 13 % Steuer

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