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16.01.2011

11:48 Uhr

Frankreich

Marine Le Pen wird neue Chefin der Front National

VonHolger Alich

Die rechtsextreme Front National in Frankreich hat zum ersten Mal in ihrer Geschichte eine neue Parteiführung: Marine Le Pen wurde am Sonntag mit knapp 68 Prozent zur neuen Vorsitzenden gewählt. Sie folgt ihrem Vater Jean-Marie Le Pen, einem äußerst streitbaren Politiker

Wie der Vater so die Tochter: Jeand-Marie Le Pen übergibt die Parteiführung an Marine. Reuters

Wie der Vater so die Tochter: Jeand-Marie Le Pen übergibt die Parteiführung an Marine.

PARIS. Sein dunkelblauer Zweireiher sitzt perfekt, dazu ein weißes Hemd mit gelbe Krawatte und wie immer große Sprüche: „Die Front National wird ein bestimmender Faktor der Politik von morgen sein“, tönt Jean Marie Le Pen. Diese Zukunft von Frankreichs rechtsextremer Partei findet aber ohne den 81-Jährigen statt. Le Pen tritt Ende des Jahres ab – und verzichtet auf eine weitere Kandidatur bei den Präsidentschaftswahlen 2012 - es wäre seine sechste gewesen.

Doch die Führung der Front National bleibt in Familienhand: Marine Le Pen wurde am Sonntag mit knapp 68 Prozent zur neuen Vorsitzenden gewählt. Bei ihrem Einzug in die Kongresshalle im westfranzösischen Tours wurde die Juristin von rund 2000 Anhängern frenetisch gefeiert. Auch landesweite Umfragen räumen Marine Le Pen hohe Sympathiewerte ein.

Die 42-Jährige wird auch bei der Präsidentschaftswahl 2012 in Frankreich für die Front National antreten.

Damit geht die ewige Nummer zwei leer aus, der Lyoner Professor Bruno Gollnisch, der wegen der Leugnung des Holocausts sich vor Gericht verantworten musste.

Ihr Vater kommt die zweifelhafte Ehre zu, die Rechtsextreme in Frankreich als Prostpartei etabliert zu haben. Daran habe auch seine gelegentlichen Ausfälle nicht verhindern können; so bezeichnete Le Pen senior einmal die Gaskammern der KZs als „Detail der Geschichte.“ Am Samstag hatte sich Jean-Marie Le Pen in seiner Abschiedsrede als Opfer der „Meinungspolizei“ stilisiert. Der Parteigründer sagte, alle seine Äußerungen seien „verfälscht worden“.

Doch Le Pen wurde nie wegen seiner Aussagen oder Positionen gewählt, sondern um es „denen da oben“ einmal zu zeigen. 2002 zog Le Pen überraschend in die Stichwahl bei den Präsidentschaftswahlen ein und schlug den sozialistischen Premierminister Lionel Jospin aus dem Rennen. Von diesem Schock haben sich die Sozialisten bis heute nicht erholt.

Nicolas Sarkozy fischte mit seinem Law & Order-Wahlkampf ganz unverschämt bei den FN-Sympatisanten; bei den Wahlen 2007 gelang ihm damit die Marginalisierung Le Pens. Doch bei den Regionalwahlen vom März kehrten die Protestwähler zurück. „Die Partei ist wieder auf dem richtigen Weg“, freut sich Le Pen – und verabschiedet sich in die Rente.

Kommentare (1)

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Uwe

17.01.2011, 12:45 Uhr

Prima. So eine sympathische Galleonsfigur bräuchten wir in Deutschland auch. Warum wird es eigentlich immer als "Populismus" diffamiert und in eine braune Ecke gestellt, wenn sich Parteien und Politiker um das eigene Volk sorgen und dessen bedürfnisse und Wünsche ansprechen und durchsetzen wollen??? Schlimmer als die sogenannten "Etablierten", die nur noch von der Wirtschaft und deren Lobbygruppen abhängen und damit verstrickt sind, können auch Parteien wie die Front National den Karren nicht in den Dreck fahren... Also haben Sie eine Chance verdient.
Wenn ich mir die französischen Städte ansehe (und nicht nur die), dann ist es blanker Hohn, wenn man behauptet, die FN schüre Angst vor Überfremdung. Diese Überfremdung ist bittere Realität - die Probleme sind teilweise noch größer als in Deutschland. Hier gab es (noch) keine brennenden Vorstädte...

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