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22.04.2015

19:33 Uhr

Frankreich

Polizei verhindert Anschlag auf Kirchen

Ein 24-Jähriger hortet in Paris Kriegswaffen, Munition und schusssichere Westen. Wohl eher zufällig kommt die Polizei ihm auf die Spur – und findet Beweise für ein geplantes Attentat.

Laut Innenminister Bernard Cazeneuve hat die französische Polizei einen Terroranschlag auf eine Kirche vereitelt. AFP

Waffenlager und Anschlagspläne

Laut Innenminister Bernard Cazeneuve hat die französische Polizei einen Terroranschlag auf eine Kirche vereitelt.

ParisEin Student soll in Frankreich einen Terroranschlag auf ein oder zwei Kirchen geplant haben. Das Attentat habe unmittelbar bevorgestanden, sagte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve am Mittwoch. Der 24-Jährige wurde bereits am Sonntag in Paris festgenommen – die Polizei kam ihm nach französischen Medienberichten eher durch Zufall auf die Spur.

Allerdings war der junge Mann den Behörden bereits bekannt: Die Polizei hatte Hinweise bekommen, dass er nach Syrien reisen wollte, um dort in die Reihen der Dschihadisten zu treten. Im Januar hatte eine islamistische Anschlagsserie Frankreich erschüttert.

Anschläge von Islamisten in Frankreich

Dezember 2014

Polizisten erschießen im zentralfranzösischen Joué-lès-Tours einen Mann, der mit „Allahu Akbar“-Rufen („Gott ist groß“) in ein Kommissariat stürmt und mit einem Messer drei Polizisten verletzt. Die Ermittler gehen von einer radikalislamisch motivierten Tat aus. Der Überfall erinnere an Taten, zu denen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aufrufe.

Oktober 2012

Bei einem Anti-Terroreinsatz in mehreren französischen Städten erschießt die Polizei den 33-jährigen Dschihadisten Jeremy Sidney in Straßburg und nimmt elf weitere mutmaßliche Islamisten fest. Sidney und seine Kumpane werden für einen Anschlag auf ein jüdisches Geschäft verantwortlich gemacht.

März 2012

Der Attentäter Mohamed Merah erschießt in einer Mordserie insgesamt sieben Menschen. Unter ihnen waren drei Kinder und ein Lehrer einer jüdischen Schule. Augenzeugen berichten, der Täter habe mit einer Minikamera gefilmt und sei geflohen. Bevor der Mann nach rund 32-stündiger Polizeibelagerung seiner Wohnung bei einer Schießerei getötet wurde, hatte er sich als Al-Kaida-Anhänger und Mudschaheddin (Gotteskrieger) bezeichnet.

November 2011

Unbekannte verüben einen Brandanschlag auf die Redaktion des französischen Satireblattes „Charlie Hebdo“. Es brachte am gleichen Tag ein Sonderheft zum Wahlerfolg der Islamisten in Tunesien heraus und hatte sich dazu in „Scharia Hebdo“ umbenannt. Als Chefredakteur war „Mohammed“ benannt worden. Das Magazin hatte 2006 die umstrittenen Mohammed-Karikaturen aus Dänemark nachgedruckt und bereits in dem Zusammenhang Drohungen und eine Klage erhalten.

Im Auto und in der Wohnung des Mannes im Südosten der französischen Hauptstadt stießen die Ermittler auf ein Arsenal mehrerer Kriegswaffen, Munition und schusssichere Westen. „Außerdem wurden Unterlagen gefunden, die unzweideutig belegen, dass die Person die unmittelbare Ausführung eines Attentats plante, vermutlich gegen eine oder zwei Kirchen“, sagte Cazeneuve.

Der Verdächtige soll zudem an der Ermordung einer 32-jährigen Frau beteiligt sein, die am Sonntag tot in einem Auto in Villejuif bei Paris gefunden wurde. Der Zusammenhang ist noch unklar – die Frau aus Nordfrankreich war am Vorabend in die Pariser Region gekommen, um dort ein Praktikum zu machen.

Islamistische Szene in Deutschland

Salafisten in Deutschland

Der Verfassungsschutz rechnet mehr als 43.000 Menschen zur islamistischen Szene in Deutschland. Diese ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen - vor allem durch den starken Zulauf bei der Gruppe der Salafisten, einer besonders konservativen Strömung innerhalb des Islam. Rund 7000 Leute werden inzwischen der Salafisten-Szene zugerechnet. 2011 waren es noch etwa halb so viel. Besonders stark sind die Salafisten in Nordrhein-Westfalen vernetzt.

Millitante Islamisten

Mindestens 600 radikale Islamisten aus Deutschland sind bislang in das Kampfgebiet nach Syrien und in den Irak ausgereist. Die Zahl geht seit langem kontinuierlich nach oben. Viele haben sich dort der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen.

Kämpfer kehren zurück

Etwa 200 der Ausgereisten sind inzwischen wieder in Deutschland. Aber nur von einem kleinen Teil davon – etwa 35 Personen – ist bekannt, dass sie aktiv am bewaffneten Konflikt beteiligt waren. Rund 60 Islamisten aus Deutschland sind laut Verfassungsschutz in Syrien und dem Irak gestorben. Mindestens zehn sprengten sich bei Selbstmordanschlägen in die Luft. Dies sind aber nur die bekannten Fälle.

Diese Islamisten sind gefährlich

Die Sicherheitsbehörden stufen viele Islamisten als gefährlich ein. Etwa 1000 Menschen in Deutschland werden dem „islamistisch-terroristischen“ Spektrum zugeordnet. Darunter sind 260 sogenannte Gefährder, also Menschen, denen die Polizei zutraut, dass sie einen Terrorakt begehen könnten. Die Zahl ist so hoch wie nie zuvor. Zum Teil sind auch Rückkehrer aus Dschihad-Gebieten darunter. Diese machen den Sicherheitsbehörden große Sorgen, weil sie oft radikalisiert zurückkommen - und zum Teil kampferprobt.

Nach übereinstimmenden Berichten französischer Medien hatte der Mann am Sonntagmorgen selbst den Notruf gewählt, weil er eine Schussverletzung am Bein hatte. Daraufhin seien Polizisten den Blutspuren bis zum Wagen des Mannes gefolgt, hieß es unter Berufung auf Polizeikreise weiter.

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