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03.05.2013

15:16 Uhr

Frankreich

Hollande nennt Merkel-Kritik „Ungeschicktheit“

Die Kritik von Hollandes Parteifreunden an Bundeskanzlerin Merkel nannte Frankreichs Präsident als „Ungeschicktheit“. Er versicherte Merkel, dass er fest an die deutsch-französische Freundschaft glaube.

Angela Merkel und Frankreichs Präsident Francois Hollande. ap

Angela Merkel und Frankreichs Präsident Francois Hollande.

ParisFrankreichs Präsident François Hollande hat die Kritik von Parteifreunden an der Bundeskanzlerin Angela Merkel als „Ungeschicktheit“ bezeichnet. Er habe Merkel versichert, dass er fest an die deutsch-französische Freundschaft glaube, sagte der Sozialist in einem Interview des „Wall Street Journal“ (Freitag) zum ersten Jahrestag seines Wahlsiegs am 6. Mai. In seiner Partei könne er allerdings nicht mehr tun, als die Verantwortlichen für ihr Verhalten zu rügen.

Indirekt stützte Hollande die Egoismus-Kritik an Merkel allerdings. Die Kanzlerin habe Wahlen vor sich und könne deswegen nicht den Eindruck erwecken, sie kümmere sich mehr um die Sorgen Europas als um die der Deutschen.

SPD und Grüne: Paris-Attacken auf Merkel „legitim und berechtigt“

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Die ungewöhnlich scharfen Attacken von Frankreichs Sozialisten lassen die Kanzlerin kalt. Die Unions-Bundestagsfraktion reagierte dafür umso schärfer, SPD und Grünen stützen dagegen ihre „französischen Freunde“.

In einem Entwurf für ein Strategiepapier hatten führende Sozialisten zum Kampf gegen „die egoistische Unnachgiebigkeit von Bundeskanzlerin Merkel“ aufgerufen. Diese habe ausschließlich das Interesse der deutschen Sparer, den deutschen Handelsbilanzüberschuss und ihre eigenen Wahlaussichten im Sinn, schrieben die Autoren. Die Kritik hatte in Deutschland für Empörung gesorgt, aber keine so großen Wellen geschlagen wie in Frankreich selbst. Die Angriffe seien unangemessen, hieß es aus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Hollande räumte in dem Interview zudem ein, Merkel habe in gemeinsamen Gesprächen ihre Sorge über die Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs zum Ausdruck gebracht. „Ich sage ihr, dass ich in einem Jahr nicht das erreichen kann, was meine Vorgänger in zehn Jahren nicht gemacht haben“, kommentierte der Franzose. Merkel sei eine Gesprächspartnerin, die kein Blatt vor den Mund nehme. Grundsätzlich sei er überzeugt, dass es immer möglich sei, mit Deutschland einen Kompromiss zu erzielen.

Vergleich: Deutschland vs. Frankreich

Wachstum

Frankreich: Die Wirtschaft wächst viel langsamer. Die EU-Kommission traut der zweitgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone in diesem Jahr lediglich ein Plus von 0,2 Prozent zu, das 2013 mit 0,4 Prozent nur einen Tick größer ausfallen soll. Grund dafür ist der maue Konsum: Er dürfte sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr angesichts der hohen Arbeitslosigkeit stagnieren.
Deutschland: Jeweils 0,8 Prozent Wachstum sagt die EU-Kommission für 2012 und 2013 voraus. Garant dafür ist der private Konsum. Er wird nach der Prognose in beiden Jahren um jeweils ein Prozent zulegen. Dafür sollen die Rekordbeschäftigung und spürbare Lohnzuwächse sorgen.

Schulden

Frankreich: Frühestens 2015 wird die EU-Grenze für die Neuverschuldung von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes wieder eingehalten. Das erwartet zumindest die EU-Kommission. Demnach wird das Defizit in diesem Jahr bei 4,5 Prozent liegen, 2013 und 2014 bei jeweils 3,5 Prozent. Der Schuldenberg soll im kommenden Jahr auf 93,8 Prozent der Wirtschaftsleistung anschwellen.
Deutschland: Das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts rückt in greifbare Nähe. 2012 und 2013 soll das Defizit angesichts rekordhoher Steuereinnahmen jeweils 0,2 Prozent betragen, ehe 2014 ein Haushalt ohne neue Schulden stehen soll. Der Schuldenstand soll bis dahin auf 78,4 Prozent des Bruttoinlandsproduktes fallen.

Wettbewerbsfähigkeit

Frankreich: In Sachen Wettbewerbsfähigkeit rutschte Frankreich in diesem Jahr um drei Ränge auf den 21. Platz ab, wie das World Economic Forum bei seinem weltweiten Standortvergleich befand. Die kleineren Nachbarn Niederlande (5.) und Belgien (17.) liegen noch vor der "Grande Nation". Zwar gehört die Infrastruktur in Frankreich weiter zu den besten der Welt. Aber der Arbeitsmarkt wird als zu starr empfunden, das Steuersystem als zu wirtschaftsfeindlich: Hier belegt Frankreich nur die Ränge 111 und 128.
Deutschland: Trotz der Euro-Krise hat Deutschland im globalen Standortvergleich des World Economic Forum seinen sechsten Platz behauptet und damit erstmals die USA überholt. Als Pluspunkte gelten die ausgezeichnete Infrastruktur und innovative Unternehmen, die alle Stufen der Wertschöpfung leisten können - von der Produktion bis hin zu Marketing und Vertrieb. Minus-Punkte gab es dagegen für den Arbeitsmarkt, der als zu starr gilt. Kritisiert wird vor allem die mangelnde "Flexibilität der Lohnfindung": Hier landet Deutschland auf Platz 139 von 144.

