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24.02.2017

06:44 Uhr

Frankreich

Le Pen kassiert die Menschenrechte

VonThomas Hanke

In einer zähen Rede zu ihren außenpolitischen Vorstellungen enthüllt Le Pen radikale Ziele: Die rechtsextreme Französin ist auf einem Vernichtungsfeldzug gegen die Grundelemente einer liberalen Ordnung. Ein Kommentar.

Als Präsidentschaftskandidatin der französischen Partei Front National spricht Marine Le Pen über ihre Ziele. AP

Marine Le Pen

Als Präsidentschaftskandidatin der französischen Partei Front National spricht Marine Le Pen über ihre Ziele.

ParisPräsidiales Auftreten, viel heiße Luft, im Kern ein paar radikale Botschaften, die allen Diktatoren gefallen dürften. So ließe sich die Rede Marine Le Pens zu ihren außenpolitischen Vorstellungen zusammenfassen.

In den feinen Räumen der „Salon Hoche“ im Zentrum von Paris las die Front National-Chefin am Donnerstagabend ihre Ansprache vom Blatt ab. Nur am Anfang wurde sie kurz aus der Routine geworfen, als eine halbnackte Femen-Aktivistin ins Publikum stürmte und rief :„Marine, Schein-Feministin!“ Zu dritt zerrten die rabiaten Front-Ordner die Frau aus dem Saal.

Der Rest der Rede war eine Geduldsprobe. Der Text war eine zähe Mischung aus ein ums andere Mal wiederholten Bauklötzen der FN-Ideologie: die Größe Frankreichs, die Bedeutung der Grenzen, die Versklavung der Völker durch die USA und die Globalisierung, die Unterwerfung der europäischen Nationen durch Deutschland, das sich der EU zu seinen Zwecken bediene, die Befreiung der Völker durch den Brexit, Donald Trump und demnächst die FN in Frankreich. Sich eine Stunde lang diesen Cocktail aus Lügen und Bosheiten anzuhören ist eine Zumutung.

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Das lange Undenkbare ist nicht mehr auszuschließen: die Chefin der rechtsextremen Front National als nächste Präsidentin der französischen Republik. Schon erörtern Banken und Unternehmen Pläne für ein Szenario.

Doch lohnt es, die Mühe auf sich zu nehmen. Sollte die FN jemals an die Macht kommen, kann niemand behaupten, er habe es nicht gewusst. Verpackt in ihre schwülstige Rhetorik von Nation und Patriotismus liefert Le Pen ein paar Gedanken, die durch ihre Radikalität das Denken ihres Vaters in den Schatten stellen: von Mäßigung keine Spur.

Das erste Ziel Le Pens in dieser Rede ist es, die Lehre von der universellen Gültigkeit der Menschenrechte zu zerstören. Wie immer bedient sie sich dazu eines Taschenspielertricks: Die Menschenrechte, die überall auf der Welt das Individuum gegen die Übergriffigkeit von Diktatoren und Unrechtsregimen schützen sollen, dreht die Rechtsradikale kurzerhand um in eine Attacke des Westens auf die Selbstbestimmung der Völker.

Dabei wendet sie sich nicht offen gegen die Menschenrechte, sondern verschleiert das Ziel ihrer Polemik. „Es gibt kein System, das universelle Geltung hätte“, formuliert sie etwa. Und: „Unsere Werte sind nicht die Asiens oder Russlands, es ist unzulässig, sie ihnen durch Geld oder Zwang aufzudrücken.“ Nicht die Menschen, denen in Russland oder Asien Rechte vorenthalten werden, sind Le Pens Logik zufolge Opfer, sondern die Alleinherrscher, die der „überhebliche Westen“ an den Pranger stelle.

Die Täter dieser angeblichen Dominanzbestrebungen nannte Le Pen in ihrer Rede auch gleich beim Namen: internationale Organisationen, die USA, Nichtregierungsorganisationen und politische Stiftungen. Da können Naumann-, Friedrich Ebert-, Böll- und Adenauer-Stiftung und alle anderen ähnlichen Organisationen sich schon mal auf etwas gefasst machen: Wladimir Putins Kreuzzug gegen westliche Stiftungen findet nun in Frankreich ein lautes Echo!

Folgerichtig wird das Individuum zum zweiten Angriffsziel Le Pens. Bei der Rechtsextremen taucht es nie als Mensch auf, sondern nur als gefährliche, die Völker bedrohende Tendenz: der „absolute“ oder „schrankenlose“ Individualismus. Gegen den müsse sich die Nation verteidigen.

Kommentare (34)

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Account gelöscht!

24.02.2017, 08:19 Uhr

Le Pen hat genau die Rede gehalten, die bei den meisten Franzosen sehr gut ankommt. Le Pen hat eine starke und stolze Rede gehalten. Sie hat dem Multilateralen Mafiastrukturen eine Absage erteilt und will zurück zu Bilateralen Verhältnissen. Mit einen starken, selbstbewussten und stolzen Frankreich. Und da hat Le pen die Mehrheit der Franzosen hinter sich. Bravo für diese Rede und weiter so, Fr. Präsidentin Le Pen!

G. Nampf

24.02.2017, 08:50 Uhr

".... , die Unterwerfung der europäischen Nationen durch Deutschland,..."



LOL. Ich glaube, Frau Le Pen hat nicht verstanden, daß der einzige Grund für die Existenz der EU die Unterwerfung Deutschlands durch die anderen europäischen Staaten ist.

Account gelöscht!

24.02.2017, 09:05 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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