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02.09.2014

13:51 Uhr

Frankreich

Paris will Arbeitslose schärfer kontrollieren

Frankreich kämpft gegen die Rekordarbeitslosigkeit: Künftig sollen überprüft werden, ob Arbeitslose sich auch tatsächlich um einen neuen Job bemühen. Vorbild sind deutsche Arbeitsmarktreformen.

Der französische Arbeitsminister François Rebsamen schließt Strafen gegen Arbeitslose nicht aus. AFP

Der französische Arbeitsminister François Rebsamen schließt Strafen gegen Arbeitslose nicht aus.

ParisDie französische Regierung will künftig schärfer kontrollieren, ob Arbeitslose auch wirklich einen Job suchen. Andernfalls müsse es „Strafen“ geben, sagte Arbeitsminister François Rebsamen am Dienstag im Sender i-Télé. „Es ist schlecht für diejenigen, die eine Arbeit suchen, neben sich solche zu haben, die es nicht tun. Daher verlange ich von den Arbeitsämtern, die Kontrollen zu verstärken.“

Arbeitslose müssten im Zweifelsfall zu einem Gespräch einbestellt werden, sagte Rebsamen. Nötig seien „Überprüfungen“. Wer sich nicht um einen Arbeitsplatz bemühe, werde von der Liste der Arbeitssuchenden gestrichen, kündigte der sozialistische Minister an.

Warum Frankreich in der Krise steckt

Arbeitslosigkeit

Eines der sichtbarsten Probleme ist die Arbeitslosigkeit im Land. Sie bewegt sich seit Monaten auf Rekordniveau. Zuletzt waren fast 3,4 Millionen Menschen ohne Job. Damit liegt die Quote fast doppelt so hoch wie in Deutschland.

Wachstum

Gleichzeitig kommt das Wachstum in der nach Deutschland zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone nicht in Gang. In den ersten beiden Quartalen dieses Jahres stagnierte die Wirtschaft sogar.

Handelsdefizit

Zudem hat Frankreich eine negative Bilanz beim Austausch mit anderen Wirtschaftsnationen. Das Außenhandelsdefizit lag im ersten Halbjahr 2014 bei 29,2 Milliarden Euro.

Sparprogramm

Im Kampf gegen die Krise hat sich die Regierung ein Sparprogramm vorgenommen. Bis 2017 plant Paris Einsparungen in Höhe von 50 Milliarden Euro.

Neuverschuldung

Es ist fraglich, ob Frankreich wie zugesagt im kommenden Jahr das EU-Defizitkriterium wird einhalten können. Demnach darf die Neuverschuldung nicht mehr als drei Prozent der Wirtschaftskraft betragen. An dieser Hürde war Frankreich in den vergangenen Jahren stets gescheitert.

In Frankreich wird seit Monaten kontrovers über Arbeitsmarktreformen nach deutschem Vorbild diskutiert, wie sie Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mit seiner Agenda 2010 umgesetzt hatte. Diese umfassten unter anderem auch verschärfte Kontrollen und Sanktionen für Arbeitslose, die sich nicht ernsthaft um einen neuen Job bemühen.

Frankreich kämpft mit einer seit mehr als drei Jahren beinahe ununterbrochen ansteigenden Arbeitslosigkeit. Im Juli wurde mit 3,4 Millionen Arbeitslosen ein neuer historischer Höchstwert erreicht. Zugleich sind in Frankreich geschätzte 350.000 Arbeitsstellen nicht besetzt.

Von

afp

Kommentare (2)

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Herr Wolfgang Trantow

03.09.2014, 14:16 Uhr

Wieso weigern sich unsere Politiker nur für Deutsche zu sein? Wieso sind Sie nur für Bulgaren und Rumänen, die sich weigern für Ihre Bürger zu arbeiten??????

Herr D. Dino54

04.09.2014, 10:42 Uhr

Zitat:
"Vorbild sind deutsche Arbeitsmarktreformen."

Der Arbeitsminister François Rebsamen sollte genauer hinschauen auf unseren fragwürdigen Arbeitsmarkt !

Eine Doku im TV u.a. "Kollege dritter Klasse" wäre auch sehenswert, Herr Minister.

Ich glaube, das die Franzosen eine niedrigere Reizschwelle haben gegenüber den Deutschen, die werden diese miesen, primitiven "Methoden" von unseriösen "Unternehmer" und "Volksvertretern" nicht dulden, nicht auf dauer. Gut so !!!

Der Arbeitsmarkt in Deutschland ist kein Vorbild, es sei denn, man will die Ausbeutung praktizieren und die Demokratie gefährden !!!

Zitat: "..Arbeitslose schärfer kontrollieren"

Jetzt wird das Unvermögen und das Versagen der Politik auf nationaler und auf EU-Ebene auf den Arbeitslosen geschoben, verlagert ? Spricht für Kompetenzleere !

Hatten wir in Deutschland auch, alle Arbeitslose- und Sozialhilfeempfänger waren faul und korrupt !
Damit hatte man einen Grund gefunden, das u.a. das Arbeitsrecht und Finanzen dereguliert wurde.

Freie Fahrt für unseriöse Privatisierungen und kranken Lobbyismus und Lohn-Dumping-Vandalismus !

Und das wollt Ihr Franzosen nachmachen, unglaublich !

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