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27.06.2012

10:26 Uhr

Frankreich geht auf Deutschland zu

„Im Anfang war die Tat“

VonThomas Hanke

Francois Hollande und Angela Merkel gehen mit unterschiedlichen Interessen in den EU-Gipfel. Dass Paris aber dennoch auf Zusammenarbeit mit Berlin setzt, demonstriert Premier Ayrault mit einer sehr ungewöhnlichen Geste.

Frankreichs Premier Jean-Marc Ayrault erschien überraschenderweise zum Abschiedsempfang des deutschen Botschafters in Paris. dpa

Frankreichs Premier Jean-Marc Ayrault erschien überraschenderweise zum Abschiedsempfang des deutschen Botschafters in Paris.

ParisKritik und öffentlich ausgetragener Dissens waren gestern, jetzt stehen die Zeichen auf Freundschaft: Frankreichs Regierung ist seit einigen Tagen sichtlich um Entspannung im deutsch-französischen Verhältnis bemüht. Vorläufiger Höhepunkt: Gestern Abend erschien Premier Jean-Marc Ayrault zum Abschiedsempfang des deutschen Botschafters Reinhard Schäfers in Paris, eine völlig unübliche Geste.

Ayrault, der noch vor einer Woche mit Kritik an Merkel zitiert wurde, sagte, das sei ihm ein persönliches und politisches Anliegen gewesen. Der frühere Fraktionsvorsitzende der Sozialisten hat stets enge Beziehungen zu Schäfers gepflegt. Der Diplomat verlässt nach knapp vier Jahren die französische Hauptstadt.

Heute, da die Staatschefs schnell zum Telefon greifen, wenn es etwas zu klären gibt und sich ohnehin mindestens alle 14 Tage sehen, hat sich die Rolle von Botschaftern in der EU grundlegend geändert. Wenn sie ihre Arbeit gut machen, informieren sie ihre Regierung früh über politische Veränderungen, die in den offiziellen Gesprächen nicht zum Thema werden.

Und sie öffnen in schwierigen Phasen, wie während des französischen Präsidentschaftswahlkampfes und des absehbaren Machtantritts der Sozialisten Gesprächskanäle, die den Kanzleien und Außenministerien verbaut sind. Schäfers ist jemand, der genau das geschafft hat.

Ayrault verzichtete in seiner Rede auf deutsch-französische Lobhudeleien. Stattdessen wies er eindringlich auf die Notwendigkeit hin, besser bei der Euro-Rettung zusammenzuarbeiten und die Kooperation gleichzeitig für andere Partner zu öffnen. Er warb dafür, nicht vor Schwierigkeiten zu kapitulieren - und endete auf Deutsch mit einem Goethe-Zitat aus Faust: „Auf einmal seh ich Rat, Und schreibe getrost: Im Anfang war die Tat!“

Im Gespräch mit einigen Journalisten ließ Ayrault durchblicken, dass sich beide Länder der Tatsache bewusst seien, dass Europa an einem Kreuzungspunkt stehe. Er wisse auch, dass sich die öffentliche Meinung in Deutschland verändere, skeptischer werde. Doch arbeiteten die beiden Regierungen an einer gemeinsamen Lösung. Wird die bis zum Gipfel fertig? Ayrault ließ die Frage unbeantwortet.

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Kommentare (31)

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SabineM

27.06.2012, 10:43 Uhr

Das ist in der Tat ein sehr schlechts Zeichen! Wetten, dass hier bereits eine Vereinbarung hinter verschlossenen Türen getroffen wurde, die v.a. die Interessen der Franzosen wahrt und nur noch auf dem Gipfel offiziell verkündet werden wird?! (...)
+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

Pro-d

27.06.2012, 10:53 Uhr

oje, Paranoia?

Was hat das mit Vertrauen zu tun, wenn man den Franzosen gestattet, dass sie brav unsere Befehle ausführen. Der Rest ist Gesichtswahrung. (...)

+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

Ben-Wa

27.06.2012, 11:00 Uhr

Die öffentliche Meinung in Deutschland ändert sich trotz der Breitsalven der Propagandasuperkanonen auf das Volk, die es weiterhin täuschen, verdummen und verkaufen wollen.

Immer mehr begreifen, daß diese Euro-"Retterei" - hatten wir jemals eine Währung, die forlaufend "gerettet" werden musste?? - zum deutschen Staatsbankrott führt.

Die von Schäuble ausgerechneten 310 Milliarden sind absolut irreführend. Es sind schon mehr als 1,5 BILLIONEN, wenn man die Grundsätze ordnungsgemäßer Buchhaltung nimmt, die jeder kleine Geschäftsführer anwenden muß. Deutschland steht vor dem Bankrott, wenn nur der erste Fall der Garantien und Bürgschaften eintritt. Schäuble will die Deutschen dann zwingen, für den EU-Supersozialismusstaat zu votieren - weil die Alternative der dann deutlich sichtbare Staatsbankrott wäre. So der Plan.

Wer fragt sich aber, ob dieses skizzierte neue Europa zukunftsfähig ist? Und was das für die hier Lebenden bedeutet? Die Euromantiker werden sich wundern. Und vor allem diejenigen, die immer noch ideologiebesoffen für den Euro und diese EU trommeln.

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