Industrie

Frankreich: Zwar kann unser Nachbarland mit großen Unternehmen wie den Autobauern Renault und Peugeot Citroen oder der Atomkonzern Areva aufwarten. Allerdings fehlt es an einem breiten und exportstarken Mittelstand, der die Absatzkrise im Euro-Raum durch wachsende Geschäfte in Asien und anderen Boomregionen ausgleichen kann. Die Industrie ist deshalb auf dem Rückzug: Nur noch 12,6 Prozent trägt sie zur Bruttowertschöpfung bei.

Deutschland: Hierzulande haben viele "hidden champions" ihre Heimat - also unbekannte mittelständische Unternehmen, die Nischen besetzt haben und mit ihren Produkten zu den Weltmarktführern gehören. Die Industrie erlebt in Deutschland eine Renaissance, weil diese Firmen in den Boomregionen aktiv sind. Ihr Anteil an der Bruttowertschöpfung kletterte 2011 auf 26,2 Prozent, während er zwischen 2000 und 2010 im Schnitt nur 25,1 Prozent betrug.

Arbeitskosten

Frankreich: 34,20 Euro kostet eine Arbeitsstunde in der französischen Privatwirtschaft im Schnitt. In der EU ist Arbeit nur in Belgien, Schweden und Dänemark noch teurer. In der Industrie sind es sogar 35,91 Euro.

Deutschland: Im Schnitt kostet eine Stunde Arbeit in der deutschen Privatwirtschaft 30,10 Euro - das ist der siebthöchste Wert der 27 EU-Mitglieder. Der Euro-Zonen-Schnitt liegt bei 27,70 Euro. In der im internationalen Wettbewerb stehenden Industrie liegen die Arbeitskosten bei 35,66 Euro pro Stunde.

An diesem Montag jährt sich der Wahlsieg Hollandes gegen seinen konservativen Amtsvorgänger Nicolas Sarkozy zum ersten Mal. Bereits für diesen Sonntag hat die extreme Linke um Hollandes früheren Parteifreund Jean-Luc Mélenchon zu einer

Von

dpa

Kommentare (4)

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zephyroz

03.05.2013, 14:42 Uhr

Nein, ungeschickt war das nicht. Das war so und nicht anders beabsichtigt. Enge Mitarbeiter aller Regierungen geben solche Texte nicht ohne Abnicken frei. veröffentlicht werden sie dann über die "Kanäle". Der Sinn ist - abgesehen von Wahlwerbung für die SPD - Frau Merkel so oft und so nachhaltig wie möglich in die Ecke zu stellen. Wir Deutschen sind insbesondere den Südländern ein Dorn im Auge und müssen konsequent gemolken werden. Hoffentlich kapieren möglichst viele meiner Mitbürger im September, daß wir vor allem (innenpolitischem) anderen genau das verhindern müssen.

Insider

03.05.2013, 15:01 Uhr

Hollande will Eurobonds,das Leben auf Pump,keine Reformen und eine gemeinsame Schuldenhaftung noch über das jetzige Maß hinaus.
Seine Hoffnung:Der 22.September 2013 und damit einen Sieg von Rot-Grün,bzw.eine große Koaltion ohne FDP.

Account gelöscht!

03.05.2013, 15:03 Uhr

Barrosos-Hollandes Geld-Ausgeben-Wollen "Auf neuen Pump" (EURO-Bonds) hat viele Nachteile:

- Der Schuldenberg der EZB wächst weiter, es zerstört die natürliche Marktwirtschaft, weil die "willkürlichen EU-Subventionen" Korruption begünstigt und das Prinzip von "Angebot und Nachfrage" zerstört, es entsteht eine gesteuerte Unfreie-Subventions-Wirtschaft.

- Firmen, die nicht willkürlich subventioniert werden brechen zusammen, nur "EU-untertänige Firmen" würden überleben können, Ende der freien Wirtschaft

- Es erhöht die Schulden vor allem in Deutschland, wir würden brennendes Stroh werfen nach Südeuropa, daran kann sich niemand langfristig wärmen. Und wer bezahlt das Wachstum "auf Pump" ??

- die "ewigen Zinsen" für immer neue Staatsanleihen "fressen das Geld unserer Kinder" !! Zinsen werden mit immer neuen Schulden bezahlt.

Die Politiker sind immer FETT-bezahlt und den Mist, den sie verzapfen, baden die "anderen" aus, das tumbe Volk das ausgepresst und verarscht wird. Das ist die Krux. Politiker sind kleine Götter und Feudalherren, nichts entscheiden die, was sie selber nachteilig betrifft. FETTE Pensionen warten schon ... Sie dienen den Lobbygruppen der Weltkonzerne und treten Mittelstand und Mittelschicht kaputt.

"EU in Brüssel" ist ein hirnloses, GELD-fressendes, Schulden-scheissendes Monster.

AfD wählen !! CDU ist mit Merkel und Gröhe ein armseeliger Haufen geworden. Bei Deutschland landet der ganze EU-Schuldenmüll am Ende.

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