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25.04.2012

07:01 Uhr

Frankreich

Hollande nimmt Kampf mit Front National auf

VonThomas Hanke

In einer der Hochburgen der Front National zeigt sich der Sozialist Hollande zuversichtlich: „Wir werden gewinnen.“

Francois Hollande ringt um jede Stimme vor der nächsten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen. AFP

Francois Hollande ringt um jede Stimme vor der nächsten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen.

ParisFrancois Hollande will die Wähler der rechtsextremen Front National nicht der Rechten überlassen. Zwei Tage nach dem ersten Wahlgang, bei dem er vor Sarkozy lag, aber die rechtsextreme Kandidatin Marine Le Pen mit rund 18 Prozent der Stimmen einen ebenso überraschenden wie beängstigenden Erfolg erreicht hat, macht er sich auf in eine der FN-Hochburgen: Nach Hirson, einen verlassenen Flecken in der nordfranzösischen Picardie unweit der belgischen Grenze. Hier wurde die Front-Kandidatin Marine Le Pen am vergangenen Wochenende Zweite hinter ihm.

Hollande zeigt sich zuversichtlich

Video: Hollande zeigt sich zuversichtlich

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Ihr Ergebnis war in diesem Städtchen mit seinen geduckten Häusern noch höher als die Arbeitslosigkeit, die bei 23 Prozent liegt. Viel Industrie gab es hier nie. Aber zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts wurde ein großes Eisenbahn-Ausbesserungswerk gebaut, das vielen Arbeit gab. Es existiert schon lange nicht mehr. Später siedelte der große Auto-Zulieferer Valéo sich an, doch der wollte die Fabrik Ende der 90er-Jahre schließen. Nun wird sie von AML Systems betrieben, ein Unternehmen, das selber mal zu Valéo gehörte und hier jetzt rund 300 Leute beschäftigt. Die regionale Verwaltung hat viel Geld in das Werk geschossen, das Reinigungssysteme für Scheinwerfer herstellt. In diesem Jahr sollen zehn neue Mitarbeiter eingestellt werden – ein Riesenerfolg in einer Region, wo die Nachrichten sonst meist von Werksschließungen und -verlagerungen handeln.

Die Etappen des Machtkampfes in Frankreich

Wie es weitergeht

Mit der ersten Runde der Präsidentenwahl hat der Machtkampf in Frankreich erst begonnen. Müssen die Konservativen um Präsident Nicolas Sarkozy in die Opposition? Oder schaffen sie doch noch den Überraschungserfolg gegen die Sozialisten um François Hollande? Die nächsten wichtigen Termine im Wahljahr 2012 im Überblick.

25. April

Frist für die Veröffentlichung des offiziellen Endergebnisses der ersten Wahlrunde durch den Verfassungsrat.

27. April

Offizielle Bekanntgabe der beiden Kandidaten für die Stichwahl, Großkundgebung von Hollande in der Stadt Limoges in west-zentral Frankreich.

1. Mai

Großkundgebung von Nicolas Sarkozy zum Thema Arbeit; die in der ersten Wahlrunde ausgeschiedene Rechtsextreme Marine Le Pen will sich zu möglicher Wahlempfehlung äußern.

2. Mai

Voraussichtlich TV-Debatte zwischen Hollande und Sarkozy.

6. Mai

Die zweite Runde der Präsidentenwahl.

11. Mai

Datum, bis zu dem voraussichtlich das offizielle Endergebnis der Präsidentenwahl veröffentlicht wird.

15. Mai

Um Mitternacht endet die Amtszeit von Nicolas Sarkozy; voraussichtlich auch Datum der Amtseinführung des neuen Präsidenten.

10. Juni

Erste Runde der Wahl zur ersten Parlamentskammer (Nationalversammlung).

15. Juni

Zweite Runde der Wahl zur ersten Parlamentskammer (Nationalversammlung).

Deshalb hat Hollande es ausgesucht: Es soll ein Symbol sein dafür, dass auch unter schwierigen Bedingungen Jobs erhalten werden können, wenn der Staat mithilft. Es ist ein Auftritt, wie Gerd Schröder sie häufig zelebriert hat – mit wechselndem Erfolg für die Beglückten.

Hollande macht seine kurze Reise von der Pariser Gare du Nord in den Norden zum Ereignis. Es geht ihm um maximale mediale Abdeckung. Der kurze Ausflug von Paris aus soll als ein wichtiges Statement überkommen: Er kämpft um die Wähler der FN. Zahlreiche Kamerateams begleiten ihn im Zug. Kurz vor der Endstation steigt er beim Zwischenhalt auf einem winzigen Bahnhof kurz aus, um eine Gruppe von rund zwanzig jubelnden Anhängern zu begrüßen: „Francois – président, Francois – président“ skandieren die Hollande-Freunde, die von der Unmasse der Kameraleute schier zerquetscht werden.   

Wenig Volk, aber gute Bilder. In Laon, der Endstation des Zuges, gibt er beim Aussteigen eine kurze Erklärung ab – diesmal sind überhaupt keine Wähler da, sondern nur die Kameras. Er geht auf die FN-Wähler ein: Das seien „Stimmen der Wut und der Verzweiflung“. Er habe das verstanden und wolle den Franzosen wieder Zuversicht geben. Auf dem Bahnhof begrüßt er jeden mit Handschlag, den er auflesen kann – sogar die Polizisten am Ausgang, die für alle Fälle hierhin beordert wurden.

Kommentare (5)

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25.04.2012, 07:36 Uhr

So viel Schauspielerei, kein Wunder das die Menschen in Frankreich Le Pen wählen!

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25.04.2012, 08:50 Uhr

...richtig denn über kurz oder lang haben selbst die Ureinwohner Frankreichs kein Bock mehr auf Hollywood, Plüsch und Plastik. Und le Pen gibt Antworten auf brennende Fragen, auch wenn sie dem pilitischen Establishment nicht passen. Die Argumente sind auf ihrer Seite.

Account gelöscht!

25.04.2012, 08:55 Uhr

Wer Politik auf Kosten der Arbeitnehmer macht, wird immer verlieren. Menschen müssen sich mit ihrer Arbeit identfizieren, davon leben können, ebenfalls mit ihrer Nationalität. Wenn die Politik zur reinen Interessenvertretung des Kapitals verkommt, gibts eben Rutsche nach rechts. War schon immer so, und das in jedem Land. Wenn schon Wachstum, muß der für alle da sein, irgendjemand muß doch die schönen Apples bezahlen können, oder?
Oder frei nach Henry Ford, meine Arbeiter müssen soviel verdienen, das sie sich meine Autos leisten können.
Es wird Zeit für Sichtweisen des Kapitals und der Politik, die mehr mit dem Menschen zu tun haben, Geld kann man nicht essen.
Rechtspopulismus hat hier seine Chancen, und wird diese auch nutzen, egal in welchem Land.

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