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06.10.2016

10:42 Uhr

Frankreich vor dem Machtwechsel

Wer wird der nächste Präsident?

VonThomas Hanke

Sarkozy oder Juppé? Mit harten Attacken versucht Frankreichs Ex-Premier Sarkozy, bei der Vorwahl der Konservativen einen Sieg gegen seinen Konkurrenten zu erzwingen. Wer gewinnt, hat beste Chancen auf das Präsidentenamt.

Alain Juppé (links),  Bürgermeister von Bordeaux, und früherer Premier Nicolas Sarkozy wollen in den Elysee-Palast. AFP; Files; Francois Guillot

Duell der Konservativen

Alain Juppé (links), Bürgermeister von Bordeaux, und früherer Premier Nicolas Sarkozy wollen in den Elysee-Palast.

ParisIn anderthalb Monaten bestimmen Frankreichs Konservative, wer der neue Präsident des Landes sein wird. Die Präsidentschaftswahl findet erst im Mai 2017 statt, doch wer das Land in den folgenden fünf Jahren regiert, entscheidet sich schon Ende November.

Am 20. und 27. November wählen die Konservativen und die rechte Mitte ihren Kandidaten. Der wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit im Mai 2017 das Rennen machen. Da die Linke völlig zersplittert ist, werden ihre Kandidaten 2017 im ersten Wahlgang aussortiert werden. In der Stichwahl stehen sich dann die rechtsextreme Marine Le Pen, Chefin der Front National, die als gesetzt gilt, und der Kandidat der Konservativen gegenüber. Dieser wird aller Voraussicht nach gegen Le Pen gewinnen. Diese Erwartung gilt selbst für den Fall, dass der linksliberale Emmanuel Macron, einer der beliebtesten französischen Politiker, antreten sollte.

Frankreich: Früherer Sarkozy-Berater enthüllt Beleidigungen

Frankreich

Früherer Sarkozy-Berater enthüllt Beleidigungen

Nicolas Sarkozy will zurück in den Elysee-Palast. Ob er als Kandidat der Konservativen antreten kann, entscheidet sich im November. Nun veröffentlicht ein ehemaliger Berater ein Buch über den Ex-Präsidenten.

Deshalb ist diese Urwahl des konservativen Kandidaten, die erste im konservativen Lager, so wichtig. Zwei Politiker haben die größten Chancen auf den Sieg: Alain Juppé, 71-jähriger Bürgermeister von Bordeaux und früherer Premier sowie Außenminister, und Nicolas Sarkozy, 62 Jahre alt, der 2012 als Präsident nicht wiedergewählt wurde. Die Umfragewerte schwanken, doch der erwartete Zieleinlauf hat sich seit Monaten nicht geändert: Man rechnet mit einem Sieg des älteren der beiden Herren.

Sarkozy konnte eine Zeit lang aufholen, doch in der vergangenen Woche kam diese Dynamik zum Stillstand. Im zweiten Wahlgang der „primaires“ wird nun sogar mit einem noch klareren Sieg Juppés gerechnet.

Juppé und Sarkozy sind Rivalen, sie haben unterschiedliche Positionen, aber vor allem sind sie völlig unterschiedliche Charaktere. Juppé wirkt ein wenig wie ein in die Jahre gekommener Intellektueller: überlegt, moderat, erfahren. Er ist Kopfmensch durch und durch. Politik ist für ihn ein Mittel, um Einfluss auf die französische Gesellschaft zu nehmen. Für die strebt er eine „glückliche Identität“ an. Die Franzosen sollen zu einem Optimismus zurückfinden, den sie verloren haben. In seinen Positionen wie in seinem Auftreten ist er so gemäßigt, dass einige Sympathisanten ihn unlängst aufforderten, „härter zuzulangen“.

Frankreich

Bruttoinlandsprodukt

Nach Daten des IMF betrug das französische BIP im vergangenen Jahr rund 2,42 Billionen US-Dollar. Im europäischen Vergleich steht das Land damit an dritter Stelle hinter Spitzenreiter Deutschland und Großbritannien. Was zunächst positiv klingt, erscheint mit Blick in die frühe Vergangenheit gar nicht mehr allzu rosig. Nur ein Jahr zuvor hatte das Bruttoinlandsprodukt noch fast 400 Milliarden US-Dollar mehr auf dem Konto – und stand damit auch vor dem Vereinigten Königreich. Vom Allzeithoch aus dem Jahr 2008 (2,94 Billionen US-Dollar) ist Frankreich ein gutes Stück entfernt.

Einwohnerzahl

Im „französischen Mutterland“ lebten zu Beginn des zurückliegenden Jahres 64.204.247 Menschen. Nimmt man die Überseedépartements Guadeloupe, Martinique, Französisch-Guayana, Réunion und Mayotte hinzu, kommt die französische Republik auf über 66,3 Millionen Einwohner. Einer Prognose von Eurostat zufolge wird das zweitbevölkerungsreichste Land Europas bis 2050 sehr nah an die künftigen Zahlen aus Deutschland herankommen – knapp über 74 Millionen Menschen sollen beide Staaten dann jeweils beherbergen.

