Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.01.2014

10:45 Uhr

Frankreich

Oh là là, Hollande!

VonThomas Hanke

Kein Dementi, kein Leugnen: Frankreichs Präsident Hollande soll eine Affäre mit der Schauspielerin Julie Gayet haben, zu der er nachts durch Paris auf dem Moped fährt. Die politischen Gegner reagieren erstaunlich.

Frankreichs Präsident Francois Hollande war schon 2011 mit seinem Motorroller unterwegs – nun soll er damit regelmäßig seine Geliebte besuchen. dpa

Frankreichs Präsident Francois Hollande war schon 2011 mit seinem Motorroller unterwegs – nun soll er damit regelmäßig seine Geliebte besuchen.

Viele Franzosen warfen Francois Hollande scherzhaft vor, er könne sich nicht zwischen seiner früheren Lebensgefährtin Ségolène Royal und seiner heutigen Partnerin Valérie Trierweiler entscheiden. Nun scheint er den einfachen Ausweg gefunden zu haben, eine Beziehung zu einer Dritten.
Nach den Enthüllungen des französischen People-Magazins Closer über eine Affäre des Staatspräsidenten Francois Hollande mit der Schauspielerin Julie Gayet reagieren die Politiker des Landes erstaunlich einheitlich: Man verurteilt die Verletzung der Privatsphäre des Staatschefs. Hollande selber hatte den Ton vorgegeben und gegenüber der Nachrichtenagentur AFP gesagt, er bedauere „zutiefst die Verletzung meiner Privatsphäre“ und „denke nun über die Reaktion nach, einschließlich juristischer Schritte.“

Schauspielerin Julie Gayet und Francois Hollande. AFP

Schauspielerin Julie Gayet und Francois Hollande.

Kein Dementi also, kein Leugnen. Das wäre auch ziemlich zwecklos angesichts der Fotos, die Closer am Freitag veröffentlicht hat. Sie zeigen den Präsidenten, der sich von einem Motorrad vor demselben Appartement absetzen lässt, in dessen Eingang kurz vorher die 41-jährige Schauspielerin verschwunden ist. Die Affäre zieht sich Closer zufolge bereits über Monate hin. Von einem Leibwächter, der bereits während der Wahlkampagne 2012 für ihn gearbeitet hat, habe sich das Pärchen morgens gegen acht Uhr frische Croissants bringen lassen.

Frankreichs Präsident - das mächtigste Staatsoberhaupt

Starker Präsident

Von allen Staatsoberhäuptern der Europäischen Union hat der französische Präsident die größten Vollmachten. Seine starke Stellung verdankt er der Verfassung der 1958 gegründeten Fünften Republik, ihr erster Präsident war General Charles de Gaulle.

Wahl

Der Staatschef wird seit 1965 direkt vom Volk gewählt und kann beliebig oft wiedergewählt werden. Seit 2002 beträgt seine Amtszeit noch fünf statt sieben Jahre.

Gesetzgebung

Der Präsident verkündet die Gesetze, kann den Premierminister entlassen und die Nationalversammlung auflösen. In Krisenzeiten kann er den Notstandsartikel 16 anwenden, der ihm nahezu uneingeschränkte Vollmachten gibt.

Verhältnis zum Parlament

Der Staatschef ist gegenüber dem Parlament nicht verantwortlich. Durch eine 2007 beschlossene Verfassungsänderung sind Staatschefs im Amt vor Strafverfolgung ausdrücklich geschützt. Das Parlament kann den Präsidenten nur bei schweren Verfehlungen mit Zweidrittelmehrheit absetzen.

Macht über das Militär

Frankreichs Staatschef ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und hat in der Verteidigungs- und Außenpolitik das Sagen. Seine stärksten Druckmittel sind der rote Knopf zum Einsatz von Atomwaffen und das Vetorecht im UN-Sicherheitsrat.

Verhältnis zur Regierung

Der Präsident ernennt den Premierminister und auf dessen Vorschlag die übrigen Minister, leitet die wöchentlichen Kabinettssitzungen und nimmt Ernennungen für die wichtigsten Staatsämter vor.

Regierungschef als Gegengewicht

Seine Macht wird jedoch eingeschränkt, wenn der Regierungschef aus einem anderen politischen Lager kommt und der Präsident keine eigene Mehrheit in der Nationalversammlung hat. Dieser Fall der „Kohabitation“ war bei der Verabschiedung der Verfassung nicht vorgesehen. Er trat aber bereits drei Mal ein, zuletzt 1997 bis 2002, als der konservative Staatschef Jacques Chirac mit dem sozialistischen Premierminister Lionel Jospin auskommen musste.

Auch das ist auf den Fotos zu sehen, ebenso wie der behelmte Präsident, der sich von demselben Motorroller abholen lässt, der ihn tags zuvor absetzte. Mit einem Rest von Diskretion verzichtet Closer darauf, die Adresse des Liebesnests zu nennen und spricht lediglich von einem Apartment „in unmittelbarer Nähe des Elysée-Palastes.“

Frankreichs Zeitungen sehen Staatspräsident François Hollande nach Berichten über eine angebliche Affäre mit einer Schauspielerin in der Defensive. Die Berichte seien für Hollande „katastrophal in jeder erdenklichen Weise“, schrieb die Zeitung „L'Alsace“ am Samstag. Bei der für Dienstag angekündigten Pressekonferenz zu seinen politischen Plänen werde sich nun alles nur um das mutmaßliche Techtelmechtel des Staatsoberhauptes drehen, kommentierte die Zeitung „Sud-Ouest“.

„Alle Augen richten sich jetzt auf die Reaktion des Präsidenten“ auf die Affäre, hieß es in einem Kommentar im „L'Est Republicain“. Dass er nun - statt seine Vision für Frankreich darzulegen - seine Beziehung erläutern müsse, verspreche „einen hochinteressanten Auftritt“, macht sich die Zeitung „Sud-Ouest“ lustig. Die „Nouvelle Republique du Centre-Ouest“ schreibt nüchtern, es bleibe abzuwarten, ob die Affäre Hollande noch weiter schade. „Schließlich waren seine Umfragewerte schon miserabel.“

Kommentare (15)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

HofmannM

10.01.2014, 14:14 Uhr

Naja, dass kann ja bei Merkel nicht passieren, oder?

Account gelöscht!

10.01.2014, 15:20 Uhr

Wie nennt man Bunga Bunga auf französisch? Kein Wunder, dass der keine Zeit hat, Frankreich zu regieren.

deutan

10.01.2014, 15:51 Uhr

In Paris nennt man das: PLAN B

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×