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19.08.2014

15:18 Uhr

Frankreich und der Erste Weltkrieg

Wo der „Grande guerre“ noch Alltag ist

Als „Grande guerre“ stellt der Erste Weltkrieg in Frankreichs konfliktreicher Geschichte alles in seinen schrecklichen Schatten. Die Erinnerung beim Nachbarn ist aus deutscher Sicht überraschend allgegenwärtig.

16.142 Gräber erinnern an die blutigen Kämpfe um Verdun. Reuters

16.142 Gräber erinnern an die blutigen Kämpfe um Verdun.

Paris Die meisten Touristen und viele Paris-Reisende kennen das Bild. Meist stolpern sie eher zufällig in die Zeremonie und wundern sich, was die Uniformierten da unter dem berühmten Triumphbogen um halb sieben machen.

Jeden Abend wird im Herzen der französischen Hauptstadt nach genauem Ablauf in Begleitung von Veteranen eine ewige Flamme symbolisch neu entfacht. Mit der „flamme du souvenir“ gedenkt die Grande Nation, das von Kriegen ebenso leidgeprüfte wie auch kriegerische Land, eines unbekannten Soldaten.
Die tägliche Geste am Ende der Champs-Élysées steht stellvertretend für die allgegenwärtige Erinnerung in Frankreich. Es ist vor allem der Erste Weltkrieg, trotz seines schrecklichen Nachfolgers noch immer als Grande guerre bekannt, der die historischen Gedanken vieler Franzosen bindet. Zum Centenaire einhundert Jahre nach Kriegsbeginn 1914 steht neben dem Gedenken an Leid und Verlust vor allem ein Gedanke im Zentrum: die auf allen Ebenen gelebte Aussöhnung mit dem früheren Erbfeind Deutschland.

Fakten zum Ersten Weltkrieg

Wer war der "Rote Baron"?

Wegen der roten Farbe seiner Flugzeuge wurde Manfred von Richthofen, der legendäre Kampfflieger des kaiserlichen Deutschland, so genannt. Nach 80 Luftsiegen wurde er im April 1918 über Frankreich abgeschossen.

Welche Rolle spielten Panzer?

Der britische Marineminister Winston Churchill hatte sich schon früh für gepanzerte Kampfwagen starkgemacht. In Nordfrankreich versetzten hunderte britische "Tanks" ab 1916 die Deutschen in Angst und Schrecken, waren aber noch nicht kriegsentscheidend. Deutschland produzierte bis Kriegsende nur etwa 20 frontreife Panzer.

Warum gilt der Krieg als Weltkrieg?

Europa war der Hauptkriegsschauplatz. Aber die geografische Dimension des Krieges umfasste Regionen und Länder aller Kontinente. Nebenschauplätze waren die deutschen Kolonien in Afrika, Asien und im Pazifik, der Nahe Osten, der Kaukasus und die Weltmeere.

Wie viele Länder waren beteiligt?

Direkt und indirekt etwa 40, einschließlich der britischen Empire-Gebiete. Trotz Kriegerklärungen schickten vor allem einige mittelamerikanische Staaten keine Truppen. Andere Länder wie Spanien, die Schweiz und Argentinien blieben neutral.

Welches Land überfiel Deutschland zuerst?

Das neutrale Luxemburg wurde am 2. August 1914 von deutschen Truppen besetzt. Die junge Großherzogin Maria-Adelheid galt als deutschfreundlich, was sie nach Kriegsende den Thron kostete.

Welche Gebiete musste Deutschland 1918 abtreten?

Sämtliche Kolonien sowie etwa 13 Prozent des vorherigen Gebiets mussten abgetreten werden. Dazu zählten Elsass-Lothringen (an Frankreich), Westpreußen, die Provinz Posen und Teile Schlesiens (an Polen), die Kreise Eupen und Malmedy (an Belgien) sowie das Saargebiet, Danzig und das Memelland (unter Verwaltung des Völkerbunds).

Welches Land hatte besonders hohe Menschenverluste?

Serbien, dem Österreich-Ungarn eine Mitschuld an der Ermordung seines Kronprinzen gab, verlor - gemessen an seiner Bevölkerung - mehr Menschen als jedes andere Land. 1,1 Millionen Tote machten 24 Prozent der damaligen Bewohner aus.

Leben noch Teilnehmer des Ersten Weltkrieges?

Nein. Der letzte Veteran, der Brite Claude Stanley Choules, starb mit 110 Jahren im Mai 2011 in einem Pflegeheim in Australien. Bereits im Januar 2008 war bei Köln der letzte deutsche Kriegsteilnehmer gestorben. Der pensionierte Richter Erich Kästner wurde 107 Jahre.

Warum wurden Schützengräben angelegt?

Als der deutsche Vormarsch stagnierte, schaufelten die Soldaten beider Seiten an der 750 Kilometer langen Westfront ein gestaffeltes Graben- und Tunnelsystem. Damit sollte zunächst die Front gehalten werden, um später wieder in die Offensive gehen zu können. Die bis zu zehn Meter tiefen Unterstände boten allerdings keinen sicheren Schutz vor Artilleriefeuer.

Wo wurde erstmals Giftgas eingesetzt?

Bei der belgischen Stadt Ypern, am 22. April 1915 von deutschen Truppen gegen französische Stellungen. Mindestens 1200 alliierte Soldaten kamen durch das Luftwege und Lungen verätzende Chlorgas um.

Was verband den Kaiser und Lenin?

Die ideologischen Todfeinde wollten den Krieg im Osten beenden. In einer Geheimaktion schleuste Deutschland den russischen Revolutionär Wladimir Iljitsch Lenin im April 1917 aus dem Schweizer Exil nach Petrograd (heute St. Petersburg). Nach der bolschewistischen Revolution schloss er im März 1918 Frieden mit Deutschland.

Wer kannte "keine Parteien mehr"?

Kaiser Wilhelm II. beschwor am 4. August 1914 im Reichstag den Zusammenhalt der Nation. "Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche." Auch weite Teile der SPD stimmten dem Burgfrieden zu, weil sie das Vaterland bedroht sahen.

Aus deutscher Sicht ist die zentrale Bedeutung des Ersten Weltkriegs oft überraschend. Das lässt sich etwa an kleinen Beobachtungen festmachen: Eine ältere Französin bricht beim Gespräch über den ersten Weltkrieg plötzlich, von der Erinnerung an Erzählungen der Verwandten übermannt, in Tränen aus.

Eine größere Verbindung erkennt der Historiker Arndt Weinrich vom Deutschen Historischen Institut in Paris: Für Frankreich habe der Erste Weltkrieg eine Bedeutung, "die mit der der französischen Revolution von 1789 durchaus vergleichbar ist".

Kommentare (1)

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Herr Peter Spiegel

19.08.2014, 18:26 Uhr

Erbfeind:
Mein Großvater hat an beiden Weltkriegen teilgenommen und niemals von Feinden sondern vom Gegner gesprochen. Der Feind
oder Erbfeind findet sich in erst meiner Elterngeneration die in der Schule dahingehend erzogen wurden.

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