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15.07.2016

10:50 Uhr

Frankreich und der nächste Anschlag

„Wir sind untröstlich – aber auch stark“

VonTanja Kuchenbecker

Frankreichs Präsident Hollande spricht von einem Terroranschlag in Nizza. Er kündigt Härte an, um die „Geißel des Terrorismus“ zu bekämpfen. Frankreich werde die Angriffe auf den IS in Irak und Syrien ausweiten.

Haus des Täters durchsucht

Hollande will Luftangriffe in Syrien fortsetzen

Haus des Täters durchsucht: Hollande will Luftangriffe in Syrien fortsetzen

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ParisEin Wort taucht am Freitag morgen auf Frankreichs Tageszeitungen auf: „Horror.“ Es beschreibt das Gefühl in Frankreich nach dem grausamen Anschlag in Nizza mit bisher 84 Toten und 18 Schwerverletzten. „Horror in Nizza“, schreibt „Le Parisien“ auf der Titelseite und „Horror, schon wieder“, heißt es bei „Le Figaro“. Die Tageszeitung aus Nizza, „Nice Matin“, titelt „Massaker“. Eine ganze Nation steht unter Schock.

Nachdem die Fußball-EM mit höchsten Sicherheitsmaßnahmen überstanden war, ohne dass es zu Attentate auf Menschenmengen gekommen war, atmeten alle auf. Doch nun, ausgerechnet am französischen Nationalfeiertag, dem 14. Juli, kam es zu einem neuen Anschlag.

Die Brutalität des Anschlags – dass der Lastwagenfahrer zwei Kilometer durch eine Menschenmenge auf der Strandpromenade rast – entsetzt alle. Die Menschen hatten vorher den Nationalfeiertag gefeiert, als es nach 22.30 Uhr nach dem Feuerwerk zur Katastrophe kam.

Frankreichs Präsident François Hollande hat sich noch in der Nacht in einer Fernsehansprache zu Nizza geäußert und sprach von einem Terroranschlag. Er war sichtlich schockiert, als er sagte: „Frankreich wurde an seinem Nationalfeiertag getroffen, dem Symbol der Freiheit.“

An dem Tag wird der Erstürmung der Bastille am 14. Juli 1789 gedacht, die als Beginn der französischen Revolution gilt. Hollande betonte den terroristischen Charakter des Anschlages und erklärte: „Wir müssen alles tun, um die Geißel des Terrorismus zu bekämpfen.“ Der Ausnahmezustand, der eigentlich am 26. Juli enden sollte, soll um drei Monate verlängert werden. Soldaten und Reservisten sollen zusätzlich für ganz Frankreich mobilisiert werden. Das Personal an französischen Grenzen soll aufgestockt werden. „Ganz Frankreich ist vom islamistischen Terrorismus bedroht.“

Auf Twitter sagte Hollande, Frankreich sei untröstlich und traurig – aber auch stark. Frankreich werde immer stärker sein als die Fanatiker, die das Land treffen wollten. Der Präsident will heute nach Nizza reisen. Er kündigte auch an, die französischen Angriffe auf den Islamischen Staat im Irak und Syrien auszuweiten.

Der französische Innenminister Bernard Cazeneuve reiste nach Nizza und sagte: „Wir sind in einem Krieg mit Terroristen, die uns um jeden Preis wehtun wollen.“ Der Präsident der Region und ehemalige Bürgermeister von Nizza Christian Estrosi beschrieb die Tat als „größte Tragödie in der Geschichte von Nizza.“ Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo twitterte, dass die Städte Nizza und Paris vereint sein. „Im Namen aller Pariser, unsere brüderliche Unterstützung gilt den Menschen von Nizza.“ Paris wurde 2015 von zwei Terroranschlägen getroffen, zuletzt am 13. November.

Fahrzeuge als tödliche Waffe

Aufrufe des IS

Ein Fahrzeug als tödliche Waffe: Mindestens 80 Menschen hat ein Angreifer am französischen Nationalfeiertag in Nizza getötet, als er mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge raste. Zwar waren die Motive des Mannes zunächst unklar. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hatte ihre Anhänger aber bereits aufgerufen, auch Fahrzeuge als Waffen zu nutzen. Solche Attacken gab es in der Vergangenheit bereits in Kanada und Großbritannien.

London, Mai 2013

Im Mai 2013 fahren zwei Londoner nigerianischer Abstimmung in der britischen Hauptstadt den Soldaten Lee Rigby mit einem Auto an, bevor sie ihn erstechen. Einer der Angreifer ruft kurz danach, er wolle die „von britischen Soldaten getöteten Muslime“ rächen.

Montréal, Oktober 2014

Im Oktober 2014 rast ein 25-jähriger kanadischer Konvertit in einem Vorort von Montréal mit seinem Auto auf drei Soldaten. Er tötet einen der Männer und verletzt einen weiteren. Nach einer Verfolgungsjagd wird er schließlich erschossen. Der Angreifer wollte zum Dschihad nach Syrien reisen.

Audiobotschaft im September

Schon seit Jahren rufen das Terrornetzwerk Al-Kaida und der IS ihre Anhänger auf, im Westen „Ungläubige“ zu töten - egal mit welcher Waffe. IS-Sprecher Abu Mohammed al-Adnani erklärte in einer im September 2014 verbreiteten Audiobotschaft, wenn jemand „keine Bombe zünden oder Kugel abfeuern“ könne, sei jedes andere Mittel recht. Konkret nannte al-Adnani unter anderem Messerattacken oder Angriffe mit einem Auto.

Der französische Wirtschaftsminister Emmanuel Macron twitterte: „Von ganzem Herzen bei den Opfern und ihren Angehörigen nach der niederträchtigen Attacke in Nizza. Wir werden nicht nachgeben. Mut.“
Auch der ehemalige französische Präsident Nicolas Sarkozy äußerte sich auf Twitter: „Tiefes Mitgefühl und unendliche Traurigkeit angesichts der Attacke in Nizza. Solidarität gegenüber den Bewohnern von Nizza und den Einwohnern (des Departements) Alpes-Maritimes.“

Der ehemalige Außenminister und Bürgermeister von Nizza Alain Juppé twitterte: „Fassungslosigkeit gegen über der terroristischen Barbarei, die Nizza und Frankreich im Herzen trifft. Wir sollten eine Front dagegen bilden.“

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