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24.08.2016

15:54 Uhr

Frankreich

Polizisten setzen Burkini-Verbot am Strand von Nizza durch

Nach den islamistischen Anschlägen in diesem Sommer haben viele französische Urlaubsorte sogenannte Burkinis an ihren Stränden verboten. Nun sorgt eine Polizeikontrolle am Strand von Nizza für Empörung in den sozialen Medien.

Unklar ist, ob die Polizisten die Frau zuvor aufgefordert hatten, das lange Oberteil auszuziehen. Twitter

Polizeikontrolle am Strand von Nizza

Unklar ist, ob die Polizisten die Frau zuvor aufgefordert hatten, das lange Oberteil auszuziehen.

NizzaFotos von einer Polizeikontrolle am Strand von Nizza haben die Debatte um Burkini-Verbote in Frankreich angeheizt. In den sozialen Netzwerken sorgten zunächst in britischen Medien veröffentlichte Fotos von der Polizeikontrolle am Mittwoch für einen Sturm der Entrüstung.

Zu sehen ist auf den Bildern, wie vier Angehörige der städtischen Polizei eine Frau umringen, die mit Leggings, einem langen türkisfarbenen Oberteil und mit einem um den Kopf gewickelten Tuch am Strand der südfranzösischen Stadt liegt. Dann zieht die Frau vor den Polizisten das türkisfarbene Oberteil aus, unter dem sie noch ein ärmelfreies Oberteil trägt.

Unklar ist, ob die Polizisten die Frau zuvor aufgefordert hatten, das lange Oberteil auszuziehen, wie britische Medien es darstellen. Auf Twitter gab es trotzdem umgehend empörte Reaktionen: „Sie wollen ihr ihre Kleidung wegnehmen“, schrieb der Vorsitzende des Kollektivs gegen Islamfeindlichkeit in Frankreich, Marwan Muhammad. Der Direktor der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Kenneth Roth, sprach von einem „Gipfel der Absurdität“.

Strafzettel für Strandbekleidung: Erste Bußgelder in Cannes nach Burkini-Verbot

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Ein Bußgeld für zu bekleidete Frauen: 38 Euro zahlen Frauen am Strand von Cannes, die gegen das umstrittene „Burkini-Verbot“ verstoßen. Drei Frauen bekamen bereits Strafzettel, sechs weitere wurden kontrolliert.

Nach den islamistischen Anschlägen in diesem Sommer haben zahlreiche französische Urlaubsorte, darunter Cannes und Nizza, das Tragen des umstrittenen Ganzkörperbadeanzugs an ihren Stränden verboten. Der Burkini – eine Wortschöpfung aus Burka und Bikini – bedeckt den ganzen Körper und wird von muslimischen Frauen getragen, die beim Baden einer strengen Auslegung des Islam entsprechen wollen.

Der Burkini wird in den Dekreten der Bürgermeister nicht namentlich genannt. Vielmehr wird Frauen der Zugang zum Strand untersagt, die „keine korrekte Kleidung tragen, die die guten Sitten und die Laizität respektiert sowie die Hygiene- und Sicherheitsregeln beim Baden achtet“.

Als Begründung für die Verbote führen die Bürgermeister an, wegen der nach den islamistischen Anschlägen angespannten Stimmung in Frankreich könne der Burkini zu Störungen der öffentlichen Ordnung führen. Kritiker verurteilen die Maßnahme als überzogen und islamfeindlich.

Seit Verhängung der Burkini-Verbote sind bereits gegen mehrere Frauen Bußgelder verhängt worden. Das Rathaus von Nizza konnte zunächst nicht sagen, ob die Frau, deren Polizeikontrolle am Mittwoch für Aufregung sorgte, wegen ihrer Kleidung einen Bußgeldbescheid erhielt, wie es die Fotos nahelegen.

Von

afp

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