Bevölkerungsdichte

Mit rund 550 km² ist Frankreich auch ohne die dazugehörigen Überseeinseln und -gebiete bereits das flächenmäßig größte Land in Europa. Dementsprechend viel Platz steht den zahlreichen Franzosen zur Verfügung, was sich auf die Bevölkerungsdichte auswirkt. Mit 117 Einwohnern pro Quadratkilometer befindet sich die Republik so nah am EU-weiten Durchschnitt (116,3) wie kein anderes europäisches Land.

Staatsoberhaupt

Mit der Annahme einer neuen Verfassung im Oktober 1958 wurde in Frankreich die sogenannte „Fünfte Republik“ eingeführt. Beginnend mit Charles de Gaulle standen seither sieben Präsidenten an der Spitze des Staates. Seit Mitte 2012 hat François Hollande das höchste Amt inne, der nach der erfolgreichen Wahl den bis dahin amtierenden Präsidenten Nicolas Sarkozy vorzeitig ablöste.

Nationalhymne

Die „Marseillaise“ ist seit 1795 die offizielle französische Nationalhymne. Drei Jahre zuvor wurde sie von Claude Joseph Rouget de Lisle verfasst – allerdings als Kriegserklärung an Österreich. Unter dem Titel „Chant de guerre pour l’armée du Rhin“ („Kriegslied für die Rheinarmee“) war sie dem Oberbefehlshaber und Gouverneur von Straßburg, Nikolaus von Luckner, gewidmet und ertönt bis heute in dessen Geburtsort, Cham in der Oberpflaz, täglich als Glockenspiel auf dem Marktplatz. Das Lied wurde beim Einzug in Paris von Soldaten aus Marseille gesungen, wodurch der bekannte Titel zustande kam.

Das Problem mit den Rechten

Der Name der rechtsradikalen Partei Front National tauchte in der jüngsten Vergangenheit häufig in den Medien auf. Dabei konnte die Partei rund um deren Vorsitzende Marine Le Pen bereits in den 1980er Jahren erste Erfolge verbuchen – und das aus denselben Gründen wie heute. Der wirtschaftliche Pessimismus innerhalb des Landes brachte dem FN zweimal in Folge mindestens einen Sitz in der Nationalversammlung. Aus der Europawahl 2014 ging der FN mit 24,86% der Stimmen als Sieger unter den französischen Parteien hervor. Bei der Präsidentenwahl im nächsten Jahr werden Le Pen gute Ergebnisse prognostiziert – wenngleich es nicht ganz für das Amt reichen solle.

Französische Revolution

„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ ist nicht nur der Wahlspruch der Republik Haiti sowie der heutigen Französischen Republik, sondern auch das Motto der Französischen Revolution, die ab 1789 grundlegende Werte und Ideen der Aufklärung propagierte und umsetzte. Sie hatte signifikante gesellschaftspolitische Veränderungen auf dem ganzen Kontinent zur Folge. Die heutige französische Verfassung verweist auf die zu jener Zeit entstandene „Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte“ und enthält sonst keinen eigenen Grundrechtekatalog.

Das ist das Letzte, was man Sarkozy raten müsste. Für ihn ist der amtierende Präsident François Hollande „ein Weichei“, sein Rivale Juppé ein Langweiler, der sich durch „weiches Denken“ auszeichne und nur einen „weichen Politikwechsel“ wolle. Seinen früheren Premier Francois Fillon bezeichnete Sarkozy als „eine armselige Gestalt“. Sich selber hält er zugute, aus „hartem Leder“ zu sein.

Politik ist für den ehemaligen Präsidenten ein Mittel zur Selbstverwirklichung. Sein langjähriger engster Berater Patrick Buisson attestiert ihm in einem vergangene Woche erschienenen Buch alles, was ihn denkbar ungeeignet erscheinen lässt: „Unreife, Würdelosigkeit und Infantilismus“. Seine Präsidentschaft von 2007 bis 2012 sei eine ständige „Ego-Inkontinenz“ gewesen: Nicht das Land, sondern die Selbstverwirklichung hätten stets die Priorität gehabt. Vor allem aber: Sarkozy habe nicht den Hauch einer wirklichen Überzeugung. Stattdessen schreibe er sich das auf die Fahnen, was gerade Erfolg verspreche.

Kommentare (3)

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Baron v. Fink

06.10.2016, 11:32 Uhr

Welch loses Geschreibsel hier, die schützen meine Profite vor dem Pebs und natürlich gehört dazu, dass Panzer eingesetzt werden.

Account gelöscht!

06.10.2016, 12:22 Uhr

Die Rechnung wird hier also ohne Le Pen gemacht?!

Herr Gerhard Golenz-Zeubner

06.10.2016, 13:02 Uhr

Meine französischen Geschäftsfreunde sind sich beinahe sicher, das Marine Le Pen das Rennen macht.

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