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01.08.2014

07:55 Uhr

Frankreich

Le Pen laut Umfrage bei Präsidentschaftswahl vorne

Bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich 2017 könnte die rechtsextreme Marine Le Pen in der ersten Wahlrunde mit den meisten Stimmen rechnen. Das geht aus einer aktuellen Umfrage hervor.

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Das Schreckgespenst Marine Le Pen

Handelsblatt in 99 Sekunden: Das Schreckgespenst Marine Le Pen

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ParisBei der Präsidentschaftswahl in Frankreich 2017 könnten sich die rechtsextreme Politikerin Marine Le Pen und Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy einer Umfrage zufolge in der Stichwahl ein Duell liefern. Le Pen käme laut der am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ifop in der ersten Wahlrunde auf 26 Prozent, Sarkozy auf 25 Prozent. Die Chefin der rechtsextremen Front National (FN) und der in zahlreiche Affären verstrickte konservative Politiker würden damit in die Stichwahl einziehen.

Der amtierende Staatschef François Hollande käme laut der in der Zeitschrift „Marianne“ veröffentlichten Umfrage auf lediglich 17 Prozent und würde damit in der ersten Runde ausscheiden. Sollte statt Hollande sein Premierminister Manuel Valls für die Sozialisten antreten, würde dieser ebenfalls auf nur 17 Prozent kommen.

Woran Frankreich krankt

Wettbewerbsfähigkeit

In Frankreich sticht die ungünstige Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit hervor. Auch deshalb ist der Weltmarktanteil des Exportsektors des Landes deutlich gesunken; die Leistungsbilanz hat sich seit Beginn der Währungsunion kontinuierlich verschlechtert– von einem Überschuss von 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu einem Defizit von zuletzt etwa 2 Prozent. Im Durchschnitt der zurückliegenden drei Jahre hat Frankreich damit das höchste Leistungsbilanzdefizit aller Kernländer aufgewiesen. Im „Global Competitiveness Report 2012-2013“ belegt Frankreich damit nur Rang 21 von insgesamt 144 Ländern. Im Jahr 2010 wurde es mit Rang 15 noch deutlich besser bewertet.

Quelle: Frühjahrsgutachten der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute; Commerzbank

Lohnstückkosten

Die Lohnstückkosten sind seit 1999 um 30 Prozent gestiegen. Die Lage heute: Während eine Arbeitsstunde deutsche Arbeitgeber 30,40 Euro kostet, fallen westlich des Rheins 34,20 Euro an. Typisch für den Niedergang sind die Autobauer. „Hier verdichten sich die Probleme Frankreichs“, sagt Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. Das Land produziere 40 Prozent weniger Kraftfahrzeuge als 2005, Deutschland dagegen 15 Prozent mehr.

Arbeitslosigkeit

Die wirtschaftliche Entwicklung lässt kaum eine deutliche Reduzierung der Arbeitslosigkeit und der öffentlichen Verschuldung erwarten. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf einem hohen Niveau jenseits von 10 Prozent verharren.

Staatsverschuldung

Noch wird die Schuldentragfähigkeit von den Anlegern nicht in Frage gestellt. Die öffentliche Verschuldung Frankreichs hat sich aber seit der Großen Rezession deutlich erhöht. Zwischen 2008 und 2012 stieg die Schuldenstandsquote um rund 25 Prozentpunkte auf über 90 Prozent. Im Jahr 2012 lag die Defizitquote weiterhin deutlich oberhalb von 3 Prozent, und auch für das Jahr 2013 wird eine diesen Wert überschreitende Quote erwartet. Damit steigt die öffentliche Verschuldung weiter.

Private Verschuldung

Die private Verschuldung ist in Frankreich weniger stark gestiegen und liegt auf einem deutlich geringeren Niveau als z. B. in Irland, Spanien und Portugal. Dennoch ist Frankreich das einzige der ausgewählten Länder, in dem die private Verschuldung auch seit 2009 noch merklich zunimmt.

Verlust von Weltmarktanteilen

Große Probleme bestehen im externen Sektor. Der überdurchschnittlich starke Verlust von Weltmarktanteilen ist in Kombination mit trendmäßig steigenden Leistungsbilanzdefiziten besorgniserregend. Dies dürfte nicht allein auf Veränderungen der preislichen Wettbewerbsfähigkeit zurückzuführen sein; diese hatte sich zwischen 2000 und 2008 permanent verschlechtert, verbesserte sich seitdem aber. Insbesondere Frankreichs Exportwirtschaft ist es nicht gelungen, vom ökonomischen Aufschwung der Schwellenländer zu profitieren, sondern sie hängt nach wie vor von den Märkten im Euroraum ab.

Le Pen war bereits 2012 bei den Präsidentschaftswahlen angetreten. Damals kam sie auf 17,9 Prozent der Stimmen. Bei den Europawahlen im Mai wurde ihre Front National mit rund 25 Prozent der Stimmen erstmals in Frankreich stärkste Kraft.

Sarkozy hatte sich nach seiner Niederlage gegen Hollande 2012 weitgehend aus dem politischen Leben zurückgezogen. Inzwischen mehren sich die Anzeichen für eine baldige Rückkehr des 59-Jährigen in die Politik, öffentlich festgelegt hat er sich noch nicht. Allerdings erschweren zahlreiche Affären ein mögliches Comeback. Wegen der mutmaßlichen versuchten Bestechung eines Staatsanwalts wurde Anfang Juli gegen ihn ein formelles Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Von

afp

Kommentare (8)

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Herr Uwe Reissner

01.08.2014, 08:42 Uhr

2017, mit Le Pen als Staatschefin und der Gefahr der Abspaltung aus der EU, sowie dem Verlassen der Eurozone, wird man sich genötigt sehen Hollande in den werten Popo zu kriechen und Geld nach Frankreich zu scheffeln und weitere Freizügigkeiten gewähren.

Heil dem Euro und zum Wohle der Machtbesessenen Bürokraten.

G. Nampf

01.08.2014, 10:12 Uhr

Marine Le Pen wird nicht Präsidentin, denn bei einer Stichwahl werden die Sozialisten und UMP eine Wahlempfehlung für einen gemeinsamen Kandidaten abgeben.

Also wozu der Artikel?

Übrigens @HB: Es heißt "DER Front National" und nicht "die Front National".

"front" ist im französischen männlich, der Artikel wird ins Deutsche übernommen.

Herr Peter Kock

01.08.2014, 12:13 Uhr

Die Politik selbst trägt die Schuld das das Volk mehr und mehr in die Richtung Rechts driftet ! Seht euch doch bitte mal dieses skandalträchtige und verlogene Volk genau an !

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