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23.04.2013

09:38 Uhr

Frankreich

Gegner der Homo-Ehe geben sich nicht geschlagen

Heute verabschiedet die französische Nationalversammlung das Gesetz über die Homo-Ehe. Doch die Gegner geben nicht auf. Sie kündigen weitere Demos an. Ein weiteres Gesetzesvorhaben bringt sie jetzt schon in Aufruhr.

Frauen protestieren in Paris gegen die Legalisierung der Homo-Ehe. dpa

Frauen protestieren in Paris gegen die Legalisierung der Homo-Ehe.

ParisAuch wenn die Homo-Ehe in Frankreich beschlossene Sache ist – heute Nachmittag beschließt die Nationalversammlung das Gesetz – wollen die Gegner der Reform nicht klein beigeben. Die konservative Opposition wird Beschwerde vor dem Verfassungsrat einlegen, neue Demonstrationen sind für den 5. und 26. Mai geplant und der nächste Aufruhr steht an. Falls die Sozialisten wie angekündigt ihr Vorhaben der künstlichen Befruchtung für Homosexuelle in Gesetzesform gießen. Dass der Widerstand gegen die Homo-Ehe in Frankreich so heftig ist wie in keinem anderen EU-Land, hat historische und politische Gründe.

Der Soziologe Michel Wievorka hebt hervor, dass sich die Opposition vor allem rund um das Adoptionsrecht für Homosexuelle formiert habe, das in dem Gesetz zur Homo-Ehe ebenfalls festgeschrieben ist. Fragen zu „Leben, Tod, künstlicher Befruchtung, Abstammung“ seien Besorgnisse „im katholischen Milieu, aber nicht nur“. Der Soziologe und Zentrums-Europaabgeordnete Robert Rochefort sagt, dass es um „Ängste“ einer verunsicherten Gesellschaft gehe, die teils bei Fragen der „Identität“ empfindlich reagiere.

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Zehn Stunden lang debattierten die französischen Politiker, dann stimmten sie ab.

Das Lager der Gegner besteht in erster Linie aus der konservativen Oppositionspartei UMP, deren Galionsfigur Nicolas Sarkozy im vergangenen Mai die Präsidentschaftswahlen gegen den Sozialisten François Hollande verlor, sowie der katholischen Kirche und Familienverbänden. Bei Demos dieses breiten Bündnisses marschieren allerdings auch Rechtsextreme, radikal-fundamentalistische Katholiken oder sogar Monarchisten mit.

Die geschwächte UMP, die sich Ende vergangenen Jahres in einem Machtkampf um die Parteiführung fast selbst zerfleischte, fand beim Thema Homo-Ehe wieder zu Geschlossenheit zurück. „Eine große Demonstration, zu der hunderttausende Menschen kommen werden, um 'Nein' zur Politik der Regierung zu sagen“, prognostizierte UMP-Chef Jean-François Copé nun für den 26. Mai. Ex-Verteidigungsminister Hervé Morin von der Zentrumspartei UDI sagte gar voraus, dass Millionen gegen die Sozialisten auf die Straße gehen würden, wenn die Opposition dazu aufriefe.

Die Homo-Ehe sei die „erste Möglichkeit für die Rechte“, um gegen Hollande und seine linke Regierung zu demonstrieren, unterstreicht der Politikwissenschaftler Jean-Yves Camus. Der UMP habe sich „eine dreifache Chance“ geboten: „Sie ist in der Opposition und muss sich neu aufstellen. Die schlechte wirtschaftliche und soziale Lage macht es möglich, den Protest auszuweiten. Und die Popularität des Staatschefs ist sehr weit unten.“ Tatsächlich rutschte die Zustimmung der Franzosen zu ihrem Präsidenten zuletzt auf 25 Prozent ab.

All dies reicht aber noch nicht aus, um die Eskalation in der politischen Stimmung Frankreichs zu erklären. Zuletzt hatte es in der Nationalversammlung bei der Debatte über die Homo-Ehe fast eine Schlägerei gegeben. In 30 Jahren habe er „so etwas noch nie gesehen“, sagte Minister Alain Vidalies danach. Andere Sozialisten erhielten Briefe mit Morddrohungen und Schießpulver.

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Politologe Camus erinnert daran, dass Frankreich ein geschichtliches „Erbe“ immer noch nicht ganz bewältigt habe, mehr als zwei Jahrhunderte nach der französischen Revolution und der Errichtung der Republik: Die strikte Trennung zwischen Staat und Kirche sei gewaltsam erfolgt und „zwei Frankreichs“ würden sich weiter misstrauen. Der katholische Fundamentalismus sei zwar eine Minderheit, aber stark verwurzelt.

Die Sozialisten sind inzwischen offen besorgt. Ihr Chef im Senat, der Hollande-Vertraute François Rebsamen, warnte UMP-Chef Copé vor einem „Spiel mit dem Feuer“. Die Demos gegen die Homo-Ehe würden instrumentalisiert, sagte er und fügte hinzu: „Die UMP akzeptiert ihre Wahlniederlage vom vergangenen Mai nicht und alles ist ihr recht, um Hysterie in die Gesellschaft zu tragen.“

Von

afp

Kommentare (27)

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undertaker

23.04.2013, 11:17 Uhr

Die Homo-Ehe kann nur funktionieren, wenn der Staat für die Eheschließungen eine Frauenquote einführt, sonst kommen die Frauen über kurz oder lang zu schlecht weg ;-)

diskussionspartner

23.04.2013, 12:16 Uhr

Durch die Toleranz von Homosexualität, Transsexualität & dem Gender-Wahn wird die Gesellschaft weiter zerstört. Hierbei geht es auch gar nicht um die sexuelle Auslegung an sich, sondern mehr darum die Familie im eigentlichen Sinn zu verdrängen. Ein Homosexuelles Paar darf dann Kinder adoptieren und diese großziehen. Das dies dann Probleme aufwirft sollte jedem halbwegs intelligenten Menschen klar sein. Die Natur hat bei der Spezies Homo Sapiens ganz klar eine Rolle für den Vater und die Mutter vergeben. Schon bei Alleinerziehenden, Patchwork Familien, bei Stiefvätern/müttern gibt es ganz klare Ungleichheiten der Rollen unter denen dann meistens die Kinder leiden müssen.
Nach wie vor ist der Schutz der Familie wichtiger als Adoptions-Bedürfnisse einer Randgruppe mit einer anderen sexuellen Auslegung. Am Ende stammt auch hier das Kind/die befruchtete Eizelle von einer Frau - die Ideologio dahinter kann ich nicht verstehen. Wenn ich als Mann einen anderen Mann liebe und meine Sexualität mit ihm auslebe dann muss ich auch mit der logischen Konsequenz leben eben keine Kinder bekommen zu können.

Account gelöscht!

23.04.2013, 12:25 Uhr

Zunächst: die Natur hat keinen "Plan", dem entsprechend vergibt sie auch keine irgendwie gearteten "Rollen". Und was genau wird ihnen den weg genommen, wen Homosexuelle heiraten? Und bereits jetzt gibt es Adoptionen von Kindern durch Homosexuelle. Geht es ihnen dadurch schlechter?

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