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26.09.2013

14:34 Uhr

Frankreich

Opposition stellt Arbeitslosenzahlen in Frage

Endlich konnte die französische Regierung wieder positive Nachrichten über den Arbeitsmarkt vermelden: Erstmals seit zwei Jahren sind die Arbeitslosenzahlen zurückgegangen – doch die Opposition wittert Betrug.

Jean-François Copé traut dem Braten nicht: Er hat Zweifel an den neuen Arbeitsmarktzahlen. AFP

Jean-François Copé traut dem Braten nicht: Er hat Zweifel an den neuen Arbeitsmarktzahlen.

ParisDie französische Opposition hat die offiziellen Zahlen zum ersten Rückgang der Arbeitslosigkeit seit mehr als zwei Jahren in Frage gestellt. „Die Franzosen dürfen nicht länger belogen werden“, sagte der Chef der konservativen UMP, Jean-François Copé, am Donnerstag den Sendern BFMTV und RMC. So seien viele geschaffene Stellen staatlich subventioniert und meist nur auf kurze Dauer angelegt. Copé verwies zudem auf eine sehr hohe Zahl von Arbeitslosen, die von den Listen der Arbeitsämter gestrichen wurden. Die Statistik sei daher nicht aussagekräftig.

Das französische Arbeitsministerium hatte am Mittwochabend bekanntgegeben, dass die Zahl der Arbeitslosen in Frankreich im August um 50.000 auf 3,23 Millionen zurückging. Zuvor war die Arbeitslosigkeit 27 Monate in Folge gestiegen und hatte den historischen Höchstwert von 3,28 Millionen erreicht.

Woran Frankreich krankt

Wettbewerbsfähigkeit

In Frankreich sticht die ungünstige Entwicklung der Wettbewerbsfähigkeit hervor. Auch deshalb ist der Weltmarktanteil des Exportsektors des Landes deutlich gesunken; die Leistungsbilanz hat sich seit Beginn der Währungsunion kontinuierlich verschlechtert– von einem Überschuss von 2,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu einem Defizit von zuletzt etwa 2 Prozent. Im Durchschnitt der zurückliegenden drei Jahre hat Frankreich damit das höchste Leistungsbilanzdefizit aller Kernländer aufgewiesen. Im „Global Competitiveness Report 2012-2013“ belegt Frankreich damit nur Rang 21 von insgesamt 144 Ländern. Im Jahr 2010 wurde es mit Rang 15 noch deutlich besser bewertet.

Quelle: Frühjahrsgutachten der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute; Commerzbank

Lohnstückkosten

Die Lohnstückkosten sind seit 1999 um 30 Prozent gestiegen. Die Lage heute: Während eine Arbeitsstunde deutsche Arbeitgeber 30,40 Euro kostet, fallen westlich des Rheins 34,20 Euro an. Typisch für den Niedergang sind die Autobauer. „Hier verdichten sich die Probleme Frankreichs“, sagt Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. Das Land produziere 40 Prozent weniger Kraftfahrzeuge als 2005, Deutschland dagegen 15 Prozent mehr.

Arbeitslosigkeit

Die wirtschaftliche Entwicklung lässt kaum eine deutliche Reduzierung der Arbeitslosigkeit und der öffentlichen Verschuldung erwarten. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf einem hohen Niveau jenseits von 10 Prozent verharren.

Staatsverschuldung

Noch wird die Schuldentragfähigkeit von den Anlegern nicht in Frage gestellt. Die öffentliche Verschuldung Frankreichs hat sich aber seit der Großen Rezession deutlich erhöht. Zwischen 2008 und 2012 stieg die Schuldenstandsquote um rund 25 Prozentpunkte auf über 90 Prozent. Im Jahr 2012 lag die Defizitquote weiterhin deutlich oberhalb von 3 Prozent, und auch für das Jahr 2013 wird eine diesen Wert überschreitende Quote erwartet. Damit steigt die öffentliche Verschuldung weiter.

Private Verschuldung

Die private Verschuldung ist in Frankreich weniger stark gestiegen und liegt auf einem deutlich geringeren Niveau als z. B. in Irland, Spanien und Portugal. Dennoch ist Frankreich das einzige der ausgewählten Länder, in dem die private Verschuldung auch seit 2009 noch merklich zunimmt.

Verlust von Weltmarktanteilen

Große Probleme bestehen im externen Sektor. Der überdurchschnittlich starke Verlust von Weltmarktanteilen ist in Kombination mit trendmäßig steigenden Leistungsbilanzdefiziten besorgniserregend. Dies dürfte nicht allein auf Veränderungen der preislichen Wettbewerbsfähigkeit zurückzuführen sein; diese hatte sich zwischen 2000 und 2008 permanent verschlechtert, verbesserte sich seitdem aber. Insbesondere Frankreichs Exportwirtschaft ist es nicht gelungen, vom ökonomischen Aufschwung der Schwellenländer zu profitieren, sondern sie hängt nach wie vor von den Märkten im Euroraum ab.

Das Arbeitsministerium räumte aber ein, dass es einen „außergewöhnlichen“ Anstieg bei der Streichung von Arbeitslosen von den Listen der Arbeitsämter wegen Nicht-Rückmeldung gegeben hatte. Von den Listen werden jene Arbeitslosen gestrichen, welche die Arbeitsämter nicht wie vorgeschrieben über ihre aktuelle Situation informieren.

Der UMP-Politiker Guillaume Larrivé warf der Regierung "statistische Manipulation" vor und erklärte, die Sozialisten hätten womöglich „Anweisungen“ gegeben, Arbeitslose von den Listen zu streichen und so die offiziellen Zahlen zu senken. Frankreichs Präsident François Hollande hat die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zu seiner obersten Priorität erklärt und wiederholt bis Jahresende eine Trendwende am Arbeitsmarkt versprochen.

Arbeitsminister Michel Sapin sagte am Donnerstag dem Sender France Inter, es gebe „keine statistische Widersinnigkeit“. In Phasen eines Wiederanspringens des Arbeitsmarktes könne es aber „von einem Monat zum nächsten etwas unstete Bewegungen geben“. Er betonte, neben der Streichung von Arbeitslosen von den Listen habe es auch eine deutliche Abnahme der bei den Ämtern neu Gemeldeten gegeben. Sapin mahnte aber wie bereits am Vorabend, von einer Trendwende am Arbeitsmarkt könne noch keine Rede sein.

Von

afp

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

26.09.2013, 15:08 Uhr

Na, da haben die Franzosen mal von den Deutschen gelernt...

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