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20.03.2012

17:00 Uhr

Frankreich

„Roller-Mörder“ filmte Tat in Toulouse

Die Umstände der Bluttat vor einer jüdischen Schule in Toulouse werden immer rätselhafter. Die Fahndung läuft auf Hochtouren, die Franzosen gedenken der Opfer. Der Täter hat offenbar alles gefilmt.

Stofftiere und Blumen wurden vor der Jüdischen Schule in Gedenken an die Opfer niedergelegt. Reuters

Stofftiere und Blumen wurden vor der Jüdischen Schule in Gedenken an die Opfer niedergelegt.

In Frankreich haben Ermittler auf der Jagd nach einem kaltblütigen Serienmörder eine neue Spur. Nach Augenzeugenberichten hatte der Unbekannte bei seinen Schüssen vor einer jüdischen Schule in Toulouse eine Minikamera vor der Brust, wie sie Extremsportler beim Surfen oder Fallschirmspringen benutzen. Innenminister Claude Guéant betonte, trotz intensiver Suche im Internet sei bisher kein entsprechendes Video aufgetaucht. Das Land steht nach der Bluttat in Toulouse unter Schock. In der Region gilt die höchste Terroralarmstufe. Mit einer Schweigeminute in allen Schulen des Landes gedachten die Menschen der Opfer. Juden und Muslime wollen angesichts der Bluttat Geschlossenheit demonstrieren.

Sie planen am Sonntag einen gemeinsamen Schweigemarsch in Paris. Die Motive und die Identität des Mörders, der innerhalb weniger Tage in der südwestfranzösischen Region drei Soldaten sowie einen Lehrer und drei Kinder ermordet hatte, seien weiter unklar, sagte Innenminister Guéant. „Wir wissen bis heute nicht, wer er ist, soweit sind wir noch nicht“, sagte er.

Die Soldaten hatten Wurzeln in Nordafrika, einer war ein Schwarzer, einer war muslimischen Glaubens. Jedes Mal beschrieben Zeugen den Täter als einen schwarz gekleideten Mann, der auf einem Motorroller flüchtete. In Medien wurde spekuliert, neonazistische Militärs könnten hinter den Bluttaten stecken. Der Vorsitzende des Verbands der Muslime Frankreichs, Mohammed Moussaoui, warnte im Anschluss an einen Empfang bei Präsident Nicolas Sarkozy für die Vorsitzenden der jüdischen und muslimischen Glaubensgemeinschaften vor voreiligen Spekulationen. Sarkozy habe betont, im Kampf gegen den Hass müssten alle zusammenstehen, sagte Moussaoui dem TV-Sender BFM.

Der Täter hatte neben einer automatischen Waffe bei allen Anschlägen einen großkalibrigen Colt benutzt, der heute kaum noch verbreitet ist. Er war im Zweiten Weltkrieg eine Standardwaffe der US-Armee. Tausende Militärs seien überprüft worden, aber bisher ohne Ergebnis, sagte Guéant. „Das ist eine Spur unter vielen, aber keine bevorzugte“, fügte er hinzu. Sarkozy nahm in der Pariser Schule François Couperin gemeinsam mit Bildungsminister Luc Chatel an der von ihm angeordneten Schweigeminute teil. „Alle Schüler, wir alle, sind betroffen durch das, was passiert ist“, sagte Sarkozy vor Schülern und Lehrern. „Diese Kinder sind wie ihr, die Opfer sind unschuldig.“ Die gesamte Nation fühle sich solidarisch mit den Angehörigen der Opfer. Frankreich tue alles, um den Täter dingfest zu machen. Auch Sarkozys sozialistischer Herausforderer bei der Präsidentschaftswahl, François Hollande, nahm in einer Schule an einer Schweigeminute teil.

Kommentare (1)

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Rainer_J

20.03.2012, 22:19 Uhr

Ein Land wie Frankreich, das in Eigenregie andere Länder wie z.B. Lybien überfällt und deren Führung killt, muß damit rechnen, dass es Racheaktionen gibt (Vermutung).

"Never Forget.Never Forgive!!!"...denken sicher auch vielen in Nordafrika im Zusammenhang mit Frankreich.

Wer z.B. auch noch Syrien und den Iran angreifen will, sollte wissen was er tun. Ich denke, die Verzweiflung dieser Länder wird noch ganz andere Reaktionen heraufbeschwören.

Bei aller Verständnis für Trauer und Wut:

"Antisemitischer Deutschdreck" ist auf dem Level von "Antideutscher Judendreck" und nicht besser.